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Pressemitteilung

BDL: Schützen ohne Schaden / Nachlese vom EU-Junglandwirte-Seminar zum Pflanzenschutz

(Monheim/Köln) - Junglandwirte aus 13 europäischen Ländern haben sich auf Einladung des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) und des Europäischen Rats der Junglandwirte (CEJA) mit der Zukunft des Pflanzenschutzes befasst. Der agrarische Nachwuchs war sich grenzüberschreitend einig, dass die Landwirtschaft ohne Maßnahmen zu Schutz und Vorbeugung von Krankheiten vor immensen Problemen stünde.

"Pflanzenschutz ist eine gemeinsame Aufgabe von Landwirtschaft, Beratung, Industrie, Forschung und Politik. Nur wenn alle zusammenarbeiten, ist es auch möglich in den nächsten Jahren effektiven und für die Umwelt sicheren Pflanzenschutz zu betreiben", fasst der BDL-Bundesvorsitzende Matthias Daun die dreitägige Veranstaltung in Monheim zusammen. Fachvorträge, die Besichtigung wichtiger Stationen auf dem auf dem Bayer CropScience-Gelände und von Betrieben im Umland sowie eine äußerst lebhafte Podiumsdiskussion zeigten exemplarisch die Vielseitigkeit, aber auch die unterschiedlichen Standpunkte, die EU-weit den Pflanzenschutz berühren.

Als Gastgeber begrüßte Dr. Arnd Nenstiel für die Bayer CropScience AG die 60 CEJA-Delegierten in Monheim und stellte den Standort kurz vor. Mit Zulassungsfragen von Pflanzenschutzmitteln (PSM) in der EU eröffnete Dr. Volker Kaus, Industrieverband Agrar, die Vortragsrunde. "Die europäische Regulierung trifft auf Restriktionen hierzulande", so Kaus. Es sei nicht so einfach zu verstehen, warum die Zulassungsmodalitäten beispielsweise in Deutschland und Frankreich derart unterschiedlich seien. Insgesamt hätten die PSM-Hersteller, und damit die Landwirte, seit längerem den Wegfall von Wirkstoffen zu beklagen. Die Industrie sei aufgrund zunehmender Zulassungshürden nicht in der Lage, entstehende Lücken schnell genug mit neuen Wirkstoffen zu füllen.

Dr. Thorsten Krämer, Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main (RWZ), stellte das Problem der Resistenzen und deren schnelle Zunahme in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Gefragt seien gut ausgebildete Landwirte, die die Schwierigkeiten mit intelligenten Resistenzmanagement über die gesamte Fruchtfolge hinweg und unter Beachtung der Wirkstoffklassen in den Griff bekommen müssten. Krämer sieht für die Zukunft nur eingeschränkt neue Produkte und neue Wirkstoffe auf dem Markt. "Seit 2005 sind die Carboxamide am Markt", so Krämer, "danach kam bis heute nichts mehr. Haushalten Sie gut mit wirksamen Produkten", riet er den Junglandwirten.

Dr. Karsten Hohgardt vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gab einen Überblick über die Zulassungsverfahren und die zuständigen Institutionen. Das BVL ist hierzulande für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zuständig und fungiert außerdem als nationale Koordinierungsstelle in den europäischen Gemeinschaftsverfahren zur Bewertung von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen und zur Festlegung von Rückstandshöchstgehalten. Da auch andere Partner wie das Julius Kühn Institut, das Bundesamt für Risikobewertung und das Umweltbundesamt eingebunden sind, handelt es sich um ein nicht nur zeitlich sehr anspruchsvolles Zulassungsprocedere.

Coralie van Breukelen-Groeneveld, Leiterin des Bayer Bee Care Center, rückte die Förderung der Bienengesundheit ins Bewusstsein der Junglandwirte. Sie ging nicht nur auf die wirtschaftliche Bedeutung der Bestäuber - weltweit geschätzt rund 150 Mrd. Euro pro Jahr - ein, sondern auch auf die Anforderung an die Landwirtschaft, eine wachsende Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Neben der Varoamilbe habe z.B. auch ein schwindendes Futterangebot einen Einfluss auf die Vitalität der Bienen, stellte die Fachfrau fest. Auch der falsche Einsatz von Pflanzenschutzmitteln könne nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. An der Entwicklung und Verbreitung neuer Applikationstechnik (z.B. Dropleg) werde indes gearbeitet. "Inzwischen hat sich die Zahl der Bienenvölker in Europa auf fast 15-16 Millionen stabilisiert. Weltweit wächst die Zahl der Bienenvölker in großem Umfang", sagte van Breukelen-Groeneveld.

