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Pressemitteilung

DAK: Erneut steigende Fehltage durch psychische Erkrankungen / Versorgung psychisch Kranker optimieren

(Berlin) - Nach dem gestern vorgestellten DAK-Report nimmt der Anteil von Krankschreibungen aus psychischen Gründen weiter zu. Nach den Rückenleiden und Krankheiten des Atmungssystems sind psychische Krankheiten die dritthäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Dabei fällt auf, dass die Betroffenen besonders lange ausfallen: Im Durchschnitt gehen 35 Fehltage pro Jahr auf psychische Erkrankungen zurück. Im Vergleich: Bei Krebserkrankungen sind es 32 Tage. Dipl.-Psych. Barbara Lubisch, Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), sagt dazu: "Nach den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nehmen psychische Krankheiten nicht zu, sie werden mittlerweile nur eher erkannt. Eine Depression war auch früher eine Depression, nur wurde sie von Ärzten entweder nicht erkannt oder nicht vollständig diagnostiziert. Die mit psychischen Krankheiten oft verbundenen körperlichen Symptome wie Schmerzen bei Depressionen oder Schwindel und Herzbeschwerden bei Angststörungen können fälschlicherweise körperlichen Ursachen zugeordnet worden sein und wurden dementsprechend auch oft rein medikamentös behandelt. Das ändert sich allmählich und ist außerordentlich positiv zu bewerten”.

Weiterhin sei das deutsche Gesundheitswesen immer noch zu stark somatisch orientiert, meint Lubisch, der Blick auf die Psyche hinter den körperlichen Symptomen oft schwierig. "Viel Geld wird für die technisierte Medizin und für unzureichende psychopharmazeutische Behandlungen ausgegeben", unterstreicht Lubisch weiter. So seien allein die Ausgaben für Antidepressiva mindestens genauso hoch wie die Ausgaben für die gesamte ambulante psychotherapeutische Versorgung durch etwa 25.000 Psychotherapeuten.

Psychotherapien wirken anders als Psychopharmaka und bedeuten in der Regel einen höheren Aufwand für den Patienten als eine Medikamenteneinnahme. Aber sie wirken nachweislich nachhaltig, weil ihr Ziel darin besteht, Einstellungen und Verhalten langfristig zu verändern. Wird eine psychische Störung nicht frühzeitig behandelt, wird deren Chronifizierung begünstigt. Solche langwierigen Krankheitsverläufe sind auch der Hauptgrund für zeitintensive Arbeitsausfälle und Frühberentungen. Neben dem unnötigen Leid der Betroffenen, entstehen hier hohe Kosten für Arbeitgeber und das deutsche Sozialversicherungssystem.

Die DPtV fordert die gesetzliche Möglichkeit zur Prävention psychischer Erkrankungen durch Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, auch im betrieblichen Kontext. Es ist in Anbetracht der alarmierenden Zahlen völlig unverständlich, warum die Expertise von über 20.000 Psychotherapeuten für präventive Aufgaben durch das kürzlich verabschiedete Präventionsgesetz vom Gesetzgeber nicht berücksichtigt wurde.

"Wir erwarten deshalb von der Politik, dass sie in ihrem gesundheitspolitischen Handeln einen besonderen Schwerpunkt auf die Optimierung der Versorgung psychisch kranker Menschen richtet und dafür auch die nötigen Finanzmittel bereitstellt", fordert Lubisch.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutsche PsychotherapeutenVereinigung e.V. (DPtV)
Ursula-Anne Ochel, Pressesprecherin
Am Karlsbad 15, 10785 Berlin
Telefon: (030) 235009-0, Fax: (030) 235009-44
E-Mail: dptv-presse@t-online.de
Internet: http://www.dptv.de
(dvf, dw)