Pressemitteilung | Virchowbund - Verband der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.
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Approbationsordnung: Hausärztlicher Pflichtteil führt zu Fachärztemangel

(Berlin) - "Der Mangel an Hausärzten lässt sich nicht durch Zwangsmaßnahmen beseitigen", kritisiert der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Dr. Dirk Heinrich, die Pläne der Gesundheitsminister der Länder, Medizinstudierende zu einem viermonatigen Pflichtabschnitt in einer Hausarztpraxis zu verpflichten. Nach einem Änderungsantrag zur Approbationsordnung soll das Wahltertial im Praktischen Jahr zugunsten eines hausärztlichen Pflichtteils abgeschafft werden. Dadurch, so Dr. Heinrich, würde nicht nur die Attraktivität eines selbstbestimmten Studiums gemindert, sondern auch eine einseitige Bevorzugung der Allgemeinmedizin zuungunsten aller anderen Fachdisziplinen befördert werden.

Zwar gebe es besonders in ländlichen Regionen kurzfristig einen erhöhten Bedarf an Hausärzten, betont der Bundesvorsitzende. Der Ministervorstoß sei dennoch zu kurz gedacht. "Früher oder später haben wir es mit einem Medizinermangel in allen Fachgebieten zu tun." Die einseitige Fokussierung auf die Primärversorgung behindere dabei die selbstständige Orientierung der angehenden Mediziner. "Alle anderen Fachgebiete hätten das Nachsehen, wenn es zu einem hausärztlichen Pflichttertial kommt. Gerade die kleinen Disziplinen würden enorme Probleme bekommen, ausreichend Nachwuchs zu rekrutieren", warnt Dr. Heinrich.

Dass verpflichtende Maßnahmen überhaupt zu einer Zunahme der Allgemeinmedizin-Absolventen führen, müsse bezweifelt werden. Dr. Heinrich:
"Wenn etwas zur Pflicht wird - und das gilt insbesondere für junge Menschen -, wird es nicht zwangsläufig interessanter. Eher das Gegenteil ist zu befürchten. Der Ländervorstoß birgt die Gefahr, dass wir den Studenten das Fach komplett verhageln."

Darüber hinaus sprächen praktische Gründe gegen den Änderungsantrag der Landesminister. "Wir sprechen hier von einer enormen Umstellung der Lehre, die viel Geld kostet, einen hohen Verwaltungsaufwand mit sich bringt und letztlich einen zweifelhaften Nutzen verspricht. Darauf sind weder die Fakultäten noch die Praxen vorbereitet."

Um den absehbaren Ärztemangel in allen Fachbereichen abzuwenden, so Dr.
Heinrich, müsse bereits das Studium so attraktiv wie möglich gestaltet sein.
Dabei dürften keine Partikularinteressen bevorzugt, sondern der Weg für alle Fachgebiete gleichermaßen bereitet werden. "Die Freiheit des Arztberufes beginnt bereits mit der selbstständigen Wahl der passenden Vertiefungsrichtung", unterstreicht Dr. Heinrich.

Quelle und Kontaktadresse:
NAV-Virchow-Bund Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, Bundesgeschäftsstelle Berlin Pressestelle Chausseestr. 119b, 10115 Berlin Telefon: (030) 288774-0, Telefax: (030) 288774-15

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