14. Technischer Kongress des VDA in Sindelfingen - Europaweit wichtigstes Symposium der Branche / Wissmann: Deutsche Autoindustrie weltweit Vorreiter bei Sicherheit und Effizienz
(Sindelfingen/Berlin) - "Die deutsche Automobilindustrie ist weltweit Vorreiter bei sicheren und zuverlässigen Autos mit sauberen und effizienten Antrieben. Seit 1990 haben wir den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch unserer neuen Pkw um 40 Prozent gesenkt. Die klassischen Schadstoffemissionen beim Pkw konnten sogar um 98 Prozent verringert werden. Mit zahlreichen Assistenzsystemen werden unsere Autos zudem immer sicherer. Die Zukunft liegt hier in der Vernetzung der Fahrzeuge untereinander. Damit kommen wir der Vision des unfallfreien Fahrens Schritt für Schritt näher", betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), zum Auftakt des 14. Technischen Kongresses, den der VDA im Mercedes Event Center in Sindelfingen veranstaltet. Der Technische Kongress des VDA mit rund 500 Teilnehmern ist europaweit das wichtigste Technologie-Symposium der Automobilbranche. Hochrangige Vertreter von Automobilherstellern und Zulieferern sowie der Politik diskutieren am 22. und 23. März 2012 über Fortschritte, Perspektiven und Herausforderungen der Mobilität, darunter Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, und Dr. Georg Pachta-Reyhofen, Sprecher des Vorstandes MAN SE.
"Die Innovationsgeschwindigkeit der deutschen Automobilindustrie wird anhand der offiziellen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes erneut unter Beweis gestellt: Im Februar 2012 emittierten die neu zugelassenen Pkw deutscher Konzernmarken mit 142,5 Gramm CO2 pro Kilometer erstmals weniger als die Importmarken (143,0 g CO2/km). Dieses Ergebnis ist auch deshalb bemerkenswert, weil die deutschen Marken in den oberen Fahrzeugsegmenten stark präsent sind. Gerade im Premiumbereich wurde ein hohes Reduktionstempo vorgelegt", unterstrich Wissmann. Überdies weisen in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres die neu zugelassenen Pkw deutscher Konzernmarken in allen zehn Fahrzeugsegmenten - vom Kleinstwagen bis zum Familienvan - durchschnittlich niedrigere CO2-Werte auf als die Importeure. "Dazu leistet auch der Clean Diesel einen wesentlichen Beitrag", so Wissmann. Der Anteil von Diesel-Pkw an allen Neuzulassungen liegt in den ersten beiden Monaten bei rund 50 Prozent und damit auf einem neuen Rekordniveau.
Auch beim Nutzfahrzeug seien "Quantensprünge" erreicht worden, sagte Wissmann: "Die klassischen Schadstoffemissionen sind in den vergangenen 20 Jahren um rund 90 Prozent vermindert worden. Mit dem Jahr 2013 wird für neue Typen schwerer Nutzfahrzeuge der Emissionsstandard Euro VI eingeführt. Davon erwarten wir uns eine Reduzierung der Schadstoffemissionen bei schweren Lkw um rund 97 Prozent."
Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars, sagte in der Eröffnungssession des Kongresses: "Ich bin davon überzeugt, dass die Digitalisierung des Autos genauso wichtig ist wie seine Elektrifizierung: Elektromobilität und Internet haben zusammen das Potenzial, ein neues Kapitel in der Erfolgsgeschichte des Automobils aufzuschlagen. Natürlich geht das nicht über Nacht, aber wir haben es in der Hand, das digitale Autozeitalter zu gestalten."
In der Eröffnungssession des VDA-Kongresses appellierte Franz Fehrenbach, Vorsitzender Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, sich auf die Ansprüche stark wechselnder Märkte einzustellen. Rasch wachsende Komplexität durch schnellen technologischen Wandel, kürzere Produktlebenszyklen und schnell wechselnde Abhängigkeiten sowie zunehmende Volatilität der Märkte seien unübersehbar. Dadurch dürfe die Automobilindustrie - Hersteller wie Zulieferer gleichermaßen - ihre strategische Ausrichtung und operative Exzellenz nicht verlieren. Ihre Flexibilität und Innovationskraft seien entscheidend für die Mobilität kommender Generationen und die dafür notwendigen Lösungen. Bosch verfolge dazu drei strategische Stoßrichtungen: Erstens die fokussierte Diversifizierung - mit der Ausweitung in Arbeitsgebieten von der effizienten Energienutzung bis hin zur Vernetzung im Internet der Dinge und Dienste -, zweitens die regionale Ausgewogenheit mit der Stärke in etablierten Märkten und dem Ausbau in wachstumsstarken aufstrebenden Ländern, sowie drittens den Ausbau der Innovationskraft in Technologien und Dienstleistungen, mit Technik fürs Leben. Fehrenbach bekannte sich dabei zum Standort Deutschland und betonte: "Zugleich aber müssen wir den Strukturwandel gut verstehen und proaktiv mitgestalten."
