Pressemitteilung | Verband Deutscher Lokalzeitungen e.V. (VDL)

„400 Jahre Zeitungen – Von der Handpresse zum lokalen Medienhaus“ in Berlin / Lokale Zeitungen sind für die demokratische Gesellschaft unverzichtbar

(Berlin) - Den 400. Jahrestag der Herausgabe der ersten Zeitung würdigt der Verband Deutscher Lokalzeitungen mit einer Ausstellung in der Parlamentarischen Gesellschaft des Deutschen Bundestages. Im Mittelpunkt der Ausstellung „400 Jahre Zeitungen - Von der Handpresse zum lokalen Medienhaus“, die am 10. Mai eröffnet wurde, stehen die Bedeutung der Zeitung für eine demokratische Gesellschaft, die Zeitungsvielfalt in Deutschland und die Rolle der Lokalzeitungen.

In einem kurzen Abriss skizziert die Ausstellung die 400-jährige Geschichte der Zeitung von der 1. Zeitung, der „Relation“ in Strassburg, die 1605 erschien, bis zur Zeitung als Massenmedium unserer Tage. Der „Relation“ folgten wenig später weitere Blätter in zahlreichen deutschen Städten. Das erste Massenmedium war geboren und erreichte seine größte Verbreitung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts als in Deutschland mehr als 4000 Zeitungen existierten.
Anhand zahlreicher Dokumente wird dargestellt, dass die Zeitungen in ihrer Geschichte sowohl prosperierende Zeiten als auch zahlreiche Krisen erlebten. Während sie einerseits einen entscheidenden Beitrag für das entstehen demokratischer Strukturen in Deutschland geleistet haben, wurden sie andererseits während der Nazi-Herrschaft und in der DDR ihrer demokratischen Funktion beraubt, reglementiert und zu Sprachrohren der Diktatur degradiert.

Die Ausstellung dokumentiert, wie die unabhängigen lokalen Verlage ihre lokale Kompetenz ausbauen und mit neuen Geschäftsfeldern ihre wirtschaftliche Basis erweitern. Am Beispiel der lokalen Zeitungsverlage „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“, Mühlacker Tagblatt“ „Ostfriesische Nachrichten“ und „Torgauer Zeitung“ zeigt die Ausstellung die Verwurzelung der lokalen Zeitungen in der Kultur und Geschichte ihrer Region.

Die „Ostfriesische Nachrichten“ wurden 1864 als „Auricher Nachrichten“ gegründet und erreichen heute eine verkaufte Auflage von 14.700 Exemplaren. Der „Hildesheimer Relations-Courier“, der am 24. Juni 1705 erstmals erschien, ist der Vorläufer der „Hildesheimer Allgemeinen Zeitung“, der ältesten deutschen Tageszeitung. Die Zeitung hat heute eine Auflage von 47.000 Exemplaren. Das „Mühlacker Tagblatt“ wurde als „Dürrmenz-Mühlacker-Bote“ im Jahre 1890 gegründet. Die Auflage liegt heute bei 10.000 Stück. Die „Torgauer Zeitung“, die erstmals im April 1990 erschien, ist die einzige Neugründung einer lokalen Tageszeitung im Osten, die heute noch existiert. Die Auflage erreicht 12.500 Exemplare.

Die Schirmherrschaft über die Ausstellung hat die Vorsitzende des Kultur- und Medienausschusses des Deutschen Bundestages, Monika Griefahn (SPD), übernommen. Die Firmen FERAG GmbH, Hartmann Druckfarben GmbH SunCemical Corporation, Funkinform Informations- und Datentechnik GmbH und Flint-Schmidt GmbH & Co. KG haben durch ihr Sponsoring diese Ausstellung ermöglicht.

Heute existieren in Deutschland 329 lokale und regionale Abonnementzeitungen, zehn überregionale Zeitungen, acht Straßenverkaufszeitungen, 27 Wochenzeitungen und sieben Sonntagszeitungen (jeweils Verlage als Herausgeber). Die insgesamt 381 Zeitungen geben für ihre Leser 1.552 redaktionelle Ausgaben heraus.
Das Angebot der Zeitungen hat sich in den letzten 15 Jahren deutlich erweitert. Die Zahl der redaktionellen Ausgaben ist von ca. 1.300 auf 1.552 gestiegen. Dieser Anstieg ist vor allem auf die Ende der achtziger Jahre hinzugekommenen Titel aus den neuen Bundesländern zurückzuführen.

Die Zeitungen erscheinen mit einer Auflage von 28,2 Mio. Exemplaren, wobei 22,1 Mio. auf Tageszeitungen und 6,1 Mio. auf Wochen- und Sonntagszeitungen entfielen. Die höchste Auflage vereinigen die regionalen und lokalen Abonnementzeitungen mit 15,4 Mio. Exemplaren (IVW 2004) auf sich. Die Leser haben eine starke Bindung an ihre Zeitung. Die weitaus meisten Leser würden ihre Zeitung stark oder sogar sehr stark vermissen (74 Prozent).

Bemerkenswert ist, dass die Mehrheit der jungen Menschen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren in der Bundesrepublik weiterhin regelmäßig Zeitung liest (62,4 Prozent). Auch in den jungen Bevölkerungsgruppen ist die Zeitung trotz der vielfältigen elektronischen Konkurrenz weiterhin ein reichweitenstarkes Medium. Mehr als die Hälfte der 14- bis 19-Jährigen greift täglich zur Zeitung (51,8 Prozent), bei den 20- bis 29-Jährigen sind es 61,5 Prozent.

Eine große Stärke der regionalen und lokalen Tageszeitungen besteht in ihrer ausgeprägten Regional- und Lokalkompetenz. Mit ihren differenzierten Kenntnissen des lokalen und regionalen Raums bietet die Tageszeitung ihren Lesern Orientierung und hilft ihnen, sich eine eigene, fundierte Meinung über ihre Lebensregion bilden. Die Zeitung ist mit Abstand das wichtigste Medium für die Information über den eigenen Wohnort und die nähere Umgebung. Fast drei viertel der Bundesbürger (73 Prozent) halten sie in diesem Zusammenhang für unverzichtbar. Mit großem Abstand folgt der lokale Hörfunk. Zwar hält ein relativ großer Teil der Bevölkerung auch andere lokale Medien für sinnvolle ergänzende Informationsquellen, unverzichtbar ist und bleibt aber die Tageszeitung.

In Deutschland sorgen über 100 lokale Zeitungsverlage (Auflage unter 125.000 Exemplare) für eine umfassende lokale und kompetente Information über ihre Heimatregion. Die lokalen Zeitungen erreichen eine Auflage von annähernd 3,7 Millionen Exemplaren und damit etwa 8,5 Millionen Leser.

Die meisten lokalen Zeitungen existieren in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen, Bayern und Schleswig-Holstein. In den neuen Bundesländern konnte sich nach der Wiedervereinigung von den zahlreichen Zeitungsneugründungen als einzige lokale Tageszeitung die „Torgauer Zeitung“ behaupten.

Etwa jeder dritte Zeitungsverlag in Deutschland ist ein lokaler Verlag, der sich zumeist über Generationen im Familienbesitz befindet.

Quelle und Kontaktadresse:
Verband Deutscher Lokalzeitungen e.V. Dovestr. 1, 10587 Berlin Telefon: 030/3980510, Telefax: 030/39805151

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