Pressemitteilung

Mittelständische Zulieferer in der Globalisierung / 160 Unternehmer diskutierten auf dem Zulieferforum der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie in Düsseldorf über Chancen und Risiken der Globalisierung / Zahl der ausländischen Produktionsstandorte steigt / Energie- und Rohstoffkosten bleiben Wettbewerbsrisiken

(Düsseldorf) - Immer mehr deutsche Zulieferer der Automobilindustrie eröffnen Standorte im Ausland und steigern so ihre Wettbewerbsfähigkeit. Allerdings ist das Auslandsengagement für die überwiegend mittelständischen Familienunternehmen deutlich schwieriger als für Konzerne, die bereits über ein globales Vertriebs- und Produktionsnetz verfügen. Dies stellte Michael Schädlich, Präsident des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung und Vorstand im BDI-Mittelstandsausschuss, vor 160 Unternehmern heute auf dem Zulieferforum in Düsseldorf heraus. Er forderte die Politik auf, die Rahmenbedingungen für den Internationalisierungsprozess zu verbessern. "International wettbewerbsfähige Produkte und Unternehmen sind auf attraktive Finanzierung, Innovationen, niedrige Bürokratiehürden und verlässliche Außenwirtschaftspolitik angewiesen." Die ArGeZ, welche die Interessen von Zulieferern aus Gießerei- und Kautschuk-Industrie, Textilwirtschaft, Stahl- und Metallverarbeitung, NE-Metalle und Kunststoffverarbeitung vertritt, setzt sich seit 1993 für bessere politische Rahmenbedingungen ein und unterstützt die Unternehmen bei der Teilnahme an Auslandsmessen. 75 Prozent der Wertschöpfung beim Automobil entfallen auf die Zulieferindustrie. Weitere wichtige Kundenbranchen sind Maschinenbau, Elektrotechnik und Schienenfahrzeugbau. Insgesamt bieten die ArGeZ-Mitglieder rund 1 Mio. Arbeitsplätze. In Europa belegt die deutsche Zulieferindustrie mit Abstand den ersten Platz und ist einer der größten Arbeitgeber.

70 Prozent Prozent des Umsatzes werden durch den direkten und indirekten Export erzielt, aber das reicht für die Standortsicherung oft nicht mehr aus. Deshalb steigt der Globalisierungsgrad in der Branche an. Im Fokus des Auslandsengagements stehen bei den Unternehmen vor allem China, Indien, Lateinamerika und Russland, die Märkte also, in die sich die Automobilproduktion in rasantem Tempo verlagert. Selbst in der Krise, als die Investitionen insgesamt rückläufig waren, sind die Auslandsinvestitionen der deutschen Unternehmen gestiegen. Betrugen die Auslandsinvestitionen beispielsweise in der Stahl- und Metallverarbeitung 2006 3,7 Mrd. Euro, so stiegen sie bis 2009 um 40 Prozent auf 5,2 Mrd. Euro.

Inzwischen haben die 10.000 Zulieferfirmen der ArGeZ über 1.000 Produktionsstätten weltweit, die Anzahl der Vertriebsgesellschaften im Ausland liegt deutlich darüber. Der überwiegende Teil wird als Joint-Ventures geführt, da insbesondere Schwellenländer an Know-how-Transfer interessiert sind und ihre heimische Industrie über Local content Vorschriften fördern. Genau darin aber sieht Michael Schädlich eine Gefahr, da unfreiwilliger Technologietransfer eher zu- als abnehme. Kopieren gelte gerade in China als Kompliment. "Um den Patentschutz und die Durchsetzung ihrer Schutzrechte vor Ort müssen sich deutsche Unternehmer intensiv kümmern."

Er zeigte sich trotz aller Hürden überzeugt, dass auch der Mittelstand global erfolgreich ist und somit Arbeitsplätzen in Deutschland sichert. Auch die im Herbst 2011 veröffentlichte Studie "Die Zukunft der Automobilindustrie in Deutschland" des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen, die den Schritt ins Ausland wagen, ihre Wettbewerbsfähigkeit positiver beurteilen als Unternehmen, die nur im Inland produzieren.

