Pressemitteilung | Deutscher Hausärzteverband e.V.

38. Deutscher Hausärztetag - Deutscher Hausärzteverband fordert Bonus für Patienten

(Berlin) - Der Deutsche Hausärzteverband fordert einen Bonus für Patientinnen und Patienten, die an den Verträgen zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) teilnehmen. Dies sagte der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt im Rahmen des 38. Deutschen Hausärztetages heute in Berlin. "Wir halten es für sinnvoll und notwendig, dass die Krankenkassen gesetzlich dazu verpflichtet werden, ihren Versicherten HZV-Boni anzubieten", so Weigeldt. Bereits heute sind die Kassen gesetzlich dazu angehalten, für ihre HZV-Versicherten besondere Satzungsleistungen vorzusehen.

In Deutschland ist die Zahl der Arzt-Patienten-Kontakte im europäischen Vergleich besonders hoch. Wissenschaftliche Evaluationen zeigen, dass durch die HZV die Zahl unkoordinierter Facharztbesuche und Krankenhauseinweisungen nachhaltig reduziert werden. Die HZV-Verträge sehen vor, dass die teilnehmenden Patienten immer zuerst ihren gewählten Hausarzt aufsuchen. Bei Bedarf koordiniert dieser die weitere Behandlung mit Fachärzten, Kliniken und Beschäftigten anderer Heilberufe. Knapp 80 Prozent sämtlicher Beschwerden werden vom Hausarzt behandelt. Wissenschaftliche Evaluationen zeigen, dass dieses System zu einer besseren Qualität der Versorgung führt und gleichzeitig besonders wirtschaftlich ist. Die Teilnahme ist für Versicherte und Hausärzte freiwillig. Über vier Millionen Versicherte nehmen bundesweit bereits teil.

"Patienten, die konsequent zunächst ihren Hausarzt aufsuchen, profitieren nicht nur von einer qualitativ besseren Versorgung, sondern verhalten sich auch wirtschaftlich verantwortungsbewusst. Daher sollten sie hiervon auch einen finanziellen Nutzen haben und einen Bonus erhalten. Dies kann beispielsweise durch Zuzahlungsbefreiungen bei Medikamenten geschehen", sagte Weigeldt. Einige Krankenkassen, wie die AOK Baden-Württemberg und die Bosch BKK, bieten ihren Versicherten bereits Boni an. Eine Verpflichtung dazu sei eines der zentralen Anliegen der Hausärztinnen und Hausärzte im Hinblick auf die Bundestagswahl 2017. "Die Idee ist zwar bereits im Sozialgesetzbuch verankert, notwendig ist aber eine Konkretisierung, damit die Patienten auch wirklich flächendeckend profitieren", so Weigeldt.

Als zweite zentrale und vordringliche Aufgabe der nächsten Jahre sieht der Deutsche Hausärzteverband die hausärztliche Nachwuchssicherung. Dr. Jana Husemann, stellvertretende Vorsitzende des Forums Weiterbildung im Deutschen Hausärzteverband und seit gut einem Jahr niedergelassene Hausärztin in Hamburg, sagte: "Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass noch vor einigen Jahren die hausärztliche Versorgung an den medizinischen Fakultäten so gut wie keine Rolle gespielt hat. Es ist daher nicht überraschend, dass sich aktuell noch zu wenige Kolleginnen und Kollegen für die Arbeit als Hausärztin oder Hausarzt entscheiden." Husemann betonte, dass dringend eine kontinuierliche Einbindung der Allgemeinmedizin im Studium notwendig ist. "Es bringt nichts, alle paar Wochen ein Seminar zu besuchen. Mir hat damals der Kontakt mit praktizierenden Hausärzten gezeigt, dass der Hausarztberuf erfüllend ist und ich darin meine berufliche Zukunft sehe", so Husemann.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der junge Leute von einer Niederlassung als Hausarzt abhalte, seien die zum Teil schwierigen Arbeitsbedingungen: "In unserer Praxis in Hamburg haben wir einen Fallwert von unter 40 Euro. Das ist schlichtweg zu wenig. Ohne die HZV würde es kaum gehen. In anderen Regionen ist die Situation für die Hausärztinnen und Hausärzte inzwischen deutlich besser, aber natürlich fördern solche Beispiele nicht gerade die Motivation der jungen Kolleginnen und Kollegen, sich als Hausärztin oder Hausarzt niederzulassen", sagte Husemann.

Deutliche Kritik übte Weigeldt an der Situation der Hausärztinnen und Hausärzte in einigen KV-Regionen. "Wir diskutieren seit Jahrzehnten darüber, dass Hausärztinnen und Hausärzte für ihre Arbeit vernünftig bezahlt werden müssen. Während wir mit der HZV hier deutliche Fortschritte gemacht haben, ist in einigen KV-Regionen schlichtweg kaum etwas passiert. Ohne den Wettbewerb durch die HZV wäre es fraglich, ob es in 20 Jahren überhaupt noch Hausärzte gäbe."

Der Deutsche Hausärzteverband begrüßte ausdrücklich, dass die Bundesregierung mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 die Allgemeinmedizin und die hausärztliche Versorgung stärken möchte. "Diese Reform ist aus unserer Sicht zentral um dafür zu sorgen, dass das Schattendasein der Allgemeinmedizin an den Universitäten der Vergangenheit angehört. Wir sind froh, dass die Bundesregierung das auch so sieht. Was wir bisher wissen, geht die geplante Reform absolut in die richtige Richtung", so Weigeldt.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Hausärzteverband e.V., Büro des Bundesvorsitzenden Berlin Vincent Jörres, Pressesprecher Bleibtreustr. 24, 10707 Berlin Telefon: (030) 88714373-35, Fax: (030) 88714373-40

(sy)

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