Pressemitteilung |

IG-Metall warnt vor weiteren Entlassungen in der IT- und Telekommunikationsbranche

(Frankfurt a. M.) - Die IG Metall hat die Unternehmen in der Informationstechnik und Telekommunikation vor weiterem Personalabbau gewarnt. "Auftragsrückgänge müssen nicht mit Kündigungen beantwortet werden", sagte IG Metall-Vorstandsmitglied Karin Benz-Overhage auf einer Pressekonferenz am 18. Februar in Frankfurt. Sinnvollere Alternativen seien eine zeitweilige Arbeitszeitverkürzung, mehr Teilzeit, Sabbaticals und Timeout-Programme sowie Altersteilzeit.

Der Abbau von qualifiziertem Personal gefährde nicht nur die Existenzgrundlage der Beschäftigten in hohem Maße, sondern bedrohe auch die Zukunft der Unternehmen, warnte die Gewerkschafterin. "Wir wollen die Unternehmen ermutigen, sich bei Geschäftseinbrüchen auf intelligente und beschäftigungsfreundliche Alternativen einzulassen", sagte Benz-Overhage. In vielen Fällen habe die IG Metall in Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen die besonderen Probleme der IT-Branche aufgegriffen und Alternativen zum Stellenabbau geschaffen. "Ein Königsweg ist die auf das Unternehmen zugeschnittene zeitweilige Arbeitszeitverkürzung", sagte Benz-Overhage. So sei zum Beispiel bei einem Siemens-Betrieb in München die Entlassung von 400 Beschäftigten durch die Verkürzung der Arbeitszeit verhindert worden. Bei Vodafone habe die IG Metall eine Regelung getroffen, wonach bei Arbeitsmangel die Arbeitszeit auf 35 Stunden verkürzt werde. Bei der Firma Oracle sei für die Beschäftigtengruppe der Consultans die Arbeitszeit um 20 Prozent gekürzt worden.

Die IT-Firma Zeda in Wuppertal habe Kurzarbeit eingesetzt, um Auftragsflauten zu überbrücken und Personal zu halten. Als weiteres Mittel zur Überbrückung der Krise nannte die IG Metall die neuen Weiterbildungsmöglichkeiten für die IT-Beschäftigten. "Nur mit qualifizierten und motivierten Beschäftigten haben die Unternehmen eine Zukunft", sagte Benz-Overhage.

Positiv bewertete die Gewerkschafterin die Arbeit ihrer Organisation im Bereich der IT- und Telekommunikationsindustrie. Sowohl die Zahl der Betriebsräte und der Gewerkschaftsmitglieder als auch die Zahl der branchenspezifischen Tarifverträge habe zugenommen. Niemand könne heute noch behaupten, die New Economy sei eine gewerkschaftsfreie Zone, betonte Benz-Overhage. Nahezu jeder zweite IT-Beschäftigte arbeite in einem Betrieb mit Betriebsrat. Mehr als 100 neue Betriebsratsgremien seien in den vergangenen 24 Monaten gegründet worden. Für rund 40 Prozent der 800 000 Beschäftigten in der IT- und Telekommunikationsindustrie gälten derzeit Tarifverträge. Zudem verzeichne die IG Metall einen kontinuierlichen Mitgliederzuwachs in der Branche. "Immer mehr Beschäftigte sehen die beste Strategie gegen Arbeitsplatzabbau und Einkommensverluste in der Gründung von Betriebsräten und den Beitritt in die IG Metall", stellte Benz-Overhage fest.

Die Krise der IT- und Telekommunikationsindustrie hat nach Auffassung der IG Metall nichts mit einem angeblich überregulierten Arbeitsrecht oder dem von Unternehmerseite kritisierten Kündigungsschutz zu tun. Zum Geschäftseinbruch der Unternehmen habe die Sättigung des Absatzes von PCs und Handys sowie der weitgehende Investitionsstop bei den Telekommunikations-Providern und den Anwendern geführt. "Ein guter Kündigungsschutz ist für die Geschäftsführungen ein Anreiz, intelligente Alternativen zum Personalabbau zu erwägen. Und für die Beschäftigten ist der Kündigungsschutz eine Frage der persönlichen Würde und des Schutzes vor Willkür", sagte Benz-Overhage.

Quelle und Kontaktadresse:
Industriegewerkschaft Metall (IGM) Lyoner Str. 32 60528 Frankfurt Telefon: 069/66930 Telefax: 069/66932843

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