Pressemitteilung |

Recht auf freie Information im Jahr 2002 weiter ausgehöhlt / 25 Journalisten getötet / Zunahme von gewalttätigen Angriffen / Im Namen des Anti-Terror-Kampfes Quellenschutz zunehmend beschränkt

(Berlin) - Reporter ohne Grenzen ver√∂ffentlichte am 6. Januar die Bilanz zur Situation der Pressefreiheit im Jahr 2002. Demnach wurden 25 Journalistinnen und Journalisten im vergangenen Jahr w√§hrend der Berichterstattung get√∂tet oder wegen missliebiger Recherchen und Berichte ermordet. Vier Medienmitarbeiter wurden ebenfalls get√∂tet. Die Umst√§nde und Motive von weiteren 30 Todesf√§llen werden zur Zeit noch von der internationalen Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der Pressefreiheit untersucht. Im Vergleich zum Vorjahr (31 Tote) kamen in 2002 zwar weniger Reporter zu Tode, die Gewalt gegen√ľber Journalisten nahm jedoch gravierend zu.

Drastisch stieg die Zahl der Medienvertreter, die 2002 bedroht oder schikaniert wurden. Im vergangenen Jahr wurden 1420 √úbergriffe registriert. Im Vergleich zu 716 Vorf√§llen im Jahr 2001 hat sich die Zahl damit nahezu verdoppelt. Auch die Zahl der Journalistinnen und Journalisten, die vor√ľbergehend festgenommen, verh√∂rt oder entf√ľhrt wurden, liegt um √ľber 40 Prozent h√∂her als im Vorjahr. 692 Journalisten sa√üen im Jahr 2002 zeitweilig hinter Gittern.

389 Mal wurden Medien zensiert. Das Ausmaß der Zensur bleibt 2002 damit unverändert hoch. Durchschnittlich traf die Zensur täglich mindestens ein Medium.

Die Arbeitsbedingungen von Reporterinnen und Reportern wurden aufgrund internationaler Spannungen und Konflikte erheblich erschwert. In einer Reihe von Staaten und Konfliktregionen wie beispielsweise in Bangladesch, Eritrea, Haiti, Nepal und Simbabwe hat sich die Lage der Pressefreiheit im Jahr 2002 weiterhin versch√§rft. Die im vergangenen Jahr an Journalisten begangenen Morde wurden, bis auf wenige Ausnahmen, nicht aufgekl√§rt und die M√∂rder und Auftraggeber nicht zur Verantwortung gezogen. Solange sich jedoch die T√§ter in Sicherheit w√§hnen und straffrei ausgehen, wird die Gewalt weiter wachsen. Reporter ohne Grenzen wird daher auch im Jahr 2003 eigene Untersuchungen vorantreiben und √∂ffentlichen Druck auf Regierungen aus√ľben, um die Sicherheit von Journalisten zu verbessern.

Eine weitere Tendenz beunruhigte im Jahr 2002. In rund einem Dutzend L√§ndern wurde der Quellenschutz im Zuge neuer Anti-Terror-Gesetze ausgeh√∂hlt. Mittlerweile werden Journalisten selbst in einigen demokratischen L√§ndern (beispielsweise in den USA) festgenommen oder verh√∂rt, wenn sie ihre Quellen nicht preisgeben. Das Recht auf Vertraulichkeit der Information ist jedoch eine unverzichtbare Voraussetzung f√ľr die freie und unabh√§ngige journalistische Recherche und darf nicht leichtfertig geopfert werden.

Einige positive Entwicklungen brachte das Jahr 2002 dennoch. Politische Reformen und Friedensprozesse trugen dazu bei, die Arbeitsbedingungen f√ľr Journalisten in Angola, Afghanistan und Sri Lanka zu verbessern. Fortschritte bei der Aufkl√§rung der Ermordung von Carlos Cardoso in Mosambik und Griogrij Gongadse in der Ukraine machen Hoffnung, dass die M√∂rder gefasst und bestraft werden. Nach langen Jahren in Haft und zahlreichen weltweiten Protesten wurden die Journalisten G√©d√©on Mushimiyimana (Ruanda), Ayub Khoso (Pakistan) und Myo Myint Nyein (Birma) endlich freigelassen.

Eine Langfassung der Jahresbilanz auf Deutsch (7 Seiten) ist im Internet abrufbar unter: www.reporter-ohne-grenzen.de

Quelle und Kontaktadresse:
Reporter ohne Grenzen e.V. Deutsche Sektion von Reporters sans frontières Skalitzer Straße 101 D-10997 Berlin Tel: (30) 615 85 85 Fax: (30) 614 56 49

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