Pressemitteilung | Arbeitgeberverband Gesamtmetall e.V.
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Ausbildung: Schädliches Sommer-Ritual / Lehrstellenlücke schrumpft im Herbst

(Berlin) - Die Metall- und Elektro-Industrie (M+E) gehört seit Jahren zu den großen Ausbildern in Deutschland. Rund 190.000 Jungen und Mädchen bilden die M+E-Betriebe derzeit in den industriellen Metall- und Elektroberufen, in den modernen IT-Berufen oder in einem kaufmännischen Beruf aus. Die Branche investiert dafür rund 3,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Gerade in den Mitgliedsfirmen der Arbeitgeberverbände ist das Engagement besonders hoch. „Mehr als 80 Prozent unserer Mitgliedsunternehmen bilden aus“, rechnet Sven-Uwe Räß vor, Experte für Berufsbildung beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall in Berlin. Die Betriebe der M+E-Industrie stehen auch nach wie vor zu dem zwischen Bundesregierung und Wirtschaft vereinbarten Ausbildungspakt. „Für die Berufe der Metall- und Elektro-Industrie können wir sagen“, so Räß, „dass wir unsere Zusagen klar erfüllt haben.“

Selbst in den letzten Jahren, als die Beschäftigtenzahl in der Branche kontinuierlich zurückging, hätte die Zahl der Ausbildungsplätze zumindest gehalten werden können. Die Verbände der M+E-Industrie sind aktiv bei der Mobilisierung von Ausbildungsplätzen, insbesondere in neu oder zusätzlich ausbildenden Betrieben. Sie sprechen gezielt Unternehmen an, um für Ausbildung zu werben und fördern vielfach die Bereitstellung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen. Die Verbände bieten den Unternehmen organisatorische Hilfen an – von der Auswahl der Bewerber bis zur Begleitung des Unternehmens und der Auszubildenden während der gesamten Ausbildung. Zudem organisieren sie Ausbildungsverbünde und –ringe sowie Ausbildungskooperationen.

Um die hohe Ausbildungsleistung zu erhalten oder sogar noch auszubauen, müssen die Firmen alle Reserven mobilisieren. Deshalb gehört auch das Thema Ausbildungsvergütung mit auf die Tagesordnung. Mit rund 700 Euro im ersten bis rund 900 Euro im letzten Ausbildungsjahr sind die Ausbildungstarife insbesondere für kleine und mittelständische Betriebe oft ganz einfach zu hoch. Insgesamt, so die Rechnung von Gesamtmetall, schlägt ein Ausbildungsplatz in der Metall- und Elektro-Industrie mit rund 18.000 Euro jährlich zu Buche.

Mit intelligenten Modellen sind die finanziellen Spielräume für noch mehr Ausbildungsplätze durchaus zu vergrößern. Etwa, indem Tariferhöhungen für die Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze verwendet werden. Die IG Metall hat dies bisher abgelehnt.

Eine weitere Kernfrage zur Verbesserung der Ausbildungsbilanz lautet: Wie kann man das Ausbildungspotenzial auf Seiten der Betriebe und der Jugendlichen besser ausschöpfen? Ein Weg dazu führt über die verstärkte Entwicklung praxisorientierter Berufe, um praktisch begabten aber lernschwächeren Jugendlichen eine Chance zu bieten. Sven-Uwe Räß nennt den jüngst eingeführten Beruf des Maschinen- und Anlagenführers als erfolgreiches Beispiel.

Um allerdings die Qualität der Ausbildung künftig zu sichern, ist auch die Bildungspolitik verstärkt gefordert. Denn zusätzliche Ausbildungsplätze bleiben wertlos, wenn sie nicht besetzt werden können.

Die Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, geeignete Bewerber zu finden. Rund 20 Prozent eines Schuljahrgangs, so rechnen Bildungsforscher vor, sind heute als nicht ausbildungsfähig einzustufen, weil sie entweder gar keinen Schulabschluss vorzuweisen haben oder weil sie nur über unzureichende Kenntnisse in den Kernfächern verfügen.

Deshalb muss die Bildungspolitik die Anstrengungen der Unternehmen durch Reformen im Bildungssystem flankieren. Für Gesamtmetall gehört dazu unter anderem ein klarer Bildungsauftrag für Kindergärten, die Verbesserung der Qualität der Schulen sowie der Ausbau der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer und die Vermittlung wirtschaftlicher Inhalte.

Was auf keinen Fall weiterhilft, ist die jährliche Sommer-Diskussion um Ausbildungszahlen, angeblich fehlende Ausbildungsplätze und mögliche Gegenmaßnahmen. „Wir müssen aus diesem Ritual rauskommen“, fordert Sven-Uwe Räß, „denn die oftmals widersprüchliche Diskussion irritiert viele Unternehmen bei ihrem Engagement für den Nachwuchs.“

So war es auch in diesem Jahr. Die Bundesagentur für Arbeit meldete zunächst eine erheblich größere Lücke als im Vorjahr – Ende Mai zum Beispiel zusätzlich 35.000 fehlende Ausbildungsplätze –, schränkte aber gleichzeitig ein, dass die Zahlen durch eine Umstellung des EDV-Verfahrens mit denen der Vorjahre eigentlich gar nicht vergleichbar seien.

Im Juni lag die aktuelle Lehrstellenlücke dann nur noch um 11.000 Plätze über der des Vorjahres. Damit war da schon ein beträchtlicher Teil des Bewerberzuwachses von 14.000 aufgefangen. Auch die Zahl der gemeldeten, derzeit noch unbesetzten Ausbildungsstellen lag mit mehr als 17 Prozent wesentlich über der des Vorjahres. Ermutigend ist vor allem, dass in Industrie, Handel und Handwerk bisher 3 Prozent mehr Verträge als im letzten Jahr abgeschlossen wurden.

Quelle und Kontaktadresse:
Gesamtverband der metallindustriellen Arbeitgeberverbände e.V. (Gesamtmetall) Peter Klotzki, Pressesprecher Voßstr. 16, 10117 Berlin Telefon: (030) 55150-0, Telefax: (030) 55150-400

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