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Pressemitteilung

Krankenhäuser im Ruhrgebiet sind gut aufgestellt / Anpassungsprozess in vollem Gange / Institut Arbeit und Technik zum „Krankenhaus Rating Report 2006“

(Gelsenkirchen) - Die Krankenhäuser im Ruhrgebiet sind für die anstehenden Veränderungen im Gesundheitssystem gut aufgestellt und haben vielfach notwendige Umstellungen bereits eingeleitet. Dabei schneidet das Ruhrgebiet wesentlich besser ab als andere Regionen. Während der Anteil an den 200 Häusern mit höchstem Anpassungsbedarf im Ruhrgebiet bei lediglich knapp 10 Prozent der Einrichtungen liegt, beträgt der Anteil in Berlin und München rund 30 Prozent. Das stellt der Gesundheitsökonom Stephan von Bandemer vom Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) fest.

Diese Zahlen rücken den kürzlich von der Unternehmensberatung ADMED und dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI/Essen) veröffentlichten Krankenhaus Rating Report 2006 in ein neues Licht. Dieser Report basiert auf der Analyse der Daten von 347 Krankenhäusern und kommt zu dem Schluss, dass jede zehnte Klinik in Deutschland geschlossen werden müsste. Allerdings: „Die Studie basiert auf der völlig irrigen Annahme, dass sich zwar die ganze Welt der Gesundheitswirtschaft verändert, nur die Krankenhäuser aber auf dem heutigen Stand verharren und sich nicht an die veränderten Bedingungen anpassen können. Gerade diesen Veränderungsprozess haben die Krankenhäuser aber längst begonnen, und wie das Ruhrgebiet zeigt, erfolgreich!“ so der IAT-Wissenschaftler.

Auch der Hinweis der ADMED/RWI-Studie, man solle Einrichtungen mit wirtschaftlichen Problemen ruhig sterben, lassen um den Markt zu bereinigen und die Effizienz der Gesundheitsbranche zu verbessern, ist sehr problematisch: Unter den 200 Häusern mit dem höchstem Anpassungsbedarf befinden sich z.B. die meisten Kinderkliniken. Hier wird aber nicht etwa per se unwirtschaftlich gearbeitet, sondern Ursache der Probleme ist, dass das neue Finanzierungssystem die Besonderheiten von Kinderkliniken nicht ausreichend berücksichtigt – nämlich den höheren Aufwand für die Betreuung von Kindern.

Ähnlich wie die Kinderkliniken schneiden auch Universitätskliniken beim Wirtschaftlichkeitsvergleich mit anderen Krankenhäusern schlecht ab. Sie einfach in Konkurs gehen zu lassen würde jedoch enorme Potenziale verschenken und die Versorgung in Frage stellen. Gleichwohl gilt in Fachkreisen als unstrittig, dass Universitätskliniken eine hohen Anpassungsbedarf haben, an dem sie in den nächsten Jahren hart arbeiten müssen. Dass diese Arbeit Erfolg haben kann, haben in den letzten Jahren viele kleinere und mittlere Krankenhäuser unter Beweis gestellt. Ohne die erfolgreiche Modernisierung dieser Häuser gäbe es derzeit extreme Versorgungsengpässe.

ADMED und RWI verweisen darauf, dass die Modernisierung der Krankenhauslandschaft zur Zusammenlegung von Krankenhäusern führen wird. In der Tat ist den rund 130 Krankenhäusern im Ruhrgebiet eine engere Zusammenarbeit zu empfehlen und mit Kooperationen und Netzwerken bereits in vollem Gange. Dies muss aber keineswegs – wie die ADMED/RWI-Studie suggeriert – zu Arbeitsplatzabbau und zu Verschlechterungen bei der Versorgung führen. Im Ruhrgebiet wird es zu einer stark steigenden Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen kommen, die mit den vorhandenen Personalkapazitäten nur bei mehr Vernetzung und bei einer drastischen Steigerung der Wirtschaftlichkeit bewältigt werden kann. Wahrscheinlich ist sogar, dass noch leicht mehr Personal in den Krankenhäusern gebraucht wird. „Schließlich behauptet z.B. auch niemand, das Ruhrgebiet habe durch die Fusion der Universitäten Duisburg und Essen 25 Prozent seiner Forschungslandschaft verloren“, meint von Bandemer.

Die Daten zu Grundkosten und Anpassungsbedarf der rund 2000 Krankenhäuser bundesweit sind allgemein zugänglich. Auf dieser Basis können fundierte Aussagen über den Anpassungs- und Versorgungsbedarf der Krankenhauslandschaft in einer Region gemacht und auch erste Rückschlüsse für einzelne Häuser getroffen werden. Im Gegensatz zu Botschaften von ADMED und RWI steht die Krankenhauslandschaft des Ruhrgebiets im Vergleich unterschiedlicher Regionen relativ gut da und hat beste Chancen, sich über notwendige Schritte der Erneuerung noch besser zu positionieren. Im Ruhrgebiet besteht also kein Grund zur Panik, dennoch muss die Modernisierung der Krankenhäuser weiter engagiert vorangetrieben werden. Das IAT wird diesen Prozess durch Analysen und Vorschläge aktiv begleiten.

Quelle und Kontaktadresse:
Institut Arbeit und Technik
Pressestelle
Munscheidstr. 14, 45886 Gelsenkirchen
Telefon: (0209) 17070, Telefax: (0209) 1707110
E-Mail: braczko@iatge.de
Internet: www.iatge.de
(dvf, sk)