2012 weiteres Wachstum erwartet
ArGeZ-Sprecher Theodor L. Tutmann stellte die Wirtschaftsentwicklung der Branche dar. Nach vorläufigen Berechnungen ist die Produktion der Zulieferindustrie 2011 gegenüber dem Vorjahr um rund 13 Prozent gewachsen. Der Umsatz in der Branche betrug in den ersten 11 Monaten schon über 206 Mrd. Euro (2010: 190 Mrd. Euro). "Wir gehen davon aus, dass wir 2011 das Vorkrisenniveau des Jahres 2008 überschritten haben." In den letzten beiden Jahren konnten die Umsatzverluste von 2009 (minus 22%) wieder ausgeglichen werden. Die Beschäftigung in der Branche hat sich ebenfalls positiv entwickelt: Die Zahl der Beschäftigten lag im November 2011 mit 953.000 5 Prozent über dem Gesamtjahr 2010, es wurden rund 50.000 neue Stellen geschaffen. Positiv wirkten die Entwicklung in den USA und die bislang unvermindert starke Dynamik der Märkte in Asien. War die Automobilbranche 2010 Wachstumstreiber, kamen 2011 erwartungsgemäß die stärkeren Impulse aus Maschinenbau sowie Elektrotechnik und Schienenfahrzeugbau.

Im Dezember stuften die Unternehmen ihre aktuelle Lage als stabil ein. Im Lauf des Jahres 2011 wurden jedoch die mittelfristigen Zukunftserwartungen unter dem Eindruck der ungelösten Staatsschuldenkrise immer kritischer bewertet, wie der aktuelle ArGeZ-Geschäftsklimaindex zeigt. Dies macht deutlich, dass die bisherigen Lösungsvorschläge der politischen Akteure in der EU skeptisch gesehen werden und die Stimmung nicht verbessern. Dennoch erwarten die Unternehmer keinen konjunkturellen Einbruch, sondern blicken mit Vorsicht in die Zukunft. Für 2012 erwarten die ArGeZ-Mitglieder im optimistischsten Szenario ein Produktionsplus von 3 bis 4 Prozent. Damit wird die Branche eine Beruhigung auf hohem Niveau erfahren. Nach zwei Jahren mit außergewöhnlich hohem Wachstum entspricht die Abkühlung einem normalen zyklischen Verlauf.

Risiken und Chancen für Mittelständler
Viele Unternehmen haben nach der jüngsten Weltwirtschaftskrise ihr Eigenkapital gestärkt, durchschnittlich beträgt die Eigenkapitalquote in der mittelständisch geprägten Branche 30%. Dennoch wird ihr Finanzierungsbedarf mittelfristig steigen, insbesondere da 2009 und 2010 die Investitionen zurückgefahren wurden. Die Unternehmen benötigen Liquidität, um global agieren zu können. "Nur Unternehmen, die weltweit nachgefragte Produkte anbieten oder Technologieführer sind, sollten den Schritt ins Ausland wagen", sagte WSM-Präsident Michael Schädlich. Auch an den Managementaufwand müsse gedacht und an der Mitarbeiterqualifikation gearbeitet werden. "Hier zählen Fähigkeiten im Projektmanagement, gute Sprachkenntnisse und interkulturelle Kommunikation." Das gilt auch für das Stammhaus, in dem sich die Strukturen erheblich verändern. Die Produkt- und Technologieentwicklung müssen global zur Verfügung gestellt und vor Konkurrenten geschützt werden. Dies bedeutet, dass Verwaltung und IT-Strukturen ausgebaut werden und auch im Hauptwerk vermehrt englisch gesprochen wird.

Positiv sei die Entwicklung auf dem Fachkräftemarkt im Ausland. "In China steigt die Zahl gut ausgebildeter Ingenieure deutlich an. Und auch der Forschung wird immer größere Bedeutung beigemessen." Wichtig sei es, ausländische Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden, da diese häufig sehr flexibel seien. Für das Auslandsengagement spreche zudem die Absicherung von Währungsrisiken. Produziert ein Unternehmen in einem wichtigen Absatzmarkt, reduziert es das Wechselkursrisiko deutlich. Bei der Standortauswahl spielen Kreditkosten und regionale Förderprogramme für die Ansiedlung bestimmter Industrien eine Rolle. Standortbestimmend sind sie jedoch nicht. "An erster Stelle steht die Nähe zum Kunden."


