Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte zieht Bilanz zum HPV-Awareness-Monat: Aufmerksamkeit ist ein erster Schritt – jetzt müssen Maßnahmen folgen
(München) - Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF) zieht zum Ende des HPV Awareness Monats eine klare Bilanz: Die öffentliche Aufmerksamkeit für Humane Papillomviren (HPV) und Gebärmutterhalskrebs ist wichtig und Awareness-Monate setzen ein Zeichen, doch sie dürfen nicht nur Daten im Kalender bleiben. Entscheidend sind verbindliche Schritte.
„Bewusstsein allein schützt nicht vor Krebs, wirkungsvollere und verbindliche Präventionsmaßnahmen sind jetzt gefragt. Aufmerksamkeit ist ein erster Schritt, doch wir müssen diese Energie in nachhaltige Präventionspolitik umwandeln. Ohne verbindliche Strukturen verpufft das Bewusstsein wieder zu schnell,“ sagt Dr. Cornelia Hösemann, 3. Vorsitzende des BVF und Mitglied im Beirat der Sächsischen Impfkommission des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Jedes Jahr erkranken in Deutschland tausende Frauen an Gebärmutterhalskrebs, eine nahezu vollständig durch HPV Infektionen verursachte Erkrankung. Auch andere Krebsformen an Anus, Vulva oder Rachen werden durch HPV mitverursacht. Trotz verfügbarer, wirksamer Impfstoffe und klarer Empfehlungen der STIKO bleiben die HPV Impfquoten in Deutschland deutlich unter dem strategischen Ziel von 90 % für eine effektive Prävention. Nach den derzeitigen Erhebungen liegt die vollständige HPV Impfserie bei 15 jährigen Mädchen bei rund 55 % und bei Jungen bei etwa 34 % (1).
Länder wie Australien oder Dänemark zeigen, dass eine konsequente HPV Impfstrategie mit strukturierten Aufklärungsprogrammen und Impfangeboten zu sehr hohen Impfquoten und zu einer drastischen Reduktion HPV assoziierter Erkrankungen führen kann. Solche Erfolge müssen auch in Deutschland möglich werden.
Um die HPV Prävention frühzeitig und verbindlich zu verankern, fordert der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte daher:
1. Schulimpfprogramme und frühzeitige Aufklärung einführen: HPV Aufklärung und Impfangebote sollten systematisch in den Schulalltag integriert werden, um Mädchen und Jungen ab dem neunten Lebensjahr sowie deren Erziehungsberechtigte früh und niedrigschwellig zu erreichen. So kann eine wirksame Herdenimmunität aufgebaut und das Risiko für Gebärmutterhalskrebs sowie andere HPV assoziierte Krebserkrankungen deutlich gesenkt werden.
2. Strukturelle Anreize schaffen: Einladungs- und Impferinnerungssysteme sowie koordinierte Nachholangebote müssen zur Regellandschaft gehören, damit Impfungen konsequent durchgeführt werden können. § 25b SGB V eröffnet Krankenkassen seit 2024 die Möglichkeit, auf Grundlage vorhandener Daten personalisierte Hinweise auf empfohlene Schutzimpfungen zu geben. Die Anwendung dieser Instrumente ist jedoch komplex und bislang nicht flächendeckend etabliert. Umso wichtiger ist es, bestehende Potenziale weiterzuentwickeln und praxistauglich in die Versorgungsrealität zu integrieren.
3. Ärztliche Beratungsleistung besser honorieren: Der BVF plädiert für eine angemessene Vergütung der Beratungsleistungen durch Ärztinnen und Ärzte. Nur wenn ausreichend Zeit und Ressourcen für Aufklärung und Impfberatung vorhanden sind, können Impfquoten effektiv gesteigert und Patienten sowie Erziehungsberechtigte umfassend informiert werden.
„Wir müssen endlich dahin kommen, dass HPV Schutz nicht nur Thema für einen Awareness Monat ist, sondern tägliche politische und gesellschaftliche Realität – für die Gesundheit der aktuellen wie der nächsten Generation“, erklärt Dr. Nicole Mattern, Vorstandsmitglied des BVF.
Quellen und weitere Informationen:
(1) Robert Koch Institut: Epidemiologisches Bulletin 50/2024
(2) Nationale Lenkungsgruppe Impfen: Nationales Konzept zur Förderung der Impfaufklärung und der HPV-Impfquoten
(3) Kampagne Entschieden gegen Krebs
Quelle und Kontaktadresse:
Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF), Agnes Tzortzis, Leiter(in) Verbandskommunikation, Arnulfstr. 58, 80335 München, Telefon: 089 244466-129
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