Pressemitteilung | Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW)

Gewerkschaften: Image-Kampagne statt Umdenken

(Köln) - Die Gewerkschaften müssen sich in diesem Jahr wohl sehr warm anziehen, denn der Druck auf die Politik wächst, die notwendigen Reformen auf dem Arbeitsmarkt und in den Versicherungssystemen anzupacken. Doch trotz immer höherer Arbeitslosenzahlen und schwacher Konjunktur steht für die Arbeitnehmervertreter eine Überprüfung der eigenen Standpunkte bisher nicht zur Diskussion. Vielmehr soll eine langfristig angelegte Image-Kampagne die alten Positionen neu verkaufen. Nachdem Kanzler Schröder das „Bündnis für Arbeit“ endgültig für tot erklärt hat, dürften es die Arbeitnehmervertreter, allen voran der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), schwer haben, sich auf der politischen Spitzenebene Gehör zu verschaffen. Zudem stoßen sie auch in der Öffentlichkeit auf immer weniger Verständnis.

Unter seinem Vorsitzenden Michael Sommer geht der DGB in die Kommunikationsoffensive. Eine 5 Millionen Euro teure Image-Kampagne soll alte Positionen verteidigen und aufpolieren helfen. Damit wollen die acht DGB-Gewerkschaften Druck „von der Straße her“ machen. Parallel dazu hat die IG Metall eine zweite bis 2005 laufende Initiative gestartet, die sich an Entscheider wendet. Die IGM setzt deshalb auf Internetpräsenz, Tagungen, Broschüren und Flugblätter.

Fantasie dürften die Gewerkschaftsspitzen zudem benötigen, um das Porzellan, das durch die DGB-Wahlkampfhilfe für Rot-Grün zerschlagen worden ist, wieder zu kitten. Gelegenheiten dazu bieten sich beim CDU/DGB-Spitzentreffen am 24. März oder anlässlich der 30. Bundestagung der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands in der CDU (CDA) am 14. und 15. Juni in Bonn. Auf den traditionellen gewerkschaftlichen Tätigkeitsfeldern liegt ebenfalls einiges an:

Tarifpolitik: Die diesjährige Tarifrunde wurde aufgrund der Kündigungstermine nicht mit dem üblichen Paukenschlag der Metallbranche eingeleitet. Den Auftakt machten die Angestellten der Deutschen Bahn. Dennoch hat die IG Metall mit ihrer Forderung nach der 35-Stunden-Woche für Ostdeutschland die tarifpolitische Diskussion angeheizt. Zudem hat die Metall-Gewerkschaft für 2003 eine Fülle von Konferenzen anberaumt. Damit will sie wohl bereits die Tarifrunde 2004 vorbereiten.

Im laufenden Jahr werden in so wichtigen Branchen wie der Chemischen Industrie, der Druckindustrie und dem Einzel- sowie dem Groß- und Außenhandel neue Tarifverträge verhandelt: IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und ver.di werden nach Ablauf der geltenden Tarifverträge am 31. März versuchen, auf breiter Front lohnpolitische Maßstäbe zu setzen.

Organisationspolitik: In 2003 stehen zahlreiche Satzungskongresse an, die rund 7,5 Millionen Gewerkschafter repräsentieren, also drei Viertel der in Deutschland gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer. Besonders wird wohl der 20. Ordentliche Gewerkschaftstag der IGM beachtet werden, der vom 12. bis 18. Oktober in Hannover stattfindet. Dabei soll das „Zukunftsmanifest“ verabschiedet werden, in dem die Leitlinien bis ins Jahr 2010 entworfen werden. Außerdem wird der Nachfolger des langjährigen Gewerkschaftschefs Klaus Zwickel gekürt.

Große Beachtung dürfte auch der 1. Ordentliche Bundeskongress der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di vom 18. bis 25. Oktober in Berlin erfahren. Bei diesen und weiteren Gewerkschaftstagen wird das Ziel, für Arbeitnehmer attraktiver zu werden, ein Kernthema sein. Ähnlich wie bei der IG Metall will etwa auch die IG BCE eine Zukunftsdiskussion führen.

Eine weitere Strategie, sich für die kommenden Jahre fit zu machen, sehen manche Gewerkschaften in Fusionen. So haben sich im Februar die Fluglotsen und die Flugsicherungstechniker in der Gewerkschaft der Flugsicherung zusammengeschlossen. In 2004 will der Verband Angestellter Führungskräfte (VAF) mit dem Verband der Führungskräfte (VDF) fusionieren.

Quelle und Kontaktadresse:
Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) Gustav-Heinemann-Ufer 84-88 50968 Köln Telefon: 0221/49811 Telefax: 0221/4981592

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