Familienunternehmer zur Bildungsstudie des Deutschen Jugendinstituts (DJI)
(Berlin) - Die neue Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zeigt: Bildungs- und Berufschancen hängen in Deutschland noch immer stark von der sozialen Herkunft ab. Benachteiligungen entstehen oft schon vor der Einschulung und verfestigen sich an entscheidenden Bildungsübergängen, von der Kita über den Wechsel auf weiterführende Schulen bis hin zum Einstieg in Ausbildung und Beruf. Das belastet auch unseren Wirtschaftsstandort.
Marie-Christine Ostermann, Präsidentin der Familienunternehmer:
„Jedes Kind, das aufgrund seiner Herkunft hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, ist nicht nur persönlich im Nachteil. Es ist auch ein Verlust für unsere Gesellschaft und für unseren Wirtschaftsstandort. Angesichts des demografischen Wandels können wir es uns nicht leisten, dieses Potenzial ungenutzt zu lassen.
Jährlich rutschen rund 250.000 Jugendliche in den sogenannten Übergangssektor zwischen Schule und Ausbildung. Nur zwei Drittel von ihnen schafft es innerhalb von drei Jahren in eine vollqualifizierende Ausbildung. Gleichzeitig suchen Unternehmen händeringend Nachwuchs. Wir diskutieren seit Jahren über Fachkräftemangel, dennoch gelingt es unserem Bildungssystem noch immer nicht ausreichend, vorhandene Talente unabhängig von ihrer sozialen Herkunft zu fördern.
Qualifizierte Arbeitskräfte von morgen entstehen nicht erst in der Ausbildung, sondern entlang ihres gesamten Bildungswegs. Die entscheidende Basis ist eine gute frühkindliche Bildung, nur darauf lässt sich aufbauen, aber es endet nicht dort. Weiter entscheidend sind erfolgreiche Übergänge entlang der gesamten Bildungsbiografie. Wer Fachkräfte sichern will, muss Bildungsaufstieg ermöglichen.
Bildungspolitik ist immer auch Wirtschaftspolitik. Wer früh für mehr Chancengerechtigkeit sorgt, insbesondere durch Sprachförderung und bessere Bildungschancen an den entscheidenden Übergängen, stärkt morgen Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand.
Wir brauchen eine Bildungspolitik, die sich stärker an messbaren Ergebnissen orientiert und die Übergänge zwischen den einzelnen Bildungsstufen verbessert. Deutschland kann seinen Fachkräftemangel nicht lösen, wenn es weiterhin vieler seiner jungen Menschen entlang der Bildungsbiografie verliert. Haushaltsnöte vorzuschieben, gilt nicht, denn über Hochschulgebühren lassen sich die freiwerdenden finanziellen Mittel für den qualitativen und quantitativen Ausbau der frühkindlichen Bildung generieren.
Hamburg hat vorgemacht, dass Bildungschancen kein Schicksal sein müssen. Dort wurde über Jahre gezielt in Sprachförderung, Ganztagsangebote und bessere Übergänge zwischen den Bildungsstufen investiert. Erfolgreiche Bildungskarrieren entstehen nicht durch einzelne Reformen, sondern durch ein System, das Kinder und Jugendliche auf ihrem gesamten Weg unterstützt. Das ist die wirksamste Fachkräftestrategie, die wir haben.“
Quelle und Kontaktadresse:
DIE FAMILIENUNTERNEHMER e.V., Birte Siedenburg, Pressesprecher(in), Charlottenstr. 24, 10117 Berlin, Telefon: 030 300650
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