Pressemitteilung | Der Paritätische Wohlfahrtsverband - Landesverband Baden-Württemberg e.V.
Anzeige

geschlechtsspezifische Gewalt sowie Gewalt in Partnerschaft und Ex-Partnerschaften ist erschreckend hoch

(Stuttgart) - Zur gestern veröffentlichten Dunkelfeldstudie zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland - LeSuBiA (Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag) äußert sich Dr. Katrin Lehmann, Referentin für Frauen und Mädchen beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg, wie folgt:

„Die veröffentlichten Zahlen aus der Dunkelfeldstudie zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland – LeSuBiA (Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag) zeigen: Die geschlechtsspezifische Gewalt sowie Gewalt in Partnerschaft und Ex-Partnerschaften ist erschreckend hoch. Männer wie Frauen sind zwar fast gleichermaßen von Gewalt in (Ex-)Paarbeziehungen betroffen, der Schweregrad der Gewalt gegenüber Frauen fällt jedoch höher aus: Sie fürchten um ihr Leben, tragen häufiger körperliche Folgen der Gewalt davon und werden öfter Opfer von Tötungsdelikten in Paarbeziehungen. In Bezug auf sexualisierte Gewalt jeglicher Form sowie Stalking sind Frauen deutlich überrepräsentiert. Aber die Studie weist deutlich darauf hin: männliche Gewaltbetroffenheit ist kein Einzelphänomen. Sie muss stärker von Politik und Gesellschaft in den Blick genommen werden. Alle Opfer von Gewalt brauchen angemessene Unterstützung!

Die alarmierende Zahl an Gewaltbetroffenheit im Geschlechterverhältnis trifft auf ein lückenhaftes und unterfinanziertes Hilfesystem in Baden-Württemberg – und zwar für gewaltbetroffene Frauen als auch für gewaltbetroffene Männer. Ohne einen entschlossenen Ausbau an Schutz und Beratungshilfen lässt sich die Weitergabe von Gewaltausübung und Gewalterleben in Familie und Partnerschaft von einer Generation zur nächsten nicht durchbrechen. Auch präventive Maßnahmen insbesondere für jüngere Frauen und Männer, Personen mit Migrationshintergrund und LGBTQ* müssen verstärkt ausgebaut werden – diese Gruppen sind besonders stark betroffen. Und natürlich gilt es, eine qualifizierte Täterarbeit in Baden-Württemberg auszubauen – diesbezüglich hat das Land einen riesigen Aufholbedarf.

Das 2025 eingeführte Gewalthilfegesetz nimmt die Bundesländer in die Pflicht, bis 2032 ein angemessenes Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen aufzubauen. Was kommunale Freiwilligkeitsleistungen bislang waren, wird zu einer Pflichtaufgabe des Landes. Aktuell führt die kritische Finanzlage der Kommunen jedoch eher zu Kürzungen ihrer Ausgaben für den Gewaltschutz als zu einem Ausbau. Ein Rückbau des ohnehin unzureichenden Hilfesystems ist fatal – für die gewaltbetroffenen Frauen und ihre Kinder sowie für die Vereine. Die Träger der Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen brauchen eine verlässliche Finanzierung. Dazu müssen sich Land und Kommunen unter Beteiligung der freien Wohlfahrtspflege zeitnah auf eine tragfähige Finanzierungsstruktur verständigen.“

Hintergrundinformation:

Die Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag" (LeSuBiA) ist eine Dunkelfeldbefragung zu Gewalt in Deutschland. Die Studie beleuchtet erstmals umfassend, wie viele Menschen tatsächlich von Gewalt betroffen sind - unabhängig davon, ob diese Taten der Polizei bekannt oder angezeigt wurden. Rund 15.000 Personen im Alter von 16 bis 85 Jahren wurden im Zeitraum zwischen Juli 2023 und Januar 2025 zu ihren Erfahrungen, Einstellungen und Verhaltensweisen in verschiedenen Lebensbereichen, insbesondere zu Partnerschaftsgewalt, sexualisierter Gewalt, Stalking und Gewalt im digitalen Raum befragt. Zusätzlich wurden Angaben zu Erfahrungen mit Polizei, Medizin, Justiz und Opferhilfeangeboten sowie sozialstrukturelle Merkmale und das Wohnumfeld erfasst. Da sowohl Männer als auch Frauen befragt wurden, sind, anders als bei früheren Untersuchungen zu geschlechtsspezifischer Gewalt, direkte und tiefgehende Vergleiche zwischen den Geschlechtern möglich. Die Studie schließt damit eine langjährige Datenlücke in Deutschland.

Quelle und Kontaktadresse:
Der Paritätische Wohlfahrtsverband - Landesverband Baden-Württemberg e.V., Hina Marquart, Leiter(in) Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Hauptstr. 28, 70563 Stuttgart, Telefon: 0711 2155-0

Logo verbaende.com
NEWS TEILEN:

NEW BANNER - Position 4 - BOTTOM

Anzeige