Energetische Sanierung von Wohngebäuden: Muss man „Dämmen bis ultimo“?
(Berlin) - Die energetische Sanierung von Wohnimmobilien muss nicht nur technisch umsetzbar, sondern auch wirtschaftlich und sozial vertretbar sein. Zu diesem Ergebnis kamen die rund 150 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung beim 4. Wohnungspolitischen Abend am Mittwoch (15. Oktober 2008) in Berlin. Unter dem Motto „Dämmen bis ultimo?“ wurde über Chancen und Grenzen von Energiesparmaßnahmen im Gebäudebestand diskutiert, denn immerhin entfallen 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs auf den Gebäudebereich. Veranstalter waren das nordrhein-westfälische Ministerium für Bauen und Verkehr und der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW).
„Die Kernfrage ist, ob wir flächendeckend energetische Bestandsinvestitionen forcieren wollen oder konzentriert“, sagte Bauminister Oliver Wittke. Es sei verbranntes Geld, sämtliche Wohnungen voraussetzungslos energetisch zu optimieren, selbst dann, wenn sie der Nachfrage nicht entsprechen. „Die vorbildlich sanierte Wohnung nutzt nichts, wenn sie von den Bewohnern nicht akzeptiert wird – sei es, weil sie zu teuer ist oder aber, weil die Rahmenbedingungen und das Wohnumfeld nicht stimmen“, erklärte Wittke. Gefordert seien Strategien, um Bestände und Quartiere umfassend zu erneuern. Dafür könnten auch Abriss und Neubau von Wohnraum wichtige Bausteine sein. Keinesfalls dürfe es aber eine Konkurrenz der Förderprogramme geben. So sei eine KfW-Förderung des Bundes für „Seniorengerechtes Wohnen“ ab 2009 zwar zu begrüßen. Kritisch sei jedoch, dass sie zu Lasten des CO2-Gebäudesanierungsprogramms finanziert werden solle.
„Das Regulierungstempo mit immer weiter steigenden energetischen Anforderungen – wie sie bislang die Politik nicht einmal der Automobilbranche zugemutet hat – kann zu einem Investitionsstau führen“, erklärte BFW-Präsident Walter Rasch. Man könne keine Investitionen auslösen, wenn man bereits jetzt wisse, dass die EnEV schon in wenigen Jahren weiter verschärft werde. Dies sei politischer Unsinn, weil man sich ständig selbst überholen wolle. Zudem zeichne sich bereits jetzt ab, dass eine energetische Sanierung von Gebäudehülle, Fenstern und Heizung vielfach nicht wirtschaftlich sei. So müsste bei einem Mehrfamilienhaus der Mieter nach einer energetischen Sanierung rund einen Euro pro qm Wohnfläche zusätzlich tragen, während die Heizkosteneinsparung im besten Fall 80 Cent betrüge und sich die Investitionen für Eigentümer häufig erst nach rund 15 Jahren Vollvermietung rechneten, so Rasch weiter. Um einen Investitionsstau zu verhindern, müsse die Politik neben der staatlichen Förderpolitik perspektivisch auch über steuerliche Anreize wie eine Umwelt-AfA und eine teilweise Korrektur des Mietrechts nachdenken.
Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V. (BFW)
Pressestelle
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