» „Für eine gute Sache gebe ich alles“
„Ich möchte darauf hinweisen, dass nicht alle Demonstrationsthemen meiner Meinung entsprechen“ weißt einer der Mietdemonstranten interessierte Mieter auf seine Einsatzbereitschaft hin. Seit dem das
Internetportal Erento, neben Riesenrädern und Kehrmaschinen auch Demonstranten zur Anmietung feilbietet, haben sich rund 300 Miet-Demonstranten eingetragen. Laut Erento-Firmensprecher, fülle man mit diesem Angebot eine Marktlücke, die angeblich aufgrund der steigenden Nachfrage von Verbänden entstanden ist.
Wie die „taz" in ihrer Ausgabe vom 5. Januar d.J. berichtet, wirbt die Leihfirma deshalb nun mit hunderten „Protestierern auf Abruf". Wer „einen Aufschrei des Protests" organisieren wolle, wirbt die Firma in einem Werbetext, könne die „Widerständler" einfach per Internet buchen. Angeboten werden Schüler, Studenten und Rentner, die ihre Finanzen mit künstlicher Meinungsbekundung aufbessern wollen. Die Kandidaten verraten Augenfarbe, Kostümierung, Körbchengröße - für jeden Anlass ist was dabei. Die politische Couleur der Kundschaft spielt für Erento keine Rolle. Suche die NPD Demonstranten, müssten die gemieteten Protestierer entscheiden, ob sie mitmachten. Der Erento-Firmensprecher: „Die moralische Bewertung liegt nicht bei uns - wir sind nur das Vermittlungsportal." Welche und wie viele Organisationen bisher Protestler kauften, hält Erento unter Verschluss – „verständlicherweise wünschen die Kunden Diskretion“. Der Staatsrechtler Christoph Degenhart von der Uni Leipzig sieht in der Verleihpraxis von Erento – so die „taz" - einen Missbrauch des Demonstrationsrechts und fordert eine Ergänzung des Grundgesetzes. „Das ist an der Grenze zur Sittenwidrigkeit", so Degenhart gegenüber dem Bielefelder Westfalen-Blatt. Die anheuernden Verbände müssten zur Bekanntgabe gezwungen werden, meint der Jurist: „Die öffentliche Meinungsäußerung darf nicht zu einer Frage des Geldes werden."
Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 18. Januar 2007 11:55