BVF unterstützt One Billion Rising 2026: Prävention von Gewalt beginnt in der Frauenarztpraxis
(München) - Anlässlich der weltweiten Bewegung One Billion Rising am 14. Februar 2026 macht der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) auf die zentrale Rolle von Frauenarztpraxen als erste und sichere Anlaufstelle für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen aufmerksam. Unter dem Motto „Women on Fire – Ni una menos“ setzt die Bewegung ein Zeichen gegen patriarchale Gewalt und ruft dazu auf, die Ursachen von Gewalt zu erkennen, zu benennen und zu bekämpfen. Der BVF unterstützt die Forderung und betont: Frauen erhalten in ihrer Frauenarztpraxis Hilfe und Unterstützung, ohne unter Druck gesetzt zu werden.
Weltweit erlebt fast jede dritte Frau in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt, das sind rund eine Milliarde Frauen und Mädchen (1). Viele Betroffene zögern, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, oft aus Angst, zu einer Anzeige gedrängt zu werden. Denn Gewalt an Frauen wird häufig im eigenen Zuhause verübt. In vielen Fällen bestehen Abhängigkeiten, wie beispielsweise gemeinsame Kinder oder finanzielle Bindungen. Sich aus diesen Abhängigkeiten zu lösen, ist für viele Betroffene mit großen emotionalen, sozialen und finanziellen Belastungen verbunden. Die regelmäßigen Vorsorgetermine in der Frauenarztpraxis bieten die Gelegenheit, frühzeitig in einem sicheren Umfeld Unterstützung zu erhalten. Frauenärztinnen und Frauenärzte sind leicht erreichbar und genießen durch die Schweigepflicht ein hohes Vertrauen. Sie spielen damit eine entscheidende Rolle, körperliche oder sexuelle Gewalt zu erkennen und Hilfe anzubieten.
„Es ist wichtig, dass Frauen und Mädchen wissen, dass sie in ihrer Frauenarztpraxis Hilfe finden können und dort in ihrer Entscheidung, Hilfe in Anspruch zu nehmen, unterstützt werden – auch wenn Sie sich erstmal gegen konkrete Maßnahmen entscheiden“, sagt Dr. Cornelia Hösemann, 3. BVF-Vorsitzende und Mitglied der Kommission Häusliche Gewalt der Sächsischen Landesärztekammer.
Frauenärztinnen und Frauenärzte helfen, ohne unter Druck zu setzen
Zu ihrer Frauenarztpraxis haben Betroffene ein vertrauensvolles Verhältnis, dort können sie sich informieren, ohne unter Druck gesetzt zu werden:
• Die Frauenärztin oder der Frauenarzt und das Praxispersonal sprechen behutsam mit der betroffenen Frau über ihre Situation und können die Art der Gewalt, akute Gefahr und gesundheitliche Folgen abklären.
• Verletzungen werden behandelt und gegebenenfalls medizinische Untersuchungen durchgeführt.
• Die Frauenarztpraxis informiert über mögliche Hilfsangebote wie Frauenhäuser oder Beratungsstellen für häusliche Gewalt und vermittelt an Interventionsstellen oder Frauennotrufe.
• Alles, was in der Praxis besprochen wird, unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. Die Patientin entscheidet selbst, ob sie weitere Schritte unternimmt.
• Auf Wunsch kann die Praxis direkt Kontakte zu spezialisierten Beratungsstellen herstellen oder Termine vereinbaren.
• Frauenärztinnen und -ärzte dürfen – mit Einwilligung der Betroffenen – Befunde dokumentieren, die helfen können, sollte sich die Betroffene später für eine Anzeige entscheiden.
• Daneben gibt es die vertrauliche Spurensicherung (VSS), bei der Beweise vertraulich und ohne sofortige Anzeige gesichert werden. Eine Übersicht an Anlaufstellen gibt es hier: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/vertrauliche-spurensicherung.html
Gewalterfahrungen haben langfristige Auswirkungen auf die körperliche und seelische Gesundheit von Frauen und Mädchen
Gewalterfahrungen haben langfristige Auswirkungen auf die körperliche und seelische Gesundheit von Frauen und Mädchen. Dazu zählen akute Verletzungen, die in der Frauenarztpraxis erkannt und behandelt werden. Zudem beraten und begleiten Frauenärztinnen und -ärzte Betroffene bei den Folgen körperlicher und sexueller Gewalt, etwa bei chronischen Unterbauchschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, sexuellen Funktionsstörungen, wiederkehrenden Infektionen, Narbenbildung im Intimbereich oder einer verminderten Empfindungsfähigkeit.
Auch bei psychischen Belastungen wie Angststörungen, Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) leisten sie einen wichtigen Beitrag, indem sie an geeignete psychologische und unterstützende Hilfsangebote vermitteln.
„Frauenärztinnen und Frauenärzte sind die erste Anlaufstelle für von Gewalt betroffene Frauen. Als vertrauensvolle Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner kennen und begleiten wir unsere Patientinnen in der Regel über einen langen Zeitraum und können körperliche und psychische Veränderungen erkennen und sensibel ansprechen. In der Frauenarztpraxis nehmen wir Gewalterfahrungen ernst, hören zu und vermitteln Unterstützung“, betont Dr. Cornelia Hösemann.
Neue Leitlinie zur Versorgung nach sexualisierter Gewalt
Um die Versorgung von betroffenen Frauen weiter zu verbessern, hat das Fachgebiet im Januar 2026 seine Handlungsempfehlungen aktualisiert (2). Die neue AWMF-Leitlinie zur medizinischen Versorgung nach sexualisierter Gewalt soll sicherstellen, dass Frauen bundesweit eine fachgerechte, traumasensible und rechtssichere Versorgung erhalten.
Bundesweites Hilfetelefon
Betroffene, Personen aus deren sozialem Umfeld und Fachkräfte können sich zusätzlich an das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (https://www.hilfetelefon.de/) unter 116 016 wenden. Die Telefonnummer ist vertraulich, kostenfrei und bietet rund um die Uhr barrierefreie und anonyme Beratung auf Deutsch und 18 Fremdsprachen an.
Quellen und weitere Informationen:
(1) https://www.onebillionrising.de/
(2) https://www.bvf.de/aktuelles-presse/pressemitteilungen/meldung/medizinische-versorgung-nach-sexualisierter-gewalt-neue-leitlinie-staerkt-frauenversorgung-nach-sexualisierter-gewalterfahrung/
Quelle und Kontaktadresse:
Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF), Agnes Tzortzis, Leiter(in) Verbandskommunikation, Arnulfstr. 58, 80335 München, Telefon: 089 244466-129
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