Erntegut-Bescheinigung in der Praxis angekommen
(Bonn) - Politisch diskutiert, aber praktisch etabliert: Eine repräsentative Umfrage unter 610 Landwirtinnen und Landwirten zeigt, dass die Betriebe mit der Erntegut-Bescheinigung (EBS) weitgehend klarkommen. Für insgesamt 70 Prozent der Befragten ist die EBS der primäre Nachweis der rechtmäßigen Erzeugung des Ernteguts in der Vermarktung. Eine im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP) durchgeführte Umfrage zeigt dabei regionale Unterschiede: Während in Ostdeutschland 82 Prozent der Betriebe die EBS als primären Nachweis abgeben, sind es in der Region Nord 72 Prozent und in der Region Süd 54 Prozent.
„Die EBS etabliert sich zunehmend in der Praxis“, sagte Dr. Moritz von Köckritz, Geschäftsführer der Saatgut-Treuhandverwaltungs GmbH (STV), während einer gemeinsamen Online-Pressekonferenz von BDP und STV. Im Jahr 2025 wurden nach Angaben der STV bereits 45 Prozent der deutschen Gesamtanbauflächen für Getreide, Kartoffeln und Leguminosen durch Vorlage einer EBS vermarktet. Auch in der Nachbauerfassung sieht die STV eine positive Entwicklung. „Bei Kartoffeln beispielsweise steigerte sich die erfasste Menge seit 2023 von rund 19 auf 26 Prozent“, so von Köckritz. „Das bestätigt sich auch dadurch, dass viele Landwirtinnen und Landwirte ein Konto bei der STV neu eingerichtet und erstmals Nachbau gemeldet haben.“
Seit der Einführung der Erntegut-Bescheinigung wurde das System von der STV im kontinuierlichen Austausch mit Landwirtschaft, Handel und Verbänden konsequent weiterentwickelt. Die wichtigste Vereinfachung betrifft Landwirtinnen und Landwirte, die ausschließlich zertifiziertes Saat- oder Pflanzgut verwenden. Sie führen unter www.erntegut-bescheinigung.de lediglich die jeweilige Anbaufläche pro Fruchtart und die verwendete Menge an zertifiziertem Saat- oder Pflanzgut auf. Hinzu kommen weitere, neu eingerichtete technische Hilfen für Landwirtschaft und Handel.
Auch das Sortenangebot der Pflanzenzüchtung wird von der landwirtschaftlichen Praxis positiv bewertet. Insgesamt 70 Prozent der Befragten sind mit der Auswahl an Sorten zufrieden oder sehr zufrieden. Nur 5 Prozent sind mit dem Angebot unzufrieden oder sehr unzufrieden. Bei den wichtigsten Faktoren für die Sortenwahl nennen 76 Prozent der Befragten Krankheitsresistenz, 75 Prozent Ertragspotenzial und 74 Prozent die Anpassung an den Standort. Der Saatgutpreis spielt mit 13 Prozent insgesamt eine deutlich geringere Rolle.
„Dass die Landwirtschaft das Sortenangebot so positiv bewertet, ist für unsere Branche ein starkes Ergebnis“, sagte Stephanie Franck, Vorsitzende des BDP. „Bemerkenswert ist auch, worauf Landwirtinnen und Landwirte bei der Sortenwahl achten: Krankheitsresistenz, Ertragspotenzial und Standortanpassung liegen fast gleichauf an der Spitze. Das zeigt, dass die Züchtungsziele der Unternehmen sehr nah an den Anforderungen der Praxis sind.“
Die Umfrage zeigt zugleich, dass der tatsächliche Aufwand hinter neuen Sorten vielfach noch unterschätzt wird. „Neue Sorten entstehen nicht in wenigen Jahren. Die Entwicklung dauert in der Regel 10 bis 15 Jahre und erfordert hohe Investitionen. Gerade deshalb braucht Pflanzenzüchtung verlässliche Rahmenbedingungen und einen wirksamen Schutz geistigen Eigentums. Nur so kann weiterhin ausreichend in die Entwicklung neuer Sorten investiert werden“, fordert Franck.
Hintergrund zur Umfrage
Die repräsentative Erhebung wurde im März 2026 vom Marktforschungsunternehmen Kynetec telefonisch und online durchgeführt. Befragt wurden 610 Landwirtinnen und Landwirte, die Getreide, Leguminosen oder Kartoffeln anbauen. Die Stichprobe wurde nach Regionen und Betriebsgrößen quotiert, um eine hohe Repräsentativität der landwirtschaftlichen Strukturen in Deutschland sicherzustellen.
Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e.V. (BDP), Ulrike Amoruso-Eickhorn, Teamleiter(in) Geschäftsführung, Kaufmannstr. 71-73, 53115 Bonn, Telefon: 0228 9858110
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