Umfrage zum Urheberrecht im Internet: Warum den Spieß nicht umdrehen?

verbaende.com, 14.09.2012 09:19
Klassische Modelle des Urheberrechts haben es in der digitalen Welt nicht einfach. Wirklich nicht: Musiktauschbörsen, Filesharing-Plattformen, Online-Videotheken und Kino-Downloads sind nur einige prominente Beispiele. Allen Forderungen und Denkweisen des „klassischen Urheberrechts“ liegt eine – zumeist – untrennbare Verbindung von Medium und Inhalt zugrunde. Diese Verbindung brach die digitale Welt auf.


Früher trug eine CD die Musik. Der Inhalt stand immer im Buch. Eine CD zu kopieren, ist vergleichsweise schwer, ein Buch gar noch aufwändiger. Löst sich diese Verknüpfung „Medium – Inhalt“ auf, wird es kompliziert. Die Hürde der Weitergabe sinkt enorm. Eine digitale Kopie ist nur einen Mausklick entfernt und damit die Urheberrechtsverletzung, zumindest aber die Durchsetzung von ehrwürdigen Schutzrechten kräftig gestört. Kürzlich ist das ACTA-Rahmenabkommen durch verschiedene öffentliche Proteste so arg unterminiert worden, dass es politisch im Europäischen Parlament scheiterte. Doch Ziel des Abkommens, nämlich Regeln für diese neue digitale Welt aufzustellen und Mindest-Standards zu definieren, bleibt bestehen. Stichwort: Leistungsschutzrecht, ein nicht so weitreichender Handlungsbereich, wohl aber mit maximaler Auswirkung. Durch die Vorlage des „Siebenten Gesetzes zur Änderung des Urheberrechtsgesetzes“ soll „sichergestellt werden, dass Presseverlage im Online-Bereich nicht schlechter gestellt sind als andere Werkvermittler. Um den Schutz von Presseerzeugnissen im Internet zu verbessern, soll ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage eingeführt werden“. Ob künftig Google für seine Mini-Ausschnitte von Seiten aus den Internetauftritten großer Verlage, die sogenannten „Snippets“, kräftig Geld an die Verlage bezahlt oder schlicht Verlagsinhalte aus dem Suchindex entfernt, um die Kosten niedrig zu halten, ist Gegenstand kontroverser Überlegungen. Sicher ist, dass kein Gesetz den Bundestag verlässt, wie es hineinging. Ob also, ein Leistungsschutzrecht so kommen wird, wie der Kabinetts-Entwurf vorsieht, darf bezweifelt werden.

So oder so bleibt festzuhalten: Schutzwürdige Inhalte sollen auch weiterhin digital geschützt werden können, sagen mehr die Hälfte der Bürger in Deutschland. Einer Umfrage vom Institut für Demoskopie IfD Allensbach zufolge, sind „56 Prozent der Bevölkerung der Meinung, dass das kostenlose Kopieren und Tauschen von Musik, Büchern oder Filmen über das Internet verboten sein sollte, weil den Künstlern ein ausreichender Lohn für die erstellten Werke dadurch verwehrt würde“. Demgegenüber glaubt fast ein Viertel, „dass künstlerische Werke im Internet für alle frei verfügbar sein sollten, nicht nur für diejenigen, die sich diese leisten können“.

Wenig überrascht der Umstand, dass maßgeblich für die Befragungsergebnisse das Alter ist: „Während von den 30-Jährigen und Älteren zwischen 59 und 61 Prozent für den Schutz des Urheberrechts im Internet votieren, sind es von den 16- bis 29-Jährigen lediglich 39 Prozent. In der jüngeren Generation vertritt eine relative Mehrheit von 46 Prozent die Gegenposition einer ausgeprägten Gratis-Kultur im Netz“ (siehe auch die Grafik rechts).

Wie also die Schutzrechte im Internet durchsetzen? Ginge das überhaupt? Technisch, organisatorisch und legal stellt die grenzübergreifende Schutzfunktion von Urheberrechten und vor allem deren Einklagbarkeit eine enorme Herausforderung für den politischen Gesetzgeber dar. Auch glauben viele der Deutschen nicht daran, dass es überhaupt möglich sei, die Urheberrechte durch „Kopier- und Tauschverbote im Internet“ oder gar generelle Verbote zu implementieren, fasst das IfD zusammen.

Warum nicht also anders herum denken? Anstelle, dass Verlage sich durch ein Leistungsschutzrecht vom Internet abzukoppeln drohen oder nicht durchsetzbare Kopierverbote es den jüngsten nicht schwerer machen, online Daten zu tauschen, warum nicht die „neue Welt“ als Transparenz begreifen und die Chancen sehen. Durch klugen Umgang mit den neuen Medien können Verlage ganz neue Leserschichten für ihre Produkte begeistern. Amerikanische und britische Verlage machen das vor. Es ist keine Schande, wenn in Twitter und Facebook meine Artikel mit Text-Ausschnitten verbreitet werden. Im Gegenteil: Das erhöht die Leserschaft und damit auch die Bereitschaft, das Originalprodukt käuflich zu erwerben. (tr/cl)


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(Quelle: ghh consult GmbH, Wiesbaden; Tagungs-/Kongressmarkt 2012/2013)

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