bad e.V. zum Statement von Kanzleramtschef Frei zur Situation der Pflege: Notstand erkannt, Gefahr nicht gebannt!
(Essen) - Kanzleramtschef Thorsten Frei polarisiert mit seiner Aussage in Bezug auf die Pflegeversicherung und die prognostizierte Entwicklung in der Pflege. Nach seiner Ansicht werde der Anteil derjenigen, die in stationären Einrichtungen gepflegt werden müssten, aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren steigen. Dies müsse zu einem Ausbau des stationären Pflegeangebotes führen.
Der bad e.V. freut sich über das Statement von Kanzleramtschef Thorsten Frei. „Die Aussage unseres Kanzleramtschefs zeigt, dass nun endlich auch auf oberster Regierungsebene angekommen ist, dass wir in der Pflege auf eine Versorgungskatastrophe zusteuern. Ein realistischer Blick auf die Zukunft der Pflege ist der Grundstein. Mehr Pflegebedürftige bedeuten zwangsläufig, dass mehr Heimplätze zur Verfügung stehen müssen“, schlussfolgert Jasmin Arbabian-Vogel, 2. Vorsitzende des bad-Bundesvorstandes und selbst Inhaberin mehrerer Versorgungsangebote in Niedersachsen.
bad-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kapp ergänzt: „Frei bezeichnet die Pflegeversicherung richtigerweise als Riesenherausforderung. Seit Jahren warnen wir davor, dass eine flächendeckende Versorgung aller Pflegebedürftigen zukünftig nicht mehr möglich sein wird. Hinzukommt das Finanzierungsdefizit in der Pflegeversicherung. Dennoch zieht Kanzleramtschef Frei nicht konsequent die richtigen Schlüsse im Hinblick auf die Entwicklung der Pflegebranche. Mehr Pflegebedürftige im System bedeuten aber auch, dass mehr ambulante Versorgungen erforderlich sind. Der Ausbau des Pflegeangebots ist in allen Versorgungsformen zwingend erforderlich.“
Als Betreiberin ambulanter Versorgungsangebote weiß Jasmin Arbabian-Vogel wie wichtig das ambulante Angebot für die Pflegebedürftigen ist. Ein Kollaps dieses Sektors würde einen Versorgungsnotstand bedeuten, der auch durch einen Ausbau stationärer Plätze nicht ausgeglichen werden kann. „Die Herausforderungen, die die demografische Schieflage für die pflegerische Versorgung mit sich bringt, kann nicht bewältigt werden, indem man bestehende und gewünschte Strukturen – mehr als 70 Prozent der Pflegebedürftigen möchten zu Hause gepflegt werden – kleinredet. Dazu kommt: Es ist nicht nur die Aufgabe der Bundesregierung die Strukturen der ambulanten Pflege nachhaltig zu sichern, es ist auch ihre Pflicht. Dies regelt im Übrigen auch das SGB XI selbst mit dem Grundsatz 'ambulant vor stationär'.“
Kapp mahnt: „Die Chancen etwas zu verändern werden weniger. Es ist dringend notwendig, jetzt entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehört unter anderem die auskömmliche Refinanzierung der Tariftreuepflicht, aber auch die Neugestaltung der Finanzierung der Pflegeversicherung. Es ist Zeit, die rosarote Brille endgültig abzusetzen, die Realität zu erkennen und entsprechend zu handeln!"
Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen e.V. (bad) - Bundesgeschäftsstelle, Zweigertstr. 50, 45130 Essen, Telefon: 0201 354001
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