Langfristige Planungssicherheit und innovative Finanzierungslösungen entscheidend
(Berlin) - Die Energiewende tritt in eine neue Phase ein. Für Stadtwerke bedeutet sie einen massiven Investitionshochlauf – insbesondere in Stromnetze, Wärmewende, Erneuerbare Energien und Digitalisierung.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Finanzierung, Planungssicherheit und regulatorische Verlässlichkeit. Das zeigt die neue Stadtwerkestudie 2026, die der BDEW gemeinsam mit EY veröffentlicht hat. Grundlage ist eine bundesweite Befragung von 100 Stadtwerken und regionalen Energieversorgern.
• Historischer Investitionshochlauf bei Stromnetzen, Wärmeversorgung und Erneuerbaren Energien prägt die nächste Phase der Energiewende
• Wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen gewinnen für Investitionsentscheidungen weiter an Bedeutung
• Steigender Investitionsbedarf erhöht den Bedarf an zusätzlichen Finanzierungsquellen
• Neue Finanzierungsinstrumente und strategische Finanzierungskonzepte gewinnen zunehmend an Relevanz
Historischer Investitionshochlauf prägt die Energiewende
Die Studie macht deutlich: Der Umbau der Energieinfrastruktur erreicht eine neue Dimension. Für neun von zehn der befragten Stadtwerke geht der Investitionsbedarf deutlich über das bisherige Niveau hinaus. Ein Viertel der Unternehmen rechnet sogar mit einem Anstieg der Investitionen von mehr als 200 Prozent. Besonders hohe Investitionen werden in den kommenden Jahren beim Ausbau der Stromnetze, der Wärmeversorgung sowie bei Erneuerbaren Energien erwartet.
Die Energiewende wird damit zunehmend zu einer Finanzierungs- und Strukturierungsaufgabe. Neben technischen, regulatorischen und personellen Herausforderungen rückt die langfristige Sicherstellung ausreichender Finanzierungsmöglichkeiten in den Mittelpunkt.
Es braucht langfristig verlässliche und investitionsfördernde Rahmenbedingungen
Diese Entwicklung erfolgt in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen und regulatorischen Umfeld. Regulatorische Veränderungen, politische Entscheidungen und sich wandelnde Rahmenbedingungen beeinflussen zunehmend die Wirtschaftlichkeit und die Planbarkeit von Investitionsvorhaben. Vor diesem Hintergrund bewerten nur noch 47 Prozent der befragten Stadtwerke ihren aktuellen Geschäftserfolg als „gut“ oder „sehr gut“. Vor vier Jahren waren es noch 75 Prozent. Auch die Erwartungen für die kommenden Jahre bleiben differenziert: Lediglich 43 Prozent blicken positiv in die Zukunft.
„Die Energiewende vor Ort erhöht die regulären Investitionssummen der Stadtwerke um ein Vielfaches. Dies zeigt den Bedarf an neuen, innovativen Finanzierungskonzepten. Gleichzeitig wird einmal mehr deutlich: Unternehmen brauchen verlässliche und investitionsfördernde Rahmenbedingungen sowie langfristige Planungssicherheit“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.
Wettbewerb um Kapital gewinnt an Bedeutung
Die Studie zeigt, dass der steigende Investitionsbedarf der Stadtwerke mit einem wachsenden Bedarf an zusätzlichen Finanzierungsquellen einhergeht. Mit dem steigenden Finanzierungsbedarf verschärft sich damit der Wettbewerb um Kapital – national wie international.
Vor diesem Hintergrund gewinnen strategische Entscheidungen über die Ausrichtung von Portfolio und Geschäftsfeldern an Bedeutung. Dabei stehen Fragen nach Rendite, Risiko und Eigentümererwartungen ebenso im Fokus wie die Entscheidung, welche Geschäftsfelder selbst betrieben, partnerschaftlich entwickelt oder ausgelagert werden. Dies kann eine stärkere Fokussierung auf die relevanten Investitionen ermöglichen.
92 Prozent der befragten Stadtwerke erwarten, dass die notwendigen Investitionen zusätzlich durch externe Finanzierungsinstrumente unterstützt werden müssen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, unter welchen Bedingungen Investitionen aus Sicht von Kapitalgebern als planbar, risikoangemessen und investierbar gelten.
Stadtwerke stärken gezielt ihre Innenfinanzierung, innovative Finanzierungsinstrumente immer wichtiger
Die Studie zeigt zugleich, dass Stadtwerke ihre finanzielle Leistungsfähigkeit bereits aktiv stärken. Zur Innenfinanzierung setzen sie am häufigsten auf eine Reduktion der Kosten (84 Prozent), gefolgt von Gewinnthesaurierung (77 Prozent) und der Optimierung der Investitionsplanung (76 Prozent).
Diese Ansätze bilden eine wichtige Grundlage, stoßen jedoch angesichts der Höhe, Dauer und Gleichzeitigkeit der anstehenden Investitionen zunehmend an strukturelle Grenzen. Die Finanzierung der Energiewende kann daher nur im Zusammenspiel unterschiedlicher Finanzierungsquellen und -instrumente gelingen. Stadtwerke nutzen daher bereits heute innovative Ansätze, um zusätzliches Kapital zu mobilisieren – etwa Schuldscheine, EIB-Darlehen, eigenkapitalähnliche Gesellschafterdarlehen sowie Beteiligungen von Privat Equity-Investoren oder Bürgern. Letztere z.B. über Crowdfunding, Genussrechte oder Kooperationen mit lokalen Kreditinstituten. Die Studie zeigt hierzu konkrete Praxisbeispiele und Use Cases aus der kommunalen Energiewirtschaft auf. Entscheidend ist im Ergebnis daher weniger die isolierte Nutzung einzelner Instrumente als vielmehr deren strategische Kombination im Rahmen einer ganzheitlichen Finanzierungsstrategie.
„Stadtwerke sind das Rückgrat der Energiewende und zentrale Gestalter vor Ort. Unsere Stadtwerkestudie 2026 zeigt: Entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung bleiben klare politische Leitplanken, regulatorische Verlässlichkeit und stabile Investitionsbedingungen“, sagt Metin Fidan, Industrials & Energy Partner bei EY.
Die Stadtwerkestudie 2026 von BDEW und EY finden Sie hier: https://www.bdew.de/energie/stadtwerke-studie/
Quelle und Kontaktadresse:
(BDEW) Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V., Julia Weber, stellv. Pressesprecher(in), Reinhardtstr. 32, 10117 Berlin, Telefon: 030 300199-0
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