Gabriel stellt Beimischungsquote von Ethanol in Frage / Täuschungsmanöver von Industrie und Regierung fliegt auf / Keine Anrechnung von Agrosprit beim CO2-Grenzwert!
(Berlin) - Angesichts der anhaltenden Unklarheiten über die Verträglichkeit von Ethanol aus Agrarprodukten im Pkw-Treibstoff bekräftigt der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) seine Forderung, Agrokraftstoffe beim künftigen CO2-Grenzwert für Neufahrzeuge auf keinen Fall anzurechnen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hatte gestern (1. April 2008) in einem Zeitungsinterview angekündigt, die Verordnung zur Beimischung von zehn Prozent Agrokraftstoffen zum herkömmlichen Sprit auszusetzen, falls mehr als eine Million Altautos dieses Gemisch nicht vertrügen.
Es sind viel zu viele Minus- und Fragezeichen, die sich um den Treibstoff vom Acker sammeln: ökologische und soziale Folgeprobleme bei der Produktion, meist nur geringe Vorteile in der Klimabilanz gegenüber herkömmlichem Kraftstoff und keine klaren Aussagen der Autoindustrie über die Verträglichkeit von Ethanol in älteren Fahrzeugen. Das sind ausreichend Gründe für die Bundesregierung, sich jetzt von der so genannten Biokraftstoffstrategie zu verabschieden. Zudem muss auch die EU bei der Ausgestaltung ihrer Verordnung über den CO2-Grenzwert entsprechende Konsequenzen ziehen", erklärt Hermann-Josef Vogt vom VCD-Bundesvorstand.
Die Bundesregierung habe in Brüssel durch gemeinsame Interventionen mit den Autoherstellern erreicht, dass bei dem für 2012 anvisierten CO2-Grenzwert für Neufahrzeuge von 120 Gramm pro Kilometer immerhin zehn Gramm durch Maßnahmen wie Leichtlaufreifen und vor allem die Beimischung von Agrosprit eingespart werden können sollen. Damit wollte insbesondere die deutsche Autoindustrie allzu große Anstrengungen bei der Effizienzsteigerung ihrer Modelle verhindern und gleichzeitig ihren Rückstand bei sparsamen Fahrzeugen vertuschen.
Seit Monaten eiert die deutsche Autoindustrie herum, wenn es um eine verbindliche Aussage darüber geht, welche Autos eine zehnprozentige Ethanolbeimischung vertragen. Der VDA behauptet, es seien lediglich 375000. Der ADAC summiert die Herstellerangaben dagegen auf insgesamt mindestens drei Millionen. Damit entlarvt sich die Branche selbst", konstatiert Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD. Die Hersteller hätten so den Beweis geliefert, dass das vermeintliche Engagement für Agrokraftstoffe reine Show für Brüssel war. Lottsiepen: Jetzt ist das große Täuschungsmanöver aufgeflogen. Das Ganze ist eine einzige Peinlichkeit für die Autohersteller und für die Regierung, die sich auf deren Linie eingelassen hat!"
Der VCD fordert die Bundesregierung auf, die Lehre aus dem Desaster zu ziehen und sich ab sofort in Brüssel klar gegen eine Anrechnung der Agrokraftstoffe beim CO2-Grenzwert auszusprechen. Um die globalen Klimaprobleme in den Griff zu bekommen, sei eine schnelle Effizienzsteigerung im Verkehr genauso wie in allen anderen Bereichen notwendig. Dafür müsse eine ambitionierte europäische Grenzwertregelung jetzt zügig verabschiedet und auch über 2012 hinaus klare Reduktionsziele beim CO2 festgelegt werden.
Quelle und Kontaktadresse:
Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD), Bundesverband
Daniel Kluge, Pressesprecher
Kochstr. 27, 10969 Berlin
Telefon: (030) 2803510, Telefax: (030) 28035110
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