Vorteil Kundennähe
Wolfgang Kirchhoff, Geschäftsführender Gesellschafter KIRCHHOFF Automotive, bestätigte diese Einschätzung. Für globales Engagement spricht seiner Ansicht nach vor allem die Nähe zu wichtigen Kunden, die auch im Ausland nicht auf das Know-how ihrer Zulieferer verzichten möchten. Viele Lieferantenbeziehungen bestehen bereits seit Jahrzehnten. "Die Produkte und Technologien deutscher Zulieferer sind weltweit gefragt", sagte Wolfgang Kirchhoff. KIRCHHOFF Automotive verfolgt seit Jahren eine erfolgreiche Globalisierungsstrategie. Aktuell produziert KIRCHHOFF Automotive mit 7.200 Mitarbeitern in 29 Werken in 12 Ländern. 2011 übernahm der Hersteller für Karosserie-Strukturen aus Iserlohn und Attendorn den kanadischen Zulieferer Van Rob, mit 11 Werken in Kanada, den USA und Mexico. In China betreibt KIRCHHOFF Automotive zwei Werke in Suzhou und Chongqing. "Im Sommer 2012 wollen wir zum ersten Mal ein Joint Venture in China eingehen. Die Absichtserklärung mit dem Zulieferer Beijing Hainanchuan Automotive Parts wurde bereits unterzeichnet", sagt Wolfgang Kirchhoff. Der chinesische Zulieferer ist eine 60 Prozent Tochter der chinesischen Automobilstaatsholding Beijing Automotive Industry Corporation (BAIC), die mit Herstellern wie Mercedes Benz und Hyundai in einem Joint Venture zusammenarbeitet. Bis 2015 plant BAIC mit seinen Automobilpartnern 3,5 Millionen Autos herzustellen und einen Jahresumsatz von 40 Mrd. Euro pro Jahr.

Mit sechs Werken und rund 1900 Mitarbeitern ist KIRCHHOFF Automotive auch in Osteuropa gut aufgestellt. Anfang dieses Jahres startet die Produktion in einem neuen Werk im Rumänischen Craiova. Hier wird KIRCHHOFF Automotive zunächst mit rund 200 Mitarbeitern in unmittelbarer Nähe zum dortigen Ford Werk produzieren. "Wir bauen unser Engagement weiter aus, weil wir in Osteuropa insgesamt und besonders in Russland große Wachstumspotenziale sehen" erläutert Wolfgang Kirchhoff.

Energie- und Rohstoffpreise gefährden Wettbewerbsfähigkeit
Für die Unternehmen der ArGeZ sind die Energie- und Rohstoffpreise die größten Risiken für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Aufgrund der seit Jahren anziehenden Preise bei vielen Rohstoffen zeigen die Umsatzrenditen wieder eine rückläufige Entwicklung. Hinzu kommt die steigende Volatilität der Preise. Die Preisausschläge werden in kürzeren Zyklen immer stärker und sind immer weniger vorhersehbar.

Weiter verschärft wird die Lage durch die stetig steigenden Preise für Energie. So beträgt der Energiekostenanteil an der Bruttowertschöpfung bei den Betrieben rund 10 Prozent. "Wir sind für einen Dreiklang in der Energiepolitik: sicher, klimaverträglich, bezahlbar. Das schließt auch den Ausbau erneuerbarer Energien ein. Aber die Steuerungsinstrumente müssen angepasst werden", sagte Michael Schädlich. Die ArGeZ fordert, die Umlage für erneuerbare Energien (EEG) für die Industrie zu begrenzen und unterstützt die Forderung des BDI nach einer realistischen Politik, die dafür Sorge trägt, dass die Energiewende gelingt. Das geht nicht ohne eine permanente Prüfung der Fortschritte durch einen unabhängigen Monitoringprozess.

Quelle und Kontaktadresse:
WSM Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung e.V., Hauptgeschäftsstelle
Pressestelle
Kaiserswerther Str. 137, 40474 Düsseldorf
Telefon: (0211) 4564101, Telefax: (0211) 4564177
E-Mail: info@wsm-net.de
Internet: http://www.wsm-net.de
(dvf, cl)


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Ausgabe 07|Oktober 2014
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