Braunkohlentag 2026: Versorgungssicherheit und Transformation gemeinsam denken
(Köln) - Auf dem Braunkohlentag 2026 in Köln am vergangenen Donnerstag stand die Frage im Mittelpunkt, wie Deutschland seine Energieversorgung in einer Phase tiefgreifender Transformation sicher, bezahlbar und wettbewerbsfähig gestalten kann. Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften waren sich einig: Für das neue Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG), das den Bau neuer steuerbarer Kraftwerke und weiterer Kapazitäten sichern soll, braucht es schnelle politische Entscheidungen, verlässliche Rahmenbedingungen und einen klaren Blick auf die zukünftige Rolle gesicherter Energieversorgung. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz nur gemeinsam gedacht werden können.
Der Braunkohlentag zeigte auch, dass sich die Branche als aktiver Gestalter der Energiewende versteht, und intensiv an Lösungen für das zukünftige, klimaneutrale Energiesystem mitarbeitet. Geopolitische Verschiebungen, steigender globaler Energiebedarf und zunehmender Wettbewerbsdruck verdeutlichen die strategische Bedeutung einer resilienten Energie- und Rohstoffversorgung. Deutschland steht vor der Aufgabe, neue Partnerschaften zu entwickeln und gleichzeitig die eigene industrielle Basis zu stärken.
Höhepunkt der Veranstaltung war eine Paneldiskussion zur Lage der deutschen Wirtschaft mit dem DEBRIV-Vorstandsvorsitzenden Jörg Waniek, dem IGBCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis sowie Professor Justus Haucap, Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Mit Blick auf das Zusammenspiel von energieintensiver Industrie und Energieerzeugung betonte Vassiliadis: „Es droht, dass die energieintensive Industrie mit den aktuellen Energiepreisen nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Diese bedenkliche Entwicklung setzt unseren Standort massiv unter Druck und gefährdet reihenweise gute, tarifgebundene Arbeitsplätze in der Industrie.“ Dieses Szenario könnte früher oder später auch die Stromproduzenten treffen, sollte die Industrie als zentraler Kunde ausfallen. Daher brauche es jetzt eine kluge Infrastruktur-, Energie- und Industriepolitik, die gezielt Zusatzbelastungen in den Energiepreise senkt, so Vassiliadis weiter.
Haucap unterstrich, dass Deutschland insgesamt deutlich wettbewerbsfähiger werden müsse. Es könne nicht sein, dass Deutschland Stromexporte infolge negativer Preise teuer bezahle. „Reformen sind nicht immer angenehm und erscheinen kurzfristig unattraktiv. Für den langfristigen Erhalt unseres Wohlstands sind sie jedoch unabdingbar“, erklärte Haucap den rund 350 Gästen.
Auch die Braunkohleindustrie, die sich derzeit im Wandel befindet, spürt diesen Handlungsdruck. Waniek wies in der Diskussion daraufhin, dass auch bei einer möglichst erneuerbaren Energieversorgung noch immer gesicherte Leistungen notwendig seien, um das System im Bedarfsfall zu stabilisieren. „Auch in einer klimaneutralen Energieversorgung wird es dauerhaft Bedarf an verlässlichen Kapazitäten geben – von Speichern bis hin zu Gaskraftwerken. Dafür brauchen wir jetzt klare und investitionsfähige Rahmenbedingungen. Die Braunkohle übernimmt bis zum Ausstieg Verantwortung für die Versorgungssicherheit und gestaltet gleichzeitig aktiv den Strukturwandel mit.“
Ein weiterer Schwerpunkt lag vor dem Hintergrund der bergbaulich geprägten Branche auf der strategischen Bedeutung von Rohstoffen für die Energiewende und die technologische Souveränität Europas. Die Diskussion machte deutlich: Eine Stärkung der heimischen Rohstoffgewinnung und -verarbeitung kann Deutschland in zentralen Zukunftstechnologien unabhängiger und resilienter gegenüber Importabhängigkeiten machen. Voraussetzung dafür sind gesellschaftliche Akzeptanz, beschleunigte Verfahren und qualifizierter Nachwuchs.
Quelle und Kontaktadresse:
DEBRIV e.V. - DEutscher BRaunkohlen-Industrie-Verein - Standort Berlin, Saskia Schimann, Pressesprecher(in), Am Schillertheater 4, 10625 Berlin, Telefon: 030 315182-22
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