Pressemitteilung | Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V. (BVE)
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Ernährungsindustrie kritisiert Fehlentwicklungen der Ernährungspolitik in Europa

(Berlin) - Das zunehmende Übergewicht insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist ein überaus ernstzunehmendes gesundheitspolitisches Problem. Die Europäische Kommission schätzt, dass über 200 Millionen Erwachsene in der EU übergewichtig oder sogar krankhaft übergewichtig sind. Das ist mehr als die Hälfte der Erwachsenen überhaupt. Ein Viertel der europäischen Schüler gelten als übergewichtig oder adipös, und diese Zahl wächst jedes Jahr um 400.000. In Deutschland sind 15% der Kinder und Jugendlichen übergewichtig, dies zeigen die kürzlich veröffentlichen ersten Ergebnisse des repräsentativen Kinder- und Jugendsurveys.

Übergewicht ist ein gesamtgesellschaftliches, ein multikausales Problem, das auf drastische Veränderungen im Lebensstil zurückzuführen ist. Ein deutlicher Rückgang der Alltagsbewegung ist die Hauptursache. „Wenig Bewegung“ auf der einen Seite steht ein allseits verfügbares und preiswertes Angebot an Lebensmitteln, Speisen und Getränken gegenüber. „Input“ und „Output“ von Energie sind aus der Balance geraten. Die Problematik ist bei bestimmten Bevölkerungsgruppen, zu denen bildungsferne Schichten und Migranten gehören, besonders ausgeprägt.

Zur Lösung des Problems muss an den Ursachen des veränderten aktivitätsarmen Lebensstils ansetzt werden. Sie liegen in der familiären Situation (wenig Vorbilder, keine gemeinsamen Mahlzeiten), ebenso wie im bewegungsarmen „Alltag“ (Schulbus), im oftmals unzureichenden Angebot an Sportunterricht in der Schule und auch in der geänderten Freizeitgestaltung (Fernsehen, Computer statt „Spiel und Sport“). Bildung ist – wie für viele andere gesellschaftliche Probleme – ein entscheidender Schlüssel für die Lösung.

Die Ernährungsindustrie hat sich früh der Problematik gestellt. Viele Unternehmen - unterstützen Initiativen, die Kinder und Erzieher frühzeitig an die Themen „Ernährung“ und „Bewegung“ heranzuführen.

- helfen Schulen beim Schulsport.
- stellen Information für Verbraucher bereit.
- entwickeln bedarfsangepasste Lebensmittel, die es erleichtern, sich kalorienärmer zu ernähren.
- fördern wissenschaftliche Projekte.

Mit auf Initiative der Ernährungsindustrie hin ist die „Plattform Ernährung und Bewegung – peb“ vor zwei Jahren gegründet worden. Dort engagieren sich neben der Bundesregierung, der Wissenschaft, dem Bundeselternrat, den Krankenkassen, der Gewerkschaft NGG, die Ernährungsindustrie und die gesamte Lebensmittelwirtschaft mit Verbänden und Unternehmen. Die Plattform verfolgt einen gesamtgesellschaftlichen, edukativen Ansatz. Sie setzt auf Prävention, sie fördert die Kompetenz und die Eigenverantwortung von Eltern und Kindern für einen gesunden Lebensstil.

Die Ernährungsindustrie sieht darin den richtigen Weg; er erfordert einen langen Atem, er ist nicht spektakulär, langfristig aber Erfolg versprechend. Für einen nachhaltigen Erfolg dieses richtigen Ansatzes ist auch ein starkes Engagement der Politik in Bund und Ländern erforderlich. Wir begrüßen daher sehr, dass sich CDU/CSU und SPD im Koalitionsvertrag ausdrücklich für eine Unterstützung der Plattform stark gemacht haben; wir bedauern hingegen, dass bisher nur Bayern und Nordrhein-Westfalen Mitglied der Plattform sind, notwendig ist eine flächendeckende Unterstützung der Bundesländer; warum diese bisher unterblieben ist, ist gerade auch im Hinblick auf die Diskussion um die nicht mehr bezahlbaren Kosten im Gesundheitswesen unverständlich.

