Pressemitteilung | Bundesverband der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen e.V. (BLBS)
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BLBS, GEW und VBE zum Weltlehrertag 2007: Kein Schuldenabbau auf Kosten der Schule

(Berlin) - „Die Zusage der Politik, in den Schulen die Arbeits- und Lernbedingungen zu verbessern, muss endlich in die Tat umgesetzt werden.“ Darauf drangen am 4. Oktober BLBS, GEW und VBE, die drei deutschen Mitgliedsorganisationen der Education International (EI / Bildungsinternationale).

Die Bundesvorsitzenden Berthold Gehlert (BLBS), Ulrich Thöne (GEW) und Ludwig Eckinger (VBE) bekräftigten in Berlin auf ihrer Pressekonferenz aus Anlass des morgigen Weltlehrertages, ihre Organisationen werden den gemeinsamen Einsatz für mehr Bildungsgerechtigkeit, für eine höhere Qualität in Bildung und Erziehung und für bessere Bedingungen an den Schulen verstärken. Sie forderten die KMK und die Länder zu entschlossenem Handeln auf, denn mit ihrer Unterschrift unter die gemeinsamen Erklärungen mit den Lehrerorganisationen im Oktober 2000 sowie 2006 stünden die Bildungspolitiker der Länder im Wort.

Der Weltlehrertag 2007 steht unter dem Motto: „Bessere Arbeitsbedingungen für Lehrer – bessere Lernbedingungen für Schüler“.

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Nach Überzeugung des BLBS können bessere Arbeitsbedingungen für Lehrer und bessere Lernbedingungen für Schüler nur durch erhöhte Bildungsinvestitionen für die beruflichen Schulen erreicht werden, so Berthold Gehlert, Bundesvorsitzender des Bundesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen e.V. (BLBS).

Dabei geht es aber nicht nur um bessere Bezahlung von Lehrkräften, sondern auch um sachgerechte Investitionen in die Schulinfrastruktur, in die sachliche und räumliche Ausstattung der Schulen und nicht zuletzt um die notwendigen Maßnahmen, um qualifizierte Lehrkräfte für das Lehramt an beruflichen Schulen zu gewinnen.

Eine wesentliche Forderung besteht darin, den Lehrkräften an beruflichen Schulen genügend Zeit für fachliche und pädagogische Fortbildung einzuräumen. Dies kann wegen des großen Umfangs nicht zusätzlich zur vollen Unterrichtsaufgabe geschehen, sondern muss in die Unterrichtsverpflichtung eingerechnet werden.

Um weiterhin die hohe Professionalität des Lehrpersonals an beruflichen Schulen zu sichern, bedarf es Lehrer, die an Universitäten wissenschaftlich ausgebildet sind, und einer engen Verzahnung zwischen Fachdidaktik und Berufspädagogik in der Lehrerbildung.

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„Der Beruf des Lehrers muss attraktiver gestaltet werden“, sagte Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Dafür müssten beispielsweise die Arbeitsbedingungen verbessert und die Lehrerausbildung reformiert werden. Thöne wies darauf hin, dass laut der neuesten OECD-Zahlen in Deutschland für 100 ausscheidende Lehrkräfte nur 60 Nachwuchskräfte bereit stehen. „So werden wir die Akademikerquote, die dringend erhöht werden muss, nicht verbessern“, betonte der GEW-Vorsitzende. In diesem Zusammenhang mahnte er an, die brachliegenden Bildungsreserven besser zu nutzen. Dafür sei die Abkehr vom hochselektiven Schulwesen notwendig. „Wir brauchen die ‚eine Schule für alle Kinder’, ein integratives Schulsystem, das alle Schüler mitnimmt und keinen ausgrenzt“, unterstrich Thöne.

Der Gewerkschafter forderte die Arbeitgeber auf, in der nächsten Tarifrunde ihren Kurs der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte zu korrigieren. „In den vergangenen Jahren haben die Arbeitgeber die Arbeitszeiten verlängert, immer mehr Schüler in die Klassen gestopft, die Gehälter gekürzt und zunehmend unsichere Arbeitsverhältnisse geschaffen. Kein Wunder, dass die Zahl der jungen Menschen, die ein Lehramtsstudium begonnen haben, gesunken ist. Während der nächsten Tarifrunde können die Arbeitgeber unter Beweis stellen, dass sie ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung gerecht werden und künftigen Lehrkräften – in Kooperation mit den Gewerkschaften – ein attraktives Angebot schneidern“, sagte Thöne. „Jedes Dax-Unternehmen lockt hochqualifizierte Führungskräfte und kreative Köpfe mit guten Gehältern und Arbeitsbedingungen, die ihnen die Möglichkeit bieten, sich zu entfalten. Das sollte auch für den öffentlichen Dienst gelten.“ Zudem machte er sich für eine Reform der Lehrerbildung stark. Dabei könnten die Eckpunkte zur Lehrerausbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) Vorbildcharakter haben. NRW will die Gleichwertigkeit der Lehrämter etablieren.

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„Der Investitionsbegriff muss in Deutschland dringend zugunsten der Bildung neu bestimmt werden“, unterstrich Ludwig Eckinger, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). „Der VBE fordert die Neufassung des Grundgesetzartikels 115. Wir brauchen Investitionen in die Köpfe.“ Wenn diese Änderung gelänge, so Eckinger, wäre dies ein Quantensprung. Er forderte die Kommission „Föderalismusreform II“ auf, dementsprechend zu handeln: „Die auf der politischen Bühne gemachten Aussagen über Bildung als Investition in die Zukunft stehen in krassem Widerspruch zur Realität.“

Weiter erklärte der VBE-Bundesvorsitzende, die Politik des Schuldenabbaus in den Ländern müsse umgesteuert werden. Solange Ausgaben für Bildung und Erziehung eine Haushaltsbelastung seien, würden sie unter das Spardiktat der Finanzminister fallen. „Dieses Sparen wird für Deutschland immer teurer“, so Eckinger. Die Folgen seien Vergrößerung von Klassen, Zusammenstreichen von Förderangeboten, Akzeptanz von Unterrichtsausfall, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer.

Zweitens forderte der VBE-Bundesvorsitzende die Beteiligung Deutschlands an der OECD-Studie TALIS – „Lehrern und Lernen“, an der bisher 25 Länder teilnehmen. „Wir halten einen fairen wissenschaftlich fundierten internationalen Vergleich der Arbeits- und Ausbildungssituation von Lehrerinnen und Lehrern für unerlässlich“, bekräftigte Eckinger. In TALIS sehe der VBE eine gute Möglichkeit, Anstöße zur Stärkung des pädagogischen Auftrags unseres Berufsstandes zu erhalten. Eckinger kritisierte die Entscheidung der KMK von vor zwei Jahren, sich nicht an dieser OECD-Studie zu beteiligen. „Wer gute Schule wirklich will, muss die Lehrerbildung und die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten im Lehrerberuf in den Focus rücken. Gerade auf diesem Feld lässt die KMK aber die Zügel schleifen.“

Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen e.V. im Deutschen Beamtenbund (BLBS) Pressestelle Friedrichstr. 169-170, 10117 Berlin Telefon: (0228) 9579889, Telefax: (0228) 9579898

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