GEW: Leider kein Grund zum Jubeln / Bildungsgewerkschaft zur OECD-Studie: in wichtigen Feldern an Boden verloren
(Frankfurt) - Wieder keinen Anlass zum Jubeln bietet nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die OECD-Studie Bildung auf einen Blick für Deutschland. Eine Trendwende in der Bildungspolitik ist nicht in Sicht. Deutschland verliert in wichtigen Feldern sogar weiter an Boden, sagte Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende der GEW, zu der Studie, die heute (12. September 2006) veröffentlicht worden ist. Jetzt muss grundsätzlich umgedacht werden. Die 16 Bundesländer müssten sich endlich auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen, wie sie das deutsche Bildungswesen auf internationales Niveau bringen und zukunftsfest machen wollen.
Demmer stelllte fest, dass es absolut irreführend sei, wenn Konservative den Eindruck erwecken, Deutschland sei in die Weltspitze vorgestoßen. Das Gegenteil ist der Fall. Selbst bei den beruflichen Abschlüssen befindet sich Deutschland im Rückwärtsgang, betonte Demmer. Beispielsweise hatten 2003 53 Prozent der Menschen im arbeitsfähigen Alter einen beruflichen Abschluss, 2004 waren es nur noch 51 Prozent. Hatten 2003 nur sechs OECD-Länder mehr berufliche und akademische Abschlüsse am Ende der Sekundarstufe II als Deutschland vorzuweisen, sind 2004 bereits neun Länder so gut wie oder besser als Deutschland.
Demmer sieht die Hauptursachen für die Stagnation darin, dass sich in Fragen Chancengleichheit nichts, aber auch gar nichts getan hat. Nur in Belgien, Ungarn und der Slowakischen Republik gebe es eine noch stärkere Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Schulleistung als in Deutschland. Die OECD-Studie mache erneut sehr deutlich, dass Länder, die Kinder sehr früh in verschieden anspruchsvolle Schulformen einsortieren, sehr große Schwierigkeiten hätten, Chancengleichheit zu erreichen. Das längere gemeinsame Lernen bleibt auf der Tagesordnung. Deutschland muss sich von seinem vielgliedrigen Schulsystem verabschieden, sagte die GEW-Vize.
Sie machte sich dafür stark, endlich mehr Geld in Bildung zu investieren.
Seit Jahren seien die Bildungsausgaben nicht substanziell gewachsen. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist laut offiziellem Bildungsbericht sogar von 5,6 Prozent in 2003 auf 5,5 Prozent in 2004 gesunken. Diese Werte lägen deutlich unter dem OECD-Durchschnitt. Demmer warnte davor, den Finanzministern der Länder freie Hand zu lassen: Die Schatzmeister wollen weiter kürzen, weil die Schülerzahlen in den nächsten Jahren sinken. Je weniger Kinder geboren werden, desto besser müssen sie ausgebildet sein, wenn Deutschland seinen wirtschaftlichen und sozialen Standard auch in Zukunft halten will. Das Geld muss in der Bildung bleiben und jährlich aufgestockt werden. Es muss in gebührenfreie Kindergärten, den Ausbau von Ganztagsschulen und Hochschulen investiert werden. Dumm, aber schuldenfrei:
Das ist keine Perspektive für die junge Generation.
Demmer wies ausdrücklich darauf hin, dass Deutschland viel zu wenige Akademiker ausbilde. Seit Jahren betone die OECD, dass die Bundesrepublik weit größere Zuwächse benötige als in den vergangenen Jahren. Deutschland braucht jeden einzelnen jungen Menschen auf dem höchst möglichen Ausbildungsniveau. Wir können uns unser selektives Bildungssystem, das nur wenige Abitur und Hochschulabschlüsse machen lässt, einfach nicht mehr leisten, unterstrich die GEW-Vize.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
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