Mit großer Sorge betrachten wir Entwicklungen auf europäischer Ebene. Mitte November soll anlässlich einer Ministerkonferenz des Regionalbüros der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Istanbul eine „Charta gegen das Übergewicht“ verabschiedet werden. Inhaltlich fokussiert sich diese Charta primär auf Lebensmittel. Angebot und Nachfrage sollen durch Reglementierung gelenkt werden. Die Bewerbung und damit die Vermarktung von Lebensmitteln soll eingeschränkt werden. Mittels Steuern bzw. Subventionen sollen „schlechte“ Produkte verteuert und „gute“ verbilligt werden. Nicht zuletzt soll auf die Zusammensetzung von Lebensmitteln (Reduktion von Fett, Zucker und Salz) Einfluss genommen werden. Ziel der Kampagne ist es, den Mitgliedstaaten ein umfangreiches Instrumentarium an die Hand zu geben, um mit weitgehenden Eingriffen in den Markt gegen das Übergewicht anzukämpfen.

Die Ernährungsindustrie lehnt dieses Vorgehen aus mehreren Gründen ab:

1. Es gibt keine wissenschaftlich belegte Kausalität zwischen Werbung und Übergewicht.

2. Forderungen nach einer „Reformulierung“ von Produkten lassen ein fragwürdiges ordnungspolitisches Verständnis erkennen. Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Lebensmitteln sind die ureigenste Angelegenheit jeden einzelnen Unternehmens. Darin darf sich der Staat nicht einmischen. Die Gestaltung der Produkte muss vielmehr dem Markt überlassen bleiben. Nicht zuletzt hat die Diskussion um das Übergewicht eine noch größere Vielfalt an Produkten mit unterschiedlichem Energie- und Nährstoffgehalt in unterschiedlichen Packungsgrößen im Markt hervorgebracht.

3. Der Staat sollte sich der steuerpolitischen Lenkung enthalten; damit lassen sich Änderungen im Ernährungsverhalten nicht erzielen; letztlich werden einkommensschwache Schichten nur weiter belastet. Diese „Symbolpolitik“ wird keinen nennenswerten Beitrag zur Lösung der Problematik leisten. Sie wird in der Öffentlichkeit nicht erfüllbare Erwartungen wecken. Sie wird mit ihren nicht akzeptablen Eingriffen in den Markt die Wirtschaft stark belasten. Dies gilt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen; diese prägen nach wie vor unsere sehr vielfältige Lebensmittelwirtschaft in Deutschland.

Auch die EU ist vor derartigen Überlegungen zur Reglementierung nicht gefeit. Sie scheint darüber hinaus mit Kennzeichnungsanforderungen zu sympathisieren, die dem Verbraucher auf den ersten Blick signalisieren sollen, ob ein Produkt „gut“, „weniger gut“ oder „schlecht“ ist. Ein entsprechendes „Ampelsystem“ wird derzeit in England propagiert; Kriterien sind der Gehalt an Fett, Zucker und Salz. Durch eine rote, gelbe oder grüne Ampel soll dem Verbraucher die Sicherheit gegeben werden, sich richtig zu ernähren. Dies ist nichts als eine Scheinlösung; sie lässt außer Acht, dass es auf das Ernährungsverhalten und den Lebensstil insgesamt ankommt.

Darüber hinaus führt diese Bevormundung letztlich zu einer Entmündigung des Verbrauchers. Er wird in seiner Fähigkeit, eigenverantwortliche Entscheidungen für sich zu treffen, nicht ernst genommen.

Die Ernährungsindustrie nimmt ihre Verantwortung bei der Lösung der Übergewichtsproblematik wahr; sie unterstützt eine Vielzahl von Maßnahmen, die an den vielfältigen Ursachen des Phänomens ansetzen. Sie lehnt staatliche Eingriffe in den Markt ebenso ab, wie simplifizierende Ansätze, die die Produkte als „gut“ und „schlecht“ kennzeichnen.

Unserer Auffassung nach kann das Problem „Übergewicht“ nicht durch Gesetze, sondern nur durch Aufklärung, Bildung und Hilfestellung für die Menschen langfristig gelöst werden.

Quelle und Kontaktadresse:
Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V. (BVE), Haus der Land- und Ernährungswirtschaft Dr. Sabine Eichner Lisboa, Geschäftsführerin, Öffentlichkeitsarbeit, Wirtschaftspolitik Claire-Waldoff-Str. 7, 10117 Berlin Telefon: (030) 200786-0, Telefax: (030) 200786-299

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