Pressemitteilung

Aus alten Fehlern wieder nichts gelernt / Mit punktuellen Korrekturen lässt sich aus dem G8 kein Erfolgsmodell machen / BLLVPräsident Klaus Wenzel appelliert an die Verantwortung des Kabinetts

(München) - Mit einem "Flexibilisierungsjahr" und punktuellen Kürzungen im Lehrplan lassen sich die gravierenden Probleme an den bayerischen Gymnasien nicht lösen. "Ich habe den Eindruck, hier ist ein unkontrollierter Aktionismus am Werk, mit dem der verzweifelte Versuch unternommen wird, Lösungen zu finden, ohne etwas verändern zu müssen", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, heute in München. "In so kurzer Zeit lassen sich jedenfalls keine sinnvollen Reformen bewerkstelligen, schon gar nicht eine durchdachte Kürzung der Lehrpläne." Erneut warf er der Staatsregierung vor, eine Maßnahme nach der anderen aus dem Ärmel zu schütteln, um Ruhe in die Gymnasien zu bringen. "So wird das aber nicht gelingen." Zu befürchten seien vielmehr weitere qualitative Einbußen und Verärgerungen bei den Lehrkräften. "Sie sind es leid, die Folgen unausgegorener schulpolitischer Entscheidungen zu tragen und vor der Elternschaft rechtfertigen zu müssen."

Der BLLV fordert ebenso gut vorbereitete wie tiefgreifende Veränderungen auf der Basis eines tragfähigen pädagogischen Konzeptes. Einbezogen werden müssen Experten, die sich mit modernen Lehr- und Lernprozessen auskennen. Zugrunde gelegt werden muss ein neues Lern- und Leistungsverständnis, das in der Konsequenz Änderungen der Lehrpläne und Unterrichtsmethoden nach sich zieht. "Mit einzelnen Streichungen - hier weniger Mittelalter und dort weniger Literatur - ist es nicht getan." Das "Flexibilisierungsjahr" bezeichnete Wenzel als wenig originelle Wortschöpfung, die das ganze Ausmaß der Hilflosigkeit offenbare. Wenzel erwartet, dass das Kabinett in seiner heutigen Sitzung die Notbremse zieht. Dies sei es den Schülern, Eltern und Lehrern schuldig.

Der BLLV distanziert sich grundsätzlich von den bislang bekannt gewordenen
Überlegungen zur vermeintlichen Verbesserung der Situation am achtjährigen
Gymnasium: "Die Staatsregierung hat ganz offensichtlich aus den Fehlern, die
bei der unüberlegten Einführung des G 8 gemacht wurden, nichts gelernt", sagte
Wenzel. Es sei erschreckend, beobachten zu müssen, wie Tatsachen geschaffen
würden, die zu Lasten der Lehrer und der Schüler gingen. "Das ist keine sinnvolle Reformpolitik."

"Genauso hektisch und überstürzt wie vor acht Jahren die Verkürzung um ein
ganzes Schuljahr erfolgt war, wurden Mitte Juli von den immer gleichen Akteuren
nach einem in aller Eile einberufenem "Bildungsgipfel" punktuelle Korrekturenpräsentiert, die aus dem verkorksten G8 ein Erfolgsmodell machen sollen. Und heute, am letzten Tag vor den Sommerferien, werden noch schnell ein "Flexibilisierungsjahr" und eine Lehrplankürzung präsentiert", fasste Wenzel zusammen. Er bleibe dabei: Über Nacht ließen sich keine tragfähigen, vernünftigen und zeitgemäßen Konzepte entwickeln, von denen Schüler und Lehrer profitieren könnten. "Gute pädagogische Schulkonzepte brauchen Zeit, Raum, Expertise und vor allem Ressourcen."

Das wie auch immer ausgestaltete "Flexibilisierungsjahr", vor kurzem noch "Intensivierungsjahr" genannt, provoziere einen neuen strukturellen und organisatorischen Kraftakt, der zu Lasten der gymnasialen Lehrerschaft und der inhaltlichen Diskussion gehen werde. "Dies dürfen wir weder den Schulleitern noch den Schülern antun, die seit acht Jahren unter den Folgen einer Hau-Ruck-Politik leiden. Wir brauchen durchdachte Reformen, die im Vorfeld ausführlich mit den Schulleitungen, Lehrern und Eltern besprochen werden. Dies müsste auch dem Kabinett einleuchten".

Damit die Schwächen tatsächlich behoben werden könnten, müssten alle Probleme
offen und ehrlich analysiert werden. Keine Beachtung fand bislang beispielsweise die Tatsache, dass jeder 5. Gymnasiast die Schule vorzeitig verlässt und es nicht bis zum Abitur schafft. "Eine solche Bestandaufnahme unter Beteiligung der tatsächlich Betroffenen habe nie stattgefunden." Nun werde erneut etwas "verordnet". "Umzusetzen, zu organisieren und in den Schulalltag zu integrieren haben es wieder die Lehrkräfte", kritisierte der BLLV-Präsident.

Er warf dem Kultusministerium vor, mit Schnellschüssen das Wohl einer ganzen Schülergeneration und das Wohl der Lehrerschaft aufs Spiel zu setzen. "Seit Jahren können sie nicht vernünftig arbeiten, weil sie durch schulbürokratischen Aktionismus gestört werden und ihren eigenen Qualitätsansprüchen kaum mehr gerecht werden können.”

Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Pressestelle
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
E-Mail: pressereferat@bllv.de
Internet: http://www.bllv.de
(dvf, rf)


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Ausgabe 07|Oktober 2014
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