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Pressemitteilung

Bildung ist die beste Prävention / BLLV-Präsident Klaus Wenzel: „Kabinettsbeschluss zur Eindämmung der Jugendkriminalität greift zu kurz“ / Mehr Integration und weniger Ausgrenzung

(München) - Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat die am 14. Januar 2008 im Kabinett vorgestellten Maßnahmen zur Eindämmung der Jugendkriminalität als insgesamt „zu kurz gegriffen“ bezeichnet. „Wir haben kein Defizit in der Strafgesetzgebung, sondern ein Bildungsdefizit - und das muss schleunigst abgebaut werden.“ Selbstverständlich müssen gewalttätige Jugendliche zur Verantwortung gezogen und bestraft werden. Straf- und insbesondere Gewalttaten können nicht akzeptiert werden. Opfer von Gewalttaten brauchen jede denkbare Unterstützung. Übersehen werden darf dabei aber nicht, dass auch gewalttätige Jugendliche auf professionelle Unterstützung angewiesen sind. Um Gewalttaten einzudämmen, müssen präventive pädagogische Maßnahmen ergriffen werden. Weil alle Jugendlichen Perspektiven brauchen, müssen Defizite im Bildungssystem abgebaut werden. „Gleiche Bildungschancen für alle Kinder sind der entscheidende Beitrag zur gesellschaftlichen Integration und zur sozialen Balance. Bildung ist die beste Prävention.“

Der BLLV-Präsident begrüßte die Ankündigung des Kabinetts, sich dafür einzusetzen zu wollen, dass die Herstellung und Verbreitung von Killerspielen verboten wird. Auch die Ankündigung, die Sprachförderung im Kindergarten und in der Schule zu intensivieren, ist begrüßenswert.
„Leider lässt das Kabinett offen, wie diese Maßnahme konkret umgesetzt werden soll“, monierte Wenzel. Auch der Ausbau der Jugendsozialarbeit an Schulen ist dringend erforderlich. „Allerdings ist die heute angekündigte Zahl von 350 Stellen bis zum Jahr 2012 nicht neu. Die Staatsregierung sollte nicht kleckern, sondern klotzen. 350 Stellen reichen nicht aus, um den steigenden Bedarf zu decken.“

Der BLLV-Präsident warnte davor, Jugendkriminalität und Gewaltstraftaten automatisch mit Ausländern in Verbindung zu setzen. „Maßnahmen wie Abschiebung und Wegsperren lösen die Probleme nicht wirklich“, erklärte er. „In den Schulen sind oft diejenigen Schüler und Schülerinnen problematisch, die aus Familien kommen, die bereits in zweiter und dritter Generation in Deutschland leben - junge Menschen also, die hier geboren wurden, einen deutschen Pass haben und nicht abgeschoben werden können. Wir müssen vielmehr zur Kenntnis nehmen, dass es in 50 Jahren Einwanderungspolitik nicht gelungen ist, tragende Integrationsangebote zu schaffen. Hinzu kommt ein Schulsystem, das auf Ausgrenzung basiert.“

„Gewaltkriminalität Jugendlicher hat auch mit Versäumnissen der bayerischen Bildungspolitik zu tun“, erklärte Wenzel. Es ist hinlänglich bekannt, dass ausländische Kinder und Jugendliche benachteiligt werden:
das Gros wechselt nach der vierten Grundschulklasse nicht auf Realschule oder Gymnasium, sondern in die Hauptschule. Die beruflichen Perspektiven von Hauptschülern sind in aller Regel schlecht. Tausende Schüler verlassen die Schule jedes Jahr ohne Abschluss. Bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund gehen mehr als ein Fünftel ohne Abschluss von der Schule. Nur noch einer von Vieren macht eine betriebliche Lehre. Nicht nur ausländische Kinder und Jugendliche haben es schwer, auch Kinder und Jugendliche aus armen und sozial schwachen Familien geraten ins Hintertreffen. Jährlich verlassen rund 4500 Schüler/innen die Schule ohne Abschluss. Von 100 Kindern, die im Kindergarten arm waren, schaffen lediglich vier den Sprung aufs Gymnasium. „Alle bislang vorliegenden Bildungsstudien belegen, dass die Bildungschancen eines Kindes direkt zusammenhängen mit seiner sozialen, ethnischen und regionalen Herkunft.
Soziale Armut ist immer auch Bildungsarmut“, betonte Wenzel und bezeichnete die Befunde erneut als „beschämend und skandalös.“

Die Folgen liegen auf der Hand: Wer sich ausgegrenzt fühlt und keine Chancen sieht, hat nichts zu verlieren. Die Vorfälle aus der jüngsten Zeit zeigen auf erschreckende Weise, dass es bereits viele junge Menschen gibt, die in ihrem Leben keine Perspektive sehen und sich gesellschaftlich und sozial an den Rand gedrängt fühlen. „Um diese verhängnisvolle Entwicklung zu stoppen, muss in der Bildungspolitik das Prinzip der Integration und nicht das der Ausgrenzung vorherrschen“, betonte Wenzel.

„Allen Schülerinnen und Schülern müssen gleiche Bildungschancen eingeräumt werden. Entsprechende schul- und bildungspolitische Maßnahmen müssen unverzüglich eingeleitet werden.“ Dazu gehören aus Sicht des BLLV neben einer möglichst früh einsetzenden individuellen Förderung von Kindern, der flächendeckende Ausbau rhythmisierter Ganztagsschulen, die Stärkung aller Pädagogen, der Ausbau der Schulsozialarbeit und eine längere gemeinsame Schulzeit. „Voraussetzung hierfür ist jedoch die Einsicht, dass neue schul- und bildungspolitische Wege dringend erforderlich sind, um den sozialen Frieden dauerhaft zu sichern.“

Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Andrea Schwarz, Pressereferentin
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
E-Mail: bllv@bllv.de
Internet: www.bllv.de
(dvf, tr)