"Die neuen Technologien, mit denen unsere Autos immer effizienter und sicherer werden, sind das Ergebnis harter Arbeit und erheblicher Investitionen in Forschung und Entwicklung. Rund 20 Mrd. Euro investiert die deutsche Automobilindustrie jährlich in diesen Bereich", unterstrich Wissmann. Er wies darauf hin, dass die bisherigen Erfolge bei der CO2-Minderung "nicht jedes Jahr wiederholbar" seien: "Für unsere Unternehmen ist das eine große Anstrengung. Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, von dem aus es keine einfachen Lösungen mehr gibt. Jedes zusätzlich eingesparte Gramm CO2 erfordert extrem aufwendige Verfahren", sagte Wissmann. Neben den Herstellern seien vor allem die Zulieferer besonders gefordert. "Viele von ihnen sind auf ihrem Gebiet Weltmarktführer - und gleichzeitig mittelständische Unternehmen. In ihrer Innovationskraft stehen sie den großen 'Playern' jedoch in nichts nach", so der VDA-Präsident.
Die deutsche Automobilindustrie verfolge weiter ihre Fächerstrategie, die alle Optionen umfasse: Die Optimierung klassischer Antriebe ebenso wie die Entwicklung von Plug-in-Hybrid, Range-Extender, "reinen", batteriebetriebenen Fahrzeugen sowie Brennstoffzellen-Fahrzeugen. In die Entwicklung alternativer Antriebe investiere die deutsche Automobilindustrie in den nächsten drei bis vier Jahren 10 bis 12 Mrd. Euro. "Das sind 40 Prozent aller FuE-Investitionen, die wir für die gesamte Antriebstechnik ausgeben. Wir gehen damit enorm in Vorleistung, denn auch im Jahr 2020 werden Autos mit alternativen Antrieben einen vergleichsweise niedrigen Marktanteil von 5 Prozent am Gesamtmarkt aufweisen", betonte Wissmann.
Neben "Umwelt, Energie und Elektromobilität" bilden "Fahrzeugsicherheit und Elektronik" den zweiten großen Pfeiler des Technischen Kongresses. "Um Erfolge bei der Verkehrssicherheit zu erzielen, muss immer das Gesamtpaket betrachtet werden - das Zusammenspiel zwischen Mensch, Straßeninfrastruktur und Fahrzeugtechnik muss reibungslos funktionieren", sagte Wissmann. Mit der Entwicklung und dem Einbau aktiver Sicherheitssysteme, die den Fahrer beim Abstandhalten, Wechsel der Fahrspur, Überholen, Beschleunigen, Bremsen sowie bei Nachtfahrten unterstützen oder bei Müdigkeit warnen, werde von der deutschen Automobilindustrie ein ganz wesentlicher Beitrag zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr geleistet. Wissmann: "Die Verwendung dieser modernen Assistenzsysteme beschränkt sich nicht mehr allein auf Oberklassefahrzeuge. Vielmehr werden sie nach und nach auch im Kompakt-Premiumsegment eingeführt."
Der nächste Schritt sei die Vernetzung der Fahrzeuge untereinander. Wissmann: "SimTD steht für 'sichere, intelligente Mobilität - Testfeld Deutschland' und ist das weltweit größte Forschungsprojekt zum vernetzten Auto." Es wurde vom VDA initiiert und im September 2008 gestartet. Zum Konsortium gehören 18 Projektpartner, darunter Audi, BMW, Daimler, Ford, Opel und Volkswagen - sowie die Zulieferer Bosch und Continental. Im Frühjahr 2012 beginnt der Großversuch in Hessen, bis Juli werden die 120 Fahrzeuge der Versuchsflotte umgerüstet und auf die Straße gebracht. "Wenn zum Beispiel der Fahrer eines vorausfahrenden Autos hinter einer Kuppe eine Gefahrenbremsung ausführen muss, können die nachfolgenden Fahrzeuge - kommunikativ vernetzt - frühzeitig gewarnt werden. Noch ist die breite Einführung dieser Systeme Zukunftsmusik. Aber wir kommen der Vision des unfallfreien Fahrens damit ein gute Stück näher", unterstrich der VDA-Präsident.
Zu den Referenten des 14. Technischen Kongresses des VDA gehören - neben Wissmann, Dr. Zetsche, Fehrenbach und Dr. Pachta-Reyhofen - unter anderem: Winfried Hermann, Minister für Verkehr und Infrastruktur des Landes Baden-Württemberg; Caspar Dirk Hohage, Ford-Werke GmbH, Geschäftsführer Bereich Produktentwicklung, FuE; Norbert Holzer, Iveco S. p. A., Senior Vice President Heavy Commercial Vehicles, Bus and Special Vehicles Platform; Prof. Dr. Herbert Kohler, Daimler AG, Leiter e-drive & future mobility in der Forschung und Vorentwicklung; Prof. Dr. Jürgen Leohold, Leiter Konzernforschung der Volkswagen AG; Dr. Burkhard Milke, Adam Opel AG, Direktor GME Elektrische Systeme, Hybrid & Elektrofahrzeuge; Prof. Klaus-Dieter Scheurle, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, und Prof. Dr. Michael Schreckenberg, Professor für Transport und Verkehr an der Universität Duisburg-Essen.
Das Tagungsprogramm steht unter www.vda.de zum Herunterladen bereit. Die Teilnahme ist für Journalisten kostenlos.
Quelle und Kontaktadresse:
VDA Verband der Automobilindustrie e.V.
Pressestelle
Behrenstr. 35, 10117 Berlin
Telefon: (030) 897842-0, Telefax: (030) 897842-600
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