Pressemitteilung | Deutsches Komitee für UNICEF e.V.

Bleistifte statt Gewehre / UNICEF startet Demobilisierung von 5.000 Kindersoldaten in Afghanistan

(Köln) - UNICEF hat eine Kampagne zur systematischen Demobilisierung von Kindersoldaten in Afghanistan gestartet. Zusammen mit der UN-Mission für Afghanistan (UNAMA) und Nichtregierungsorganisationen sollen bis Ende 2004 rund 5.000 minderjährige Kämpfer wieder in ein ziviles Leben zurückgeführt werden. Anlässlich der heutigen Debatte im UN-Sicherheitsrat zur Lage von Kindern im Krieg ruft UNICEF die internationale Gemeinschaft auf, mehr Druck auf Kriegsparteien auszuüben, um die Rekrutierung von Kindern zu stoppen. Gleichzeitig müssen verstärkte Anstrengungen zur Demobilisierung und Wiedereingliederung von Kindersoldaten unternommen werden. Obwohl der Missbrauch von Kindern als Soldaten weltweit geächtet ist, zwingen Konfliktparteien in mindestens 18 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas Jungen und Mädchen weiter zum Kriegsdienst. Weltweit schätzt UNICEF die Zahl der Kindersoldaten auf 300.000.

„Der Missbrauch von Kindern als Soldaten ist eine der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen. Darüber hinaus sind Tausende Kinder, die nichts anderes gelernt haben als zu schießen, eine schwere Hypothek für jegliche Friedensbemühungen“, erklärte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Dietrich Garlichs.

In dem mehr als zwei Jahrzehnte dauernden Bürgerkrieg in Afghanistan setzten alle Kriegsparteien Kinder ein. Unmittelbar nach Ende der Kämpfe begann UNICEF in Absprache mit der Übergangsregierung einen Aktionsplan zur Demobilisierung und Wiedereingliederung der minderjährigen Kämpfer zu entwickeln. Jetzt wurden in den nordöstlichen Provinzen Badakshan, Baghlan, Bamyian, Kunduz und Takhar lokale Komitees eingerichtet, die die betroffenen Kinder registrieren. In der Provinz Kunduz sind bereits 90 Prozent der betroffenen Kinder erfasst. Das Programm richtet sich nicht nur an Kindersoldaten, sondern steht auch Flüchtlingskindern und Straßenkindern offen, die nie eine Chance hatten, die Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zu machen.

Bis Mitte vergangenen Jahres haben in Afghanistan viele ehemalige Kindersoldaten „spontan“ ihre Waffen abgegeben und versucht, nach Hause zurückzukehren. Doch die meisten haben große Probleme wieder im zivilen Leben Fuß zu fassen. Es fehlt vor allem an Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten und an psychologischer Hilfe. Vor dem Hintergrund der angespannten Sicherheitslage in Afghanistan besteht das Risiko, dass diese Kinder erneut von bewaffneten Gruppen rekrutiert werden.

Bis heute haben 115 Staaten das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zum Verbot des Kriegseinsatzes von Kindern unter 18 Jahren unterzeichnet. 67 Länder haben das Abkommen ratifiziert – darunter auch Afghanistan. Deutschland unterzeichnete das Dokument am 6. September 2000 – die Ratifizierung steht bis heute aus.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutsches Komitee für UNICEF e.V. Höninger Weg 104, 50969 Köln Telefon: 0221/936500, Telefax: 0221/93650279

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