"Quo Vadis Zuckermarktordnung?" / Politischer Abend des BDSI in Brüssel
(Bonn / Brüssel) - Am 21.09.2011 lud der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) in Brüssel zu seinem jährlich stattfindenden Politischen Abend "Süßwaren im Dialog - Brussels meets Sweets" in die Räumlichkeiten der Landesvertretung Bayern ein. Schwerpunktthema war in diesem Jahr die Reform der Europäischen Zuckermarktregelung ab 2015.
Angelika Schlunck, Leiterin der Vertretung des Freistaates Bayern bei der Europäischen Union begrüßte den breit angelegten Diskurs der BDSI-Veranstaltung. Sie verdeutlichte, dass EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos am 12. Oktober 2011 seine Pläne zur Reform der Agrarpolitik vorstellen will. Von besonderer Bedeutung für Rübenanbauer und Zuckerraffinerien, aber auch für die zuckerverarbeitende Lebensmittelwirtschaft werde die künftige Ausgestaltung der Europäischen Zuckermarktregelung sein.
Dr. Dietmar Kendziur, Vorsitzender des BDSI, forderte eine deutlich stärkere Marktorientierung auf dem europäischen Zuckermarkt. Die aktuelle Versorgungsknappheit zeige dass Unzulänglichkeiten der bisherigen Regelung deutlich auf. Kurzfristig müsse die EU-Eigenversorgung mit Zucker sichergestellt werden. Hierfür sei es unerlässlich, dass die derzeit auf 85 Prozent der Eigenversorgung begrenzte Produktionsmenge an europäischem Rübenzucker deutlich angehoben würde, auf welchem Wege auch immer. Die derzeitige Unterversorgung mit Zucker führe dazu, dass die Verarbeitungsunternehmen derzeit kaum Zucker über die bestehenden Kontrakte hinaus erhielten oder mit Preissprüngen konfrontiert seien, die die Existenz insbesondere kleiner und mittelständischer Unternehmen bedrohen könnte. Mittelfristig müsse bei der Reform der Zuckermarktordnung im Jahr 2015 das planwirtschaftliche Quotensystem für Zucker auslaufen. Zudem müsse schnellstmöglich der EU-Importzoll für Zucker vom Weltmarkt schnellstmöglich an den bereits 2006 abgesenkten EU-Referenzpreis angepasst werden.
Auf dem Podium diskutierten kontrovers:
- Albert Deß, Mitglied des Europaparlamentes und Berichterstatter für die Gemeinsame Agrarreform im Europäischen Parlament
- Dr. Theodor Weber, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
- Prof. Dr. Klaus-Dieter Borchardt, Europäische Kommission
- Dr. Fred Zeller, Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer
- Dr. Stefan Nolte, Universität Gent
- Ansgar Bornemann, Nestlé Schöller GmbH Nürnberg, und stellvertretender Vorsitzender des BDSI
Die Podiumsdiskussion moderierte der bekannte Wirtschaftsjournalist Hajo Friedrich.
Albert Deß berichtete aus den Beratungen des federführenden Agrarausschusses im Europäischen Parlament. Dieses Gremium fühle sich vor allem dem Schutz der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes verpflichtet und habe sich deshalb im Juni 2011 ebenso wie anschließend das Plenum des Europäischen Parlamentes für eine erneute Verlängerung der Europäischen Zuckermarktregelung, also insbesondere des Quotensystems, ausgesprochen. In den nächsten Monaten erwarte er intensive Auseinandersetzung mit der Europäischen Kommission, die in der Vergangenheit mehrfach ein Auslaufen des Quotensystems für Zucker angemahnt hatte. Erst kürzlich hatten die Agrarökonomen in der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission einen Quotenausstieg im Jahr 2016 empfohlen.
Dr. Theodor Weber vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten betonte, dass die Bayerische Staatsregierung sowohl die Interessen der bayerischen Zuckerrübenanbauer, der Zuckerindustrie als auch der nachgelagerten Süßwarenindustrie ausgewogen berücksichtige. Alleine in Bayern gibt es 49 meist kleine und mittelständische Süßwarenunternehmen mit einem Umsatz von rund 900 Mio. Euro.
Dr. Stefan Nolte von der Universität Gent schätzt, dass eine Abschaffung der Quote entgegen der Befürchtungen der Zuckerrübenanbauer nicht zu einer Reduzierung der Anbaufläche, sondern sogar zu einer Ausweitung der Zuckerproduktion in klimabegünstigten Standorten führen würde. Hierzu gehörten in Europa vor allem Deutschland, Frankreich, Polen und die Beneluxländer.
Prof. Dr. Klaus-Dieter Borchardt von der Europäischen Kommission vertrat die Auffassung, dass die Zuckerindustrie nicht dauerhaft als einziger Sektor ein Quotensystem behalten könne.
Herr Dr. Zeller vom Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer hob hervor, dass es wegen der Interventionsmaßnahmen der Europäischen Kommission keine Zuckerknappheit gäbe.
Dem widersprach Ansgar Bornemann, Stellvertretender Vorsitzender des BDSI und Geschäftsführer der Nestlé Schöller GmbH. Falls es diese verfügbaren Mengen gäbe, kämen sie bei der Süßwarenindustrie nicht an. Er forderte, bei der anstehenden Reform neben den Interessen der Landwirte auch die Anliegen der industriellen Zuckerverwender gleichgewichtig zu berücksichtigen.
Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI)
Dr. Torben Erbrath, Geschäftsführer, Pressesprecher(in)
Schumannstr. 4-6, 53113 Bonn
Telefon: (0228) 26007-0, Telefax: (0228) 26007-89
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