BVR: Leitzins früher und stärker erhöhen als bislang erwartet / Immobilienpreise sollten stärker ins Blickfeld der EZB rücken
(Berlin) - Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte den Leitzins früher und stärker erhöhen, als es derzeit an den Märkten erwartet wird. Dies ist Ergebnis einer Studie des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zum Umgang mit Preisblasen an Vermögensmärkten. Zum Jahresende sei ein Zinssatz von 3,5 Prozent angemessen, sofern sich die Belebung der Binnennachfrage fortsetzen und das Wirtschaftswachstum in 2006 das Produktionspotential von rund 2 Prozent erreichen sollte. Die Geldpolitik würde damit die Übertreibungen an den Immobilienmärkten mancher Länder des Euroraums nicht mehr verstärken, gleichzeitig aber auch nicht kontraktiv auf die Wirtschaftstätigkeit wirken.
Boomende Immobilienmärkte auch Folge der lockeren Geldpolitik
Vieles spricht aus Sicht des BVR dafür, dass sich in mehreren Ländern des Euroraums eine Preisblase aufbaut. Vor allem in Finnland, Frankreich, Irland, den Niederlanden und Spanien sind seit Jahren kräftige Erhöhungen der Preise für Wohnimmobilien zu beobachten. Die boomenden Immobilienmärkte seien nicht zuletzt Folge der lockeren Geldpolitik der EZB der vergangenen Jahre, so der BVR. Mit niedrigen Zinsen und einer reichlichen Liquiditätsversorgung habe sie dem Immobilienpreisboom Nahrung gegeben. Auch nach der jüngsten Zinserhöhung der EZB im Dezember um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent befände sich der Leitzins noch auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau.
In den vergangenen Jahren habe die EZB zu Recht darauf verzichtet, durch eine geldpolitische Straffung der Hauspreisinflation entgegen zu wirken. Angesichts der nur zögerlichen konjunkturellen Erholung und der nur schwachen Binnennachfrage hätte eine Erhöhung der Leitzinsen die noch fragile Erholung gefährden können. In den letzten Monaten habe sich die konjunkturelle Lage aber spürbar gebessert. Nicht nur habe sich die Wachstumsrate erhöht, auch werde die Erholung nicht mehr überwiegend von der Außenwirtschaft getragen, sondern erfolge im Wesentlichen aus eigener Kraft. Daher sollte die Immobilienpreisentwicklung bei der Zinssetzung der EZB jetzt stärker ins Blickfeld rücken.
Eigenständige Rolle für Vermögenspreise in der Geldpolitik
In seiner Studie empfiehlt der BVR, Vermögenspreisen eine eigenständige Rolle in der Geldpolitik zuzuweisen. Es reiche nicht, wenn die Geldpolitik sich darauf beschränke, die inflatorischen Wirkungen von Vermögenspreissteigerungen in ihren Prognosemodellen zu berücksichtigen. Die Vorhersagen der Notenbanken seien üblicherweise auf einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren beschränkt. Es bestünde die Gefahr, dass die Geldpolitik zu kurz greife, wenn sie die zeitlich weiter entfernten Wirkungen von Preisblasen nicht berücksichtige. Die Erfahrung zeige zudem, dass Vermögenspreisblasen nicht immer mit einem nennenswerten Anstieg der Inflation verbunden gewesen seien. Eine Sonderrolle für Vermögenspreise in der geldpolitischen Strategie bedeute aber nicht, dass diese ein eigenständiges geldpolitisches Ziel einnehmen sollten.
Kein geldpolitischer Automatismus
Die Möglichkeiten der Geldpolitik, Vermögenspreisblasen wirksam zu bekämpfen, dürfen nach Ansicht des BVR aber auch nicht überschätzt werden. Ein Automatismus oder ein regelgebundenes Handeln wären allein schon aufgrund der Komplexität der Wirkungszusammenhänge der falsche Weg. Auch würde die Geldpolitik damit Erwartungen wecken, die sie nicht erfüllen kann.
So sei eine Strategie des Gegen-den-Wind-Lehnens nur dann die richtige Reaktion auf eine Vermögenspreisblase, wenn diese sich noch nicht in einem fortgeschrittenen Stadium befinde. Stehe eine Blase kurz vor dem Platzen, so könne sogar eine Absenkung des Leitzinses sinnvoll sein, um den zu erwartenden Wirtschaftsabschwung nach dem Platzen der Blase abzufedern.
Im Falle des aktuellen Immobilienbooms befinde sich die Blase zwar in einem fortgeschrittenen Stadium. Die Geldpolitik müsse nach Ansicht des BVR aber zumindest insoweit gestrafft werden, dass sie den Preisanstieg nicht durch Niedrigzinsen weiter fördere. Das Geldmengenwachstum im Euroraum überschreite seit mehr als fünf Jahren den Referenzwert der EZB. Die überschüssige Liquidität, gemessen über die so genannte reale Geldlücke, habe inzwischen ein Volumen von gut 9 Prozent der Geldmenge M3 erreicht.
Das Kreditwachstum im Euroraum befände sich derzeit mit einer Rate von knapp 9 Prozent auf dem höchsten Niveau seit mehr als fünf Jahren, so der BVR.
Quelle und Kontaktadresse:
BVR Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V., Hauptgeschäftsstelle
Melanie Schmergal, Pressesprecherin
Schellingstr. 4, 10785 Berlin
Telefon: (030) 20210, Telefax: (030) 20211900
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