Berliner Hauptbahnhof geht am Wochenende in Betrieb / VCD fordert Investitionen in das bestehende Schienennetz statt überteuerter Großprojekte
(Berlin) - Am Freitag (26. Mai 2006) wird mit einem offiziellen Festakt der neue Berliner Hauptbahnhof eröffnet. Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) beurteilt dieses Großprojekt aus der Wendezeit kritisch. Nach Ansicht des Umwelt- und Verbraucherverbandes stehen die enormen Ausgaben für den »größten Umsteigebahnhof Europas« nicht im richtigen Verhältnis zum Nutzen für das System Schiene und den öffentlichen Verkehr insgesamt. So hätten mit dem Ausbau der bestehenden dezentralen Strukturen in Berlin ähnliche Effekte bei deutlich geringeren Kosten erreicht werden können. Auch die auf den ersten Blick positiven Fahrzeitgewinne im Fernverkehr nützten nicht allen Reisenden gleichermaßen.
Heidi Tischmann, Verkehrsreferentin des VCD: Zwar sind im Regional- und Fernverkehr in und um Berlin viele Züge jetzt schneller unterwegs. Doch kürzere Fahrzeiten bedeuten nicht automatisch kürzere Reisezeiten von Tür zu Tür. Durch den Wegfall der beiden Fernbahnhöfe Zoologischer Garten und Ostbahnhof sind viele Menschen weiter weg vom Start- und Zielpunkt ihres Fernzuges. Damit kommt auf die Bahnkundinnen und Bahnkunden zusätzliches Umsteigen und insgesamt längere Reisezeiten zu."
Auch auf dem neu in Betrieb gehenden Streckenabschnitt von Nürnberg nach München ist das Verhältnis von finanziellem Aufwand und verkehrlichem Ertrag nach Ansicht des VCD miserabel. Knapp 25 Minuten kürzere Fahrzeit von Nürnberg nach München hätten Kosten von 3,6 Milliarden verursacht. Da man bekanntlich jeden Euro nur einmal ausgeben kann, muss auch beim Einsatz der öffentlichen Mittel für die Bahn eine möglichst große Wirkung für das gesamte Schienennetz im Vordergrund stehen. Die Alternativroute über Augsburg hätte mit ähnlichem Ergebnis viel weniger Geld gekostet."
Der VCD fordert von der Politik und der Deutschen Bahn AG daher, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und noch anstehende Prestigeprojekte wie die Strecke Erfurt - Nürnberg durch den Thüringer Wald oder den Bahnhof Stuttgart 21 zu stoppen. Statt dessen müssten Investitionen mit einer großen Flächenwirkung und positiven Effekten für das gesamte Schienennetz oberste Priorität erhalten.
Ein weiterer Fehler im Verkehrskonzept der Deutschen Bahn AG werde an den Fahrplanänderungen auf der Strecke Berlin - Hamburg deutlich. Hier werde die Anzahl der schnellen ICE-Verbindungen ohne Zwischenhalt erhöht und dafür die Zahl der täglich verkehrenden IC und EC-Züge verringert. Diese Änderung steht exemplarisch für eine falsche Strategie der Bahn: Menschen abseits der großen Zentren wird der Einstieg ins System Bahn ebenso erschwert wie Fernreisenden, die ihr Fahrrad für die umweltschonende Mobilität am Zielort mitnehmen möchten", kritisiert Tischmann.
Quelle und Kontaktadresse:
Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD), Bundesverband
Daniel Kluge, Pressesprecher
Kochstr. 27, 10969 Berlin
Telefon: (030) 2803510, Telefax: (030) 28035110
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