Konjunkturbericht Juli 2008 / Inflationsdruck trübt Konjunkturperspektiven
(Berlin) - Nach einem außerordentlich guten Start in das Jahr 2008 lassen die konjunkturellen Kräfte in Deutschland inzwischen sichtlich nach. Auch unter Berücksichtigung der Sondereffekte, die das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal über- und im zweiten Quartal unterzeichnet haben, ist im bisherigen Jahresverlauf eine konjunkturelle Abschwächung zu erkennen.
Noch gravierender ist jedoch, dass die Auftragseingänge für die Industrie mittlerweile seit sechs Monaten rückläufig sind. Damit zeichnet sich für das zweite Halbjahr eine nur verhaltene konjunkturelle Dynamik ab.
Ursache für die Abschwächung ist das Zusammenspiel gleich mehrerer Belastungsfaktoren: die ausgeprägte Konjunkturschwäche in den USA, der wachsende Inflationsdruck, die konjunkturelle Abkühlung bei wichtigen Handelspartnern sowie der hohe Euro-Kurs. Die realwirtschaftlichen Auswirkungen der Finanzmarktturbulenzen sind in Deutschland hingegen nach wir vor sehr gering. Restriktionen bei der Kreditvergabe sind nicht festzustellen.
Für übermäßigen Pessimismus besteht freilich kein Anlass. Anders als im zweiten Quartal sollte die deutsche Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf wieder wachsen, wenngleich mit einer relativ niedrigen Rate. Während die Wachstumsprognose für 2008 unverändert bei 2 1/4 bis 2 1/2 Prozent liegt, trübt die konjunkturelle Verlangsamung die Perspektiven für 2009: Selbst wenn sich die Wachstumskräfte im nächsten Jahr allmählich wieder erholen sollten, ist im Jahresdurchschnitt nur mit einem Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Leistung um 1 bis 1 1/2 Prozent zu rechnen.
Der Beschäftigungsaufbau flacht sich zwar ab, dürfte in den kommenden Monaten aber weitergehen. 2009 könnte der positive Arbeitsmarkttrend hingegen auslaufen, zumal sich angesichts der wieder steigenden Sozialversicherungsbeiträge und der schleichenden Ausweitung von Mindestlöhnen die Rahmenbedingungen für die Beschäftigungsentwicklung verschlechtern. Umso wichtiger wäre es, die vorhandenen finanziellen Spielräume in der Arbeitslosenversicherung zu nutzen und hier mit einer weiteren Beitragssatzsenkung gegenzusteuern.
Mit den kräftig gestiegenen Ölpreisen ist eine Einkommens- und Wohlstandsverlagerung von den Energie importierenden in die Energie exportierenden Staaten verbunden. Versuche, die höheren Energiekosten durch entsprechende Lohnsteigerungen auszugleichen, würden den allgemeinen Preisauftrieb in Deutschland zusätzlich anheizen. Letztlich könnte sogar eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt werden, die die reale Einkommenssituation der Arbeitnehmer nicht verbessert. Aus ökonomischer Sicht ist aber auch von staatlichen Maßnahmen abzuraten, mit denen die Energiepreise unmittelbar gesenkt oder subventioniert werden. So wäre statt der Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale eine generelle Steuerentlastung für die von der kalten Progression betroffenen Steuerzahler der sachgerechtere Ansatz. Völlig unangebracht wäre ein staatliches Konjunkturprogramm, zumal für einen solchen Schritt überhaupt kein Anlass besteht. Zu begrüßen sind hingegen die deutlichen Worte, mit denen sich die Bundesregierung jüngst hinter die geldpolitische Ausrichtung der Europaeischen Zentralbank gestellt hat, denn ein hohes Maß an Preisstabilität ist die zentrale Voraussetzung für mehr Wirtschaftswachstum und Beschäftigung im Euro-Raum.
Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband deutscher Banken e.V. (BdB)
Pressestelle
Burgstr. 28, 10178 Berlin
Telefon: (030) 16630, Telefax: (030) 16631399
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