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Pressemitteilung

Deutsch-Japanischer Erfolg in der Genomforschung: Entschlüsselung des menschlichen Chromosoms 21

(Berlin) - Gemeinsam mit zwei Arbeitsgruppen aus Japan haben Wissenschaftler aus dem Institut für molekulare Biotechnologie, Jena, dem Institut für molekulare Genetik und der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung, Braunschweig, den Bauplan (Sequenz) des menschlichen Chromosoms 21 aufgeklärt. Das Chromosom 21 ist das kleinste menschliche Chromosom mit insgesamt ca. 34 Millionen Bausteinen, deren genaue Lage und Abfolge nun bekannt ist. Bei der Präsentation dieser Forschungserfolge erklärte heute der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Wolf-Michael Catenhusen: "In Deutschland werden auch auf diesem Gebiet wissenschaftliche Spitzenleistungen erbracht".

In Deutschland wurde erst 1995, sechs Jahre nach den USA, mit dem Deutschen Humangenomprojekt (DHGP) begonnen. Das hatte unterschiedliche Gründe, unter anderem dass man hier in Deutschland über lange Zeit das ungeheuer große Potential der Genomforschung für Wirtschaft und Gesellschaft nicht ausreichend erkannt habe. Trotzdem habe sich schnell eine kritische Masse an hochmotivierten, international konkurrenzfähigen Wissenschaftlern zusammengefunden, die sich im Humangenomprojekt hervorragend organisiert haben und zusammenarbeiten, so Catenhusen.

Der Parlamentarische Staatssekretär unterstrich: "Dieser Erfolg ist auch ein Erfolg der Förderung des Deutschen Humangenomprojektes durch das BMBF. In der ersten Phase dieses Projektes, die jetzt weitgehend abgeschlossen ist, und in der 34 Forschungsprojekte mit insgesamt 84 Mio. DM finanziert worden sind, haben wir besonderes Gewicht auf die Sequenzierung gelegt. Allein das Chromosom 21-Projekt ist mit über 20 Mio. DM gefördert worden - eine gute und sinnvolle Investition." Die Wirtschaft, die ja auch die Ergebnisse der Genomforschung nutzen soll, sei über einen Förderverein eingebunden worden, der eine Patent- und Lizenzagentur für die schnellere Umsetzung der Erkenntnisse in verwertbare Produkte finanziere. Bis heute seien neun Genom-Firmen im Kontext des deutschen Humangenomprogramms entstanden.

Die Sequenzierung der Chromosomen sei aber nur ein erster Schritt. Entscheidend werde sein, dass Deutschland eine starke Rolle bei der großen Aufgabe der Funktionsanalyse des Genoms spiele. In der jetzt begonnenen 2. Phase des Deutschen Humangenomprojektes werde die Förderung stärker auf die Untersuchung der Funktion von Genomabschnitten und einzelnen Genen konzentriert. "Hier erwarten wir dramatische Fortschritte auf dem Weg, Ursachen von Krankheiten zu erkennen und zu verstehen und wenn möglich, auch maßgeschneiderte Medikamente zu ihrer Behandlung zu entwickeln", betonte Catenhusen.

Die Bundesregierung stelle für das Gebiet der Genomforschung gegenwärtig insgesamt ca. 400 Mio. DM jährlich bereit. Das BMBF habe die Projektmittel für das Humangenomprojekt im Haushalt 2000 gegenüber dem Vorjahr bereits um 10 Prozent erhöht. Catenhusen: "Wir haben jetzt mit der 2. Phase des DHGP 42 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 100 Mio. DM begonnen und werden alle Anstrengungen unternehmen, in den kommenden Jahren diesen Bereich weiter auszubauen und zusätzliche Haushaltsmittel für die Genomforschung zu mobilisieren." Flankierend würden weitere wichtige Disziplinen, die für die Entwicklung und Aussagekraft der Genomforschung von Bedeutung sind, wie die Bioinformatik und die Proteomforschung, gestärkt werden. Darüber hinaus unternähmen die Max-Planck-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft und Institute der Blauen Liste Anstrengungen, ihre Aktivitäten in der Genomforschung zu forcieren.

Der dramatische Zuwachs des Wissens über das menschliche Genom konfrontiere unsere Gesellschaft zugleich mit grundsätzlichen sozialen und ethischen Fragen. Catenhusen: "Deshalb haben wir Forschungsvorhaben und den Dialog mit den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, mit den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes über ethische, rechtliche und soziale Folgen der Genomforschung verstärkt. In diesem Frühjahr konnten auf diesem Gebiet acht Forschungsvorhaben mit einem Volumen von ca. 3 Mio. DM bewilligt werden."

Deutschland werde so als Standort für die biomedizinische Forschung durch diese Anstrengungen nachhaltig gestärkt. "Wir haben gute Chancen, in den nächsten Jahren nicht nur mit wachsendem Gewicht zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn beizutragen, sondern auch an der Nutzung dieser Ergebnisse zügig teilhaben zu können", betonte der Parlamentarische Staatssekretär. Das öffentlich finanzierte Genomprojekt trage auch wirksam dazu bei, dass die Informationen über das menschliche Genom der Wissenschaft ohne Einschränkungen zur Verfügung stehen und nicht durch einige wenige Firmen vermarktet werden können. Entgegen der Behauptung von GREENPEACE sichere die Biopatentrichtlinie der EU einen wirksamen Kompromiss:

- Die Patentierung von genetischen "Rohdaten" werde EU-weit unterbunden. Dies sichere den freien Zugang der Forschung.
- Gene könnten nur im Zusammenhang einer bestimmten Anwendung zur Entwicklung von Produkten, etwa von neuen Medikamenten patentiert werden. Damit werde den Erfordernissen pharmazeutischer Forschung und Entwicklung Rechnung getragen, so Catenhusen.

Quelle und Kontaktadresse:
Pressekontakt: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Pressereferat, Hannoversche Strasse 28 – 30, 10115 Berlin, Telefon: (0 30) 2 85 40-50 50, Telefax: (0 30) 2 85 40-55 51; Quelle BMBF
E-Mail: presse@bmbf.bund400.de
Internet: www.bmbf.de
(dvf)