Pressemitteilung | Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF)
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Frauenärztinnen und Frauenärzte im Primärarztsystem als Lotsen verankern und Direktzugang sichern

(München) - Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) unterstützt die Ziele einer Reform der ambulanten Versorgung: bessere Orientierung für Patientinnen und Patienten, klare Navigation in die passende Versorgungsebene und weniger vermeidbare Arztkontakte. Angesichts des demografischen Wandels und Fachkräftemangels ist ein modernes, effizient koordiniertes System richtig, aber nur dann praxistauglich, wenn es die Versorgungspfade so gestaltet, wie sie im Alltag bereits funktionieren.

Frauenärztinnen und Frauenärzte sind für Mädchen und Frauen und damit für rund die Hälfte der Bevölkerung in vielen Lebensphasen die erste und dauerhaft verlässliche Anlaufstelle. Die frauenärztliche Praxis begleitet Patientinnen oft über Jahrzehnte, von der Pubertät bis ins Alter. Sie versorgen Mädchen und Frauen in zentralen Bereichen der Prävention und tragen hier den Hauptanteil der Versorgung: 99,7 % der allgemeinen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen bei Frauen wurden 2021 in gynäkologischen Praxen durchgeführt. (1)

„Ein kluges Primärarztsystem stärkt nicht nur Haus- und Kinderarztpraxen, sondern nutzt auch die bewährten primärärztlichen Strukturen in der ambulanten Frauenheilkunde. „Wenn Patientinnen über Umwege gesteuert werden, verlieren wir Zeit für eine akute frauenärztliche Diagnostik und Therapie und es kommt womöglich zu nicht relevanten, teuren vorgeschalteten diagnostischen Untersuchungen“, sagt Markus Haist, 2. Vorsitzender des BVF.

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht in ihren Positionen zur Patientensteuerung eine Steuerung in der ambulanten Regelversorgung durch Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte sowie ausdrücklich auch den Frauenärzten vor. (2)

Primärärztliche Versorgung ist Teamarbeit, die Verantwortung bleibt ärztlich

Der BVF begrüßt interprofessionelle Teamstrukturen. Primärärztliche Versorgung gelingt im Team, aber mit klaren Verantwortlichkeiten: Indikationsstellung, Priorisierung, Diagnostik und Therapieentscheidung sowie die medizinische Gesamtkoordination müssen ärztlich verantwortet sein. Nichtärztliche Professionen sind dabei unverzichtbare Partnerinnen und Partner und arbeiten im Rahmen klar definierter Delegation. Die ärztliche Verantwortung kann dadurch nicht ersetzt werden. Eine primärärztliche Versorgung darf dabei nicht zu einer Versorgung mit abgesenktem ärztlichem Standard führen.

Forderungen des BVF

Damit Patientinnensteuerung funktioniert, ohne neue Hürden zu schaffen, benennt der BVF Anforderungen an die Ausgestaltung der primärärztlichen Versorgung:
• Frauenärztliche Praxen als primärärztliche Anlaufstelle für Mädchen und Frauen ausdrücklich verankern und als strukturierten Bestandteil der Regelversorgung ausgestalten.
• Einbindung der frauenärztlichen Praxis in die Lotsen und Steuerungslogik: wo sinnvoll, koordinierende Weiterleitung in andere Fachgebiete.
• Niedrigschwelligen Direktzugang zur frauenärztlichen Praxis sichern: insbesondere für Beratung Empfängnisregelung, Schwangerschaftsvorsorge, Prävention, (HPV)-Impfungen, onkologische Nachsorge etc.
• Klare Rollenverteilung und Verantwortlichkeiten: Interprofessionelle Teams sind zu stärken, die ärztliche Leitung mit definierter medizinischer Gesamtverantwortung jedoch verbindlich festschreiben.

„Wer Versorgung wirklich patientenzentriert denkt, muss akzeptieren: Für viele Mädchen und Frauen ist die frauenärztliche Praxis der Ort, an dem Prävention stattfindet, Risiken früh erkannt werden und medizinische Entscheidungen über Lebensphasen hinweg eingeordnet werden können. Diese Lotsen- und Steuerungsfunktion ist ein Versorgungsstabilisator, kein Sonderfall“, so Dr. Rolf Englisch, Beisitzer im Vorstand des BVF.

Der BVF steht für den Dialog bereit und wird den Fachprozess konstruktiv begleiten, mit dem Ziel, Steuerung praxistauglich zu gestalten und Versorgungspfade für Patientinnen ohne zusätzliche Schleifen schneller, sicherer und verlässlicher zu machen.

Quellen und weitere Informationen:

(1) Inanspruchnahme von Früherkennungsleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung durch AOK-Versicherte im Erwachsenenalter
(2) AMBULANT PASSGENAU VERSORGT. KBV - Positionen und Vorschläge zur Patientensteuerung in der Notfall-, Akut- und Regelversorgung

Quelle und Kontaktadresse:
Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF), Agnes Tzortzis, Leiter(in) Verbandskommunikation, Arnulfstr. 58, 80335 München, Telefon: 089 244466-129

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