Pressemitteilung | Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV-RLP)
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Kammerstatistik zeigt strukturelle Veränderungen / Vermarktung über den Handel nimmt zu / Dornfelder vor Riesling / Mosel verliert Marktanteile

(Mainz) - Eine auch bei schwankenden Erntemengen haltende Konstanz der jährlichen Qualitätsweinmenge verzeichnet die Jahresbilanz der Amtlichen Qualitätsweinprüfung bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz. Bei einem Pressetermin in der Bad Kreuznacher Kammerzentrale bezeichnete Kammerpräsident Norbert Schindler MdB diese Konstanz als Ausdruck der Balance zwischen Angebot und Nachfrage in den sechs Anbaugebieten des Landes. Im Mehrjahresvergleich zeigt die Kammerbilanz ein kontinuierliches Wachsen der Marktanteile des Handels bei gleichzeitig stabilen Anteilen von Genossenschaften und Erzeugergemeinschaften sowie leichten, aber kontinuierlichen Verlusten der Erzeugerbetriebe. 2007, auch das zeigt die Bilanz, hielt der Rotweinboom ungebrochen an, wobei die Rebsorte Dornfelder sogar den Klassiker Riesling auf den zweiten Platz verweisen konnte.

Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz ist die zuständige Behörde für die amtliche Qualitätsweinprüfung im Land. Sie führt diese Qualitätssicherung an rund 100.000 Weinen pro Jahr durch an sechs Prüfstellen im Land mit rund 800 ehrenamtlichen Sachverständigen im Einsatz. Die Kosten werden vollständig von der Weinwirtschaft selbst getragen. Der Qualitätswein hat zentrale Bedeutung für die Weinwirtschaft in Rheinland-Pfalz. Tafel- und Landweinsegment sind hier nur von geringem Interesse infolge stark schwankender Verfügbarkeit. Die Zahlen aus der amtlichen Qualitätsweinprüfung spiegeln den Absatz wider und lassen Rückschlüsse auf Trends, Strukturveränderungen und zukünftige Entwicklungen zu.

Das Mengenvolumen in der Qualitätsweinprüfung in den vergangenen Jahren zeigt sich sehr stabil mit leichter Tendenz zum Anstieg und bei rund 5,4 Mio. Hektoliter in den letzten beiden Jahren. Das Mengenwachstum wurde im vergangenen Jahr gebremst, weil kein Wein aus der Ernte 2006 mehr zu bekommen war. Bis Anfang 2008 waren sogar schon über 340.000 Hektoliter 2007er in der Qualitätsweinprüfung. Der Vergleich mit der Erntemenge des jeweiligen Vorjahres zeigt, dass die Schwankungen bei den Ernten sich nicht im Qualitätsweinabsatz niederschlagen. Es zeigt sich auch, dass Rheinland-Pfalz in den letzten beiden Jahren kein Mengenpotenzial für größere Steigerungen mehr hatte.

Insgesamt zeigt Rheinland-Pfalz zwar eine relativ stabile Situation, allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den Anbaugebieten. Die beiden großen Anbaugebieten verzeichnen im vergangenen Jahr sogar eine Steigerung: Rheinhessen um knapp 3 Prozent auf 2,3 Mio Hektoliter, die Pfalz um knapp 1 Prozent auf 1,94 Mio Hektoliter. An der Mosel bedeutet die Summe von 800.000 Hektoliter im Jahr 2007 einen Rückgang von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine spürbare Verringerung der Qualitätsweinmenge musste für die Nahe mit minus 7,5 Prozent verzeichnet werden. Hier lag das Qualitätsweinaufkommen im abgelaufenen Jahr bei 275.000 Hektoliter. Aus dem rheinland-pfälzische Rahmen fällt die Ahr. Sie konnte auf eine landesuntypisch gute Ernte 2006 zurückgreifen, die sich unter den speziellen Bedingungen im Ahrtal auch unmittelbar absetzen lässt und vermarktete mit 42.600 Hektoliter sogar 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Mittelrhein als kleinstes Anbaugebiet steigerte sich leicht um 1 Prozent auf 24.500 Hektoliter.

Auf den ersten Blick zu erkennen ist, dass Qualitätswein von roten Rebsorten zugenommen hat. Auch im letzten Jahr ist der Absatz noch einmal gestiegen. Der Anteil von Rotwein, Rosé, Weißherbst und Rotling aus Rheinland-Pfalz liegt aktuell bei 38 Prozent.

Ganz klar zeigt der Trend weg von Weinen ohne Rebsortenangabe mit jährlich rund 100.000 Hektoliter weniger in den letzten fünf Jahren. Stetige Zunahme gibt es bei Riesling und Dornfelder, Dornfelder liegt mit 1,08 Mio. hl sogar knapp über Riesling mit 1,05 Mio. hl. Müller-Thurgau/Rivaner zeigt bei Vermarktung als Rebsortenwein eher leichten Rückgang trotz guter Nachfrage. Die Ursache liegt sicher auch in der deutlich verringerten Anbaufläche. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Müller-Thurgau-Fläche in Rheinland-Pfalz um fast 1.300 Hektar auf 8.500 Hektar verringert.

Deutlich ist die Tendenz zur Vermarktung über Kellereien. Winzergenossenschaften und Erzeugergemeinschaften sind relativ stabil bei gut 10 Prozent der Qualitätsweinmenge. Es gibt jedoch eine nachhaltige Verlagerung von Weingutsbereich zu Handelsweinen hin, die mittlerweile 65,5 Prozent der rheinland-pfälzischen Qualitätsweinmenge vermarkten. Diese Entwicklung deutet auf strukturelle Veränderungen bei unseren Erzeugerbetrieben hin: Es gibt offensichtlich immer mehr Betriebe, die sich auf die Erzeugung von Fassweinen spezialisieren und die Weinbereitung und Vermarktung der Handelsseite überlassen. Hier gibt es natürlich große Unterschiede zwischen den sechs Anbaugebieten.

Die Anteile der Weinmenge, die von Kellereien gefüllt und vertrieben werden, schwanken zwischen 80 Prozent in Rheinhessen und 8 Prozent an der Ahr, die ja mit 63 Prozent genossenschaftlicher Weinvermarktung eine Sonderstellung einnimmt. Auch in der Pfalz werden mittlerweile mehr als 60 Prozent des Qualitätsweins von Kellereien abgefüllt und vermarktet.

Die flaschenweinvermarktende Betriebe nehmen zahlenmäßig ab. Ihre Anzahl hat sich in den letzten 5 Jahren um 1.100 verringert. Deutlich erkennbar ist, dass kleinere Betriebe mit jährlichen Qualitätsweinmengen unter 20.000 Liter stärker vom Rückgang betroffen sind. Im letzten Jahr haben sich 6.700 Betriebe mit Anstellungen an der Qualitätsweinprüfung beteiligt, davon liegen mehr als zwei Drittel unter einer jährlichen Qualitätsweinmenge von 20.000 Liter.

Quelle und Kontaktadresse:
Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. Pressestelle An der Brunnenstube 33-35, 55120 Mainz Telefon: (06131) 62050, Telefax: (06131) 620550

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