Konjunktur: ZVEI-Energietechnik mit Zuversicht und Potenzial / Aufträge für Stromnetze kompensieren wesentlich den starken Einbruch im Industriegeschäft / Konjunkturstütze: bis zu 10 Milliarden Euro an Investitionen für intelligente Haushaltszähler schneller möglich
(Hannover/Frankfurt am Main) - Für Dr. Joachim Schneider, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Energietechnik, ist die Energietechnik-Branche bisher erheblich weniger von der weltweiten Krise betroffen als andere. "Wir haben Bereiche wie die Hochspannungstechnik, die auch in diesem Jahr mit Wachstum rechnen", sieht Schneider auch positive Signale für die Geschäftsentwicklung im Marktsegment Energieinfrastruktur. Im Industriegeschäft sind aber bereits 2008 insbesondere im Ausland starke Einbrüche zu verzeichnen gewesen. Beim gesamten Auftragseingang des Jahres 2008 hatte dies den Ausschlag gegeben dafür, dass nur noch ein leichtes Plus von 0,9 Prozent erreicht wurde. "Das Inlandsgeschäft mit einer Steigerungsrate von 3,2 Prozent ist gegenüber dem Vorjahr mit 8,3 Prozent nur moderat von der Krise beeinflusst worden", zeichnet Schneider ein uneinheitliches Bild der Entwicklung im Zeichen der Wirtschaftskrise.
Der Umsatz im In- und Ausland ist im Jahr 2008 um 7,4 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro gestiegen, wobei diese Steigerung noch von der außergewöhnlich starken Nachfrageentwicklung der Vorjahre getragen wurde. Trotz der nachlassenden Dynamik der Geschäftsentwicklung ist die Beschäftigtenzahl um 3,3 Prozent im Jahr 2008 gestiegen, nachdem im Jahr 2007 ein starker Nachfrageschub für einen außergewöhnlichen Anstieg um acht Prozent gesorgt hatte. Schneider betont, dass die Branche weiterhin an qualifizierten Bewerbern insbesondere der Ingenieurberufe interessiert sei. 85 Prozent der Mitgliedsunternehmen beabsichtigen trotz Krise Neueinstellungen von Hochschulabsolventen.
Ralf Christian, stellvertretender Vorsitzender des Fachverbands Energietechnik, betrachtet das optimierte Zusammenspiel von "intelligenten Stromnetzen" und "intelligenten Gebäuden" als eine Kernaufgabe für die nächsten zehn Jahre. Er sieht die Notwendigkeit eines intelligenten Stromverteilnetzes, dem sogenannten Smart Grid. "Für Smart Grids muss eine fundamentale Änderung der Betriebsführung über das gesamte elektrische Energiesystem erfolgen. Dies ist erforderlich, um in einem intelligenten Stromnetz eine große Zahl dezentraler Einspeisungen zu integrieren, zum Beispiel aus erneuerbaren Energien", so Christian. Darüber hinaus ermöglichen Smart Grids den effizienten Ausgleich von Stromverbrauch und Erzeugung.
Intelligente Haushaltszähler sind ein wichtiger Baustein für Smart Grids. In der aktuellen Wirtschaftskrise könnte die Konjunktur durch die beschleunigte, flächendeckende Einführung von Smart Metern ohne staatliche Mittel erheblich gestützt werden. Christian erwartet bei einem Bestand von 40 Millionen Haushalten derzeit nicht, dass die aktuelle Gesetzeslage einen Nachfrageschub erzeugen könnte, der ab dem Jahr 2010 für eine flächendeckende Einführung von Smart Metern in Deutschland bis zum Jahr 2016 führt. Er sieht die Notwendigkeit für eine gesetzliche Vorgabe zur zeitnahen, mindestens monatlichen Energieverbrauchsinformation an den Endkunden, um die Einführung zu beschleunigen.
Nach Berechnungen des ZVEI-Fachverbands Energietechnik werden bei einer beschleunigten Einführung dem Elektrohandwerk und den Herstellen von Smart Metern Investitionen in Höhe von etwa 1,6 Milliarden Euro pro Jahr über eine Laufzeit von sechs Jahren zugute kommen. Das gesamte Investitionsvolumen von bis zu zehn Milliarden Euro generiert oder sichert etwa 16.000 Beschäftigungsverhältnisse gleichermaßen im nationalen Handwerk wie auch bei den Herstellern.
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