Arbeitsplätze in der Süßwarenindustrie in Gefahr / Ursachen sind Bürokratie, Energiepreise und Export
(Bonn) - Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) blickt für die Branche mit ihren genussbringenden Produkten auf ein schwieriges Jahr 2025 zurück. Die mehr als 200 Unternehmen erlebten drastische Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Personal, Energie und Logistik und eine Flut an bürokratischen Anforderungen, die den Unternehmen immer mehr die Luft abschnüren. Dies führt zu einem deutlichen Rückgang der Produktionsmenge in Deutschland. Auch das für die Branche wichtige Exportgeschäft entwickelte sich 2025 rückläufig.
Bundesregierung muss Attraktivität des Standorts Deutschland verbessern
Die deutschen Hersteller von Süßwaren und Knabberartikeln stehen ununterbrochen unter enormem wirtschaftlichem Druck. Hohe Energiepreise und ausufernde bürokratische Anforderungen beeinträchtigen die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche - sie sind inzwischen ein entscheidender Standortfaktor.
"Es ist höchste Zeit, dass die Bundesregierung für international wettbewerbsfähige Energiekosten sorgt und gemeinsam mit den EU-Institutionen den Bürokratie-Dschungel lichtet. Die stetig gewachsenen bürokratischen Anforderungen erdrücken Unternehmen und nehmen ihnen die Luft zum Atmen. Bürokratie darf kein Selbstzweck sein - sie muss für Unternehmen verständlich, schlank und praktikabel bleiben", erklärt Bastian Fassin, Vorsitzender des BDSI.
Die negative Entwicklung im Export trotz international wachsender Süßwarenmärkte zeigt deutlich, dass die Branche erheblich an internationaler Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt hat und eine Marktbereinigung zulasten kleiner und mittelständischer Unternehmen sowie eine zunehmende Verlagerung von Produktionsschritten ins EU-Ausland droht.
Ein aktuelles Beispiel für den Aufbau unnötiger paralleler Strukturen bietet das Verpackungsrecht. Hier gibt es bereits für ein und dieselbe Verpackung zwei unterschiedliche Behörden und zwei Register mit abweichenden Definitionen. Der nun vorgelegte Entwurf des Verpackungsrecht-Durchführungsgesetzes sieht die Schaffung einer weiteren Organisation mit entsprechenden Meldepflichten vor. Dass bereits die bestehenden Aufgaben auch schlanker organisiert werden können, zeigt der Blick in die Niederlande oder nach Österreich.
Kakaoverarbeitung in Deutschland unter Druck
Auch 2026 erwartet die deutsche Süßwarenindustrie kein einfaches Jahr, denn insbesondere bei den Kakao- und Haselnusspreisen ist keine Entspannung zu erkennen. Die Preisentwicklung im Schokoladenmarkt bleibt komplex. Auch wenn die Kakaopreise an den internationalen Rohstoffbörsen zuletzt gesunken sind, liegt der Kakaopreis weiterhin auf einem historisch hohen Niveau. Ob die jüngsten Preisrückgänge von Dauer sind, ist derzeit nicht absehbar. Hinzu kommt, dass die Kakaoverarbeitung in Deutschland deutlich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt hat. So ist die Kakaovermahlung in Deutschland im Jahr 2025 um 10,1 % gesunken, und damit deutlich stärker als in der Gesamt-EU (6,1 %). Zudem wurden Standorte in Deutschland geschlossen und Kapazitäten ins europäische Ausland verlagert.
Verzögerung des MERCOSUR-Abkommens durch EU-Parlament fatales Signal
Mit der Überweisung des MERCOSUR-Abkommens an den Europäischen Gerichtshof sendet das Europäische Parlament ein fatales handelspolitisches Signal. Wichtig ist nun aus Sicht des BDSI, dass das MERCOSUR-Abkommen vorläufig zur Anwendung kommt, um massiven wirtschaftlichen und geopolitischen Schaden abzuwenden und die Glaubwürdigkeit der EU zu erhalten. Trotz seiner Größe bleibt der südamerikanische Markt aufgrund der derzeit hohen Zollsätze auf Süßwaren aus der EU noch deutlich unter seinen Möglichkeiten. "Das MERCOSUR-Abkommen bietet den Vorteil, dass schrittweise die Zollsätze für Süßwaren vollständig abgebaut werden. Teilweise dauert dies bis zu 15 Jahre. Aber wenn wir uns jetzt nicht auf den Weg begeben und das Freihandelsabkommen nicht in Kraft tritt, bleiben wir mit unseren Produkten weiterhin nur in der Nische", so Fassin, der auf die Notwendigkeit weiterer Abkommen - etwa mit Australien oder Indien - verweist.
