Pressemitteilung | Bundesverband deutscher Banken e.V. (BdB)
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Konjunkturprognose: Europa vor großen Herausforderungen - Geldpolitik kein Allheilmittel

(Berlin) - "Weltweit erleben wir gerade eine außergewöhnliche Bündelung von Risiken. Doch handfesten Krisenszenarien können wir uns nicht anschließen", erklärt Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer bei der Vorstellung der Konjunkturprognose 2016/2017 des Bankenverbandes in Berlin. Vielmehr prognostizieren die Chefvolkswirte der privaten Banken, dass die Weltwirtschaft nach einer Verschnaufpause spätestens 2017 wieder etwas an Fahrt gewinnt.

Die Wirtschaft im Euro-Raum wie in Deutschland werde in diesem und im nächsten Jahr mit rund 1,5 Prozent nur moderat wachsen. Daran werde auch der morgen aller Voraussicht nach weiter aufgehende Geldhahn der Europäischen Zentralbank (EZB) nichts ändern. Im Gegenteil, die privaten Banken in Deutschland glauben, dass weitere expansive Maßnahmen der EZB inzwischen mehr Schaden als Nutzen verursachen. Kemmer betont: "Wir sehen keinerlei Deflationsgefahren und warnen vor unnötigen Alarmrufen. Die EZB reagiert aus unserer Sicht seit geraumer Zeit viel zu mechanistisch und überzeichnet die Deflationsrisiken." Der Bankenverband rät der EZB daher zu einer "Politik der ruhigen Hand".

Kemmer befürchtet, dass ein weiteres Öffnen der Geldschleusen in zahlreichen Ländern zu Gegenmaßnahmen führe: "Am Ende droht ein Abwertungswettlauf, der keine Gewinner haben wird. Außerdem nehmen die Gefahren für die Finanzstabilität weiterhin zu." Neben völlig verzerrten Risikopreisen seien die Erträge der Finanzinstitute schon seit längerem durch die anhaltende Niedrigzinsphase massiv unter Druck. "Die EZB rennt hier sehenden Auges in einen Interessenkonflikt zwischen aktiver Geldpolitik und Bankenaufsicht", warnt der Chef des Bankenverbandes.

Aber auch Europa rutsche immer tiefer in politische Schwierigkeiten. Aktuell stehe die Union vor der dreifachen Herausforderung aus Hunderttausenden von Menschen, die Zuflucht suchen, einem möglichen Brexit und der immer noch schwelenden Staatsschuldenkrise. Kemmer: "Die Regierungen in Europa müssen dringend zum Konsens zurückfinden, dass europäische Probleme nur gemeinsam gelöst werden können. Das bedeutet aber auch, dass jedes Mitgliedsland seiner wirtschaftlichen und politischen Verantwortung gerecht wird. Solidarität kann nur der einfordern, der auch bereit ist, sein Haus in Ordnung zu halten."

Die aktuelle Frühjahrs-Konjunkturprognose 2016/2017 ist online abrufbar unter: www.bankenverband.de. Sie wird alle sechs Monate durchgeführt und beruht auf einer Umfrage unter den 14 Chefvolkswirten von privaten Banken, die Mitglieder des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik sind.

Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband deutscher Banken e.V. (BdB) Pressestelle Burgstr. 28, 10178 Berlin Telefon: (030) 16630, Fax: (030) 16631399

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