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Pressemitteilung

29.05.2020 12:33
Deutscher Kulturrat e.V.

Corona vs. Kultur- und Kreativwirtschaft: Umsatzeinbrüche, Kurzarbeitergeld und Kulturinfrastrukturfonds / Ergebnisse erster Panel-Befragung von Kultur- und Kreativwirtschaftsverbänden liegen vor

(Berlin) - Das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes und der Deutsche Kulturrat, Spitzenverband der Bundeskulturverbände, legen die Ergebnisse einer gemeinsamen Befragung von 127 Bundesverbänden der Kultur- und Kreativwirtschaft zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Branche vor.

Alle Bundesverbände, die geantwortet haben, gaben an, dass die von ihnen vertretenen Unternehmen bzw. Solo-Selbständigen von der Corona-Pandemie betroffen seien. Bedeutsam seien vor allem Umsatzrückgänge und Planungsunsicherheiten aufgrund von Veranstaltungsausfällen, Messen, Ausstellungen usw., gefolgt von Auftragsstornierungen und Betriebsschließungen aufgrund behördlicher Vorgaben. Dieses Ergebnis spiegelt die herausragende Bedeutung von Veranstaltungen für die Kultur- und Kreativwirtschaft wider, und zwar über die originäre Veranstaltungsbranche hinaus.

Eine prägnante Rolle spielt zudem, dass viele Bereiche wie z. B. der Werbemarkt oder der Designmarkt stark mit den Wertschöpfungsketten anderer Wirtschaftsbranchen verwoben sind.

Mehr als die Hälfte schätzt demnach in ihrer Antwort ein, dass der Umsatzrückgang in den ersten Monaten der Corona-Pandemie bis Ende April 50 Prozent und mehr betragen werde, 24 Prozent gehen von einem Umsatzrückgang von 90 bis 100 Prozent aus. Der überwiegende Teil gab an, dass die von ihnen vertretenen Unternehmen und Selbständigen Liquiditätshilfen benötigen. "62 Prozent der Bundesverbände, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, gaben an, dass keine Nachholeffekte zu erwarten seien.", erläutert Julia Köhn aus dem Leitungsteam des Kompetenzzentrums die Sorge der Verbände: "Diese Antwort unterstreicht die langfristige Betroffenheit der Kultur- und Kreativwirtschaft von der Corona-Pandemie."

Als wirksamste der bestehenden Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen und Solo-Selbständige schätzen die Befragten die Flexibilisierung des Kurzarbeitergelds ein. Auch die Steuerstundung und die Öffnung der Grundsicherung schnitten relativ gut ab. Von den Zuschussprogrammen erhielt das Programm für Solo-Selbständige und Unternehmen mit bis zu 5 Beschäftigten die besten Bewertungen. Schwierigkeiten bereite dabei allerdings die Regelung, dass ausschließlich Betriebsausgaben wie gewerbliche Mieten bezuschusst würden und es nicht möglich sei, einen fiktiven Unternehmerlohn in Anschlag zu bringen.

Der vom Deutschen Kulturrat geforderte Kulturinfrastrukturfonds wurde als wesentliche Maßnahme genannt, um die Kultur- und Kreativwirtschaft wieder aus der Krise zu führen. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, betont: "Die Antworten der Bundesverbände der Kultur- und Kreativwirtschaft bestätigen einmal mehr, dass die gesamte Branche von der Corona-Pandemie tief betroffen ist. Erfreulich ist, dass die Flexibilisierung des Kurzarbeitergelds auch in der Kultur- und Kreativwirtschaft Wirkung zeigt. Die Soforthilfemaßnahme für Solo-Selbständige und Kleinunternehmen wirken ebenfalls. Diese Maßnahmen sind allerdings bis Ende Juni befristet und müssen dringend verlängert werden. Die befragten Kulturwirtschaftsverbände sehen den vom Deutschen Kulturrat geforderten nationalen Kulturinfrastrukturfonds als unbedingt nötig an. Er muss nun endlich auf den Weg gebracht wird, um die Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft strukturell zu stabilisieren und damit zu helfen, dass sie am Markt bleiben können. Ohne die vielen großen und kleinen Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft ist das kulturelle Leben, wie wir es bislang in Deutschland kennen, nicht aufrecht zu erhalten."

"Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist besonders von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona Pandemie betroffen. Unter anderem, da viele Unternehmen zu den Ersten zählten, die in ihrer Tätigkeit eingeschränkt wurden und zu den Letzten zählen werden, die wieder wirtschaftlich hochfahren können.", erläutert Johannes Tomm, aus dem Leitungsteam des Kompetenzzentrums: "Dabei ist die Branche in ihrer Wertschöpfungsdimension durchaus vergleichbar mit Schlüsselindustrien wie dem Maschinenbau und zudem auch für andere Wirtschaftsbranchen eine Schlüsselressource für eine sich verändernde Wirtschaftswelt. Wir möchten den Kultur- und Kreativwirtschaftsverbänden eine Plattform bieten, auf der sie ihre individuellen Beobachtungen, Sorgen und Wünsche zur aktuellen Situation zusammentragen können."

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Kulturrat e.V.
Pressestelle
Taubenstr. 1, 10117 Berlin
Telefon: (030) 226 05 28-0, Fax: (030) 226 05 28-11
E-Mail: post@kulturrat.de
Internet: www.kulturrat.de
(dvf, tr)