Konjunkturentwicklung der deutschen Süßwarenindustrie 2025
Das wichtige Inlandsangebot (= Produktion + Einfuhr - Ausfuhr) entwickelte sich im Jahr 2025 negativ und lag mengenmäßig bei knapp 2,6 Mio. t (-2,1 %), der Inlandsumsatz stieg auf schätzungsweise 11,5 Mrd. € (+4,7 %).
Nach Schätzungen des BDSI sank die Produktion der in Deutschland hergestellten Süßwaren und Knabberartikel im Jahr 2025 auf 3,9 Mio. t (-5,3 %). Wertmäßig entwickelte sich die Produktion mit rund 18,6 Mrd. € positiv (+8,7 %). Den Schätzungen des BDSI liegen die amtlichen Zahlen des Statistischen Bundesamtes und die Marktdaten der einschlägigen Marktforschungsinstitute zugrunde.
Exportgeschäft mit Süßwaren erneut gesunken, bleibt aber wichtiges Standbein der Branche
Das für die deutsche Süßwarenindustrie so wichtige Exportgeschäft mit Süßwaren und Knabberartikeln sank, wie bereits 2023 und 2024, auch im Jahresverlauf 2025 deutlich. Insgesamt wurden schätzungsweise 2,3 Mio. t Süßwaren und Knabberartikel exportiert. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang von -5,6 %. Der Exportumsatz stieg im Jahr 2025 um +16,9 % auf rund 17,3 Mrd. €.
Angesichts des rückläufigen Inlandsmarktes und der hohen Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel kommt gerade dem Export von Süßwaren eine zentrale Bedeutung für das wirtschaftliche Überleben der Unternehmen und den Erhalt der einzigartigen mittelständischen Struktur zu. Mit einem wertmäßigen Anteil von über 60 % trägt insbesondere der Export zur Wertschöpfung in den Unternehmen bei.
Entwicklung bei den einzelnen Produktgruppen
Schokoladewaren
Die mengenmäßige Produktion von Schokoladewaren entwickelte sich nach Schätzungen des BDSI im Jahr 2025 deutlich negativ. Insgesamt wurden in Deutschland ca. 1,1 Mio. t Schokoladewaren produziert (-6,9 %). Der Produktionswert stieg um etwa +12,4 % auf rund 8,3 Mrd. €. Der Export von Schokoladewaren entwickelte sich 2025 in der Menge (-6,3 %) negativ, im Wert hingegen positiv (+20,1 %).
Feine Backwaren
Die Hersteller von Feinen Backwaren verzeichneten 2025 einen Rückgang. In der Menge fiel die Produktion von Feinen Backwaren auf Basis der Schätzungen des BDSI um -4,2 %. Insgesamt wurden etwa 701.000 t Feine Backwaren produziert. Wertmäßig stieg die Produktion um +1,5 % auf rund 3,0 Mrd. €. Auch die Exporte verzeichneten 2025 bei den Feinen Backwaren einen Rückgang von -3,0 % in der Menge. Der Exportwert stieg um +5,2 %.
Bonbons und Zuckerwaren
Die Hersteller von Zuckerwaren verzeichneten 2025 eine vergleichsweise stabile Entwicklung. Die mengenmäßige Produktion stieg um schätzungsweise 0,1 % auf 653.000 t, der Wert sank hingegen um -2,0 % auf ca. 2,2 Mrd. €. Die Entwicklung der Exporte war 2025 bei den Bonbons und Zuckerwaren mit
-2,4 % in der Menge rückläufig. Auch der Exportwert sank 2025 um -4,4 %.
Knabberartikel
Die mengenmäßige Produktion von Knabberartikeln blieb im Jahr 2025 fast stabil (-0,1 %) bei rund 380.000 t. Im Wert stieg die Produktion um +2,6 % auf etwa 2,0 Mrd. €. Die Exporte entwickelten sich 2025 bei den Knabberartikeln negativ, sie sanken gegenüber dem Vorjahr um -0,4 % in der Menge. Der Exportwert stieg um +4,1 %.
Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI), Solveig Schneider, Leiter(in) Kommunikation, Schumannstr. 4-6, 53113 Bonn, Telefon: 0228 26007-0
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