In einer Podiumsdiskussion mit Vertretern unterschiedlichster Couleur wurden viele Gemeinsamkeiten im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln, aber auch kontroverse Meinungen diskutiert. Alice Cerutti, Reisbäuerin aus Italien und CEJA-Vizepräsidentin, plädierte für einen intensiven Pflanzenbau und eine konsequente Ausnutzung innovativer Produktionsverfahren. "Wir brauchen den Pflanzenschutz als Medizin für unsere Kulturen", sagte sie: "Dabei kümmern wir uns auch um den Naturschutz. Das nenne ich dann Win-win-Situation."

Dr. Werner Kloos vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) betonte die Bedeutung der klassischen Produktionsfaktoren Boden, Kapital und Arbeit. "Doch Landwirtschaft im Sinne von Best Practice ist mehr. Als vierter Faktor ist heute das Image hinzugekommen. Zur Imageverbesserung gehört es, sich Gedanken um die Umwelt und das Tierwohl zu machen."

Als Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik von Bündnis 90/Die Grünen, von intelligentem Pflanzenschutz sprach, hatte er sicher etwas anderes als die meisten Zuhörer im Hinterkopf. Nachhaltige Landwirtschaft ist für ihn ökologische Landwirtschaft. "Die Verbraucher wollen keine Pflanzenschutzmittel", sagte er.

Holker Pfannebecker, Winzer und Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V., wirtschaftet ökologisch. Er betrachte den Pflanzenschutz differenziert. Aber auch er bekäme zu spüren, dass die Bevölkerung heute weit von der Landwirtschaft entfernt ist.

In einem jedoch waren sich Junglandwirte und Podiumsredner einig: Landwirtschaft funktioniert nicht ohne Pflanzenschutz. Das gelte für die für konventionelle wie für die ökologische Landwirtschaft. Beide sollen auch in Zukunft wirtschaftlich nebeneinander existieren können.

Zu dem Programm gehörte auch ein Besuch bei dem Tomaten und Paprika produzierenden Betrieb Bong in Bergheim. Dort werden hydroponisch Unterglaskulturen gezogen. Zugekaufte Hummeln und Bienen übernehmen die jährliche Bestäuberarbeit. Bei der Besichtigung des Erdbeerbetriebes Schwarz erlebten die Junglandwirte eine Landwirtschaft, bei der die Pflanzen in Arbeitshöhe platziert sind. Das erleichtert nicht nur die Ernte, sondern auch andere notwendige, durchlüftungsfördernde Arbeitsschritte - zur Verhinderung von Pilzbefall. Auch das ist Pflanzenschutz.

"Unser Treffen war voller Leidenschaft für den Beruf, gepaart mit Visionen und der Offenheit für Innovationen. Aber auch Skepsis gegenüber komplizierten Verfahren und nicht eindeutigen Regeln haben wir erlebt. Fakt ist: Junglandwirte wollen ihre Pflanzen schützen, ohne der Umwelt zu schaden", stellt die BDL-Bundesvorsitzende Kathrin Funk fest. Ihr Appell an die europäischen Junglandwirte: "Europa ist unsere Chance - nicht nur die Gemeinsame Agrarpolitik, sondern auch die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg. Unser Seminar ist da ein kleiner Baustein auf einem langen Weg."

Das vom BDL veranstaltete CEJA-Seminar vom 25. bis 27. Februar wurde tatkräftig von der Bayer CropScience AG unterstützt und von der Landwirtschaftlichen Rentenbank sowie dem BMEL gefördert. Zu Gast waren Junglandwirte aus Deutschland, Finnland, Frankreich, Spanien, Irland, Luxemburg, Österreich, Italien, Tschechien, Slowakei, Belgien, Großbritannien und Polen.

Quelle und Kontaktadresse:
Bund der Deutschen Landjugend e.V. (BDL), Haus der Land- und Ernährungswirtschaft
Pressestelle
Claire-Waldoff-Str. 7, 10117 Berlin
Telefon: (030) 31904-253, Fax: (030) 31904-206
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Internet: www.landjugend.de
(dvf, sy)