Pressemitteilung | ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
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Lehmann Brothers-Pleite vor einem Jahr: Konsequenzen unbefriedigend

(Berlin) - "Auch ein Jahr nach der Pleite der Investmentbank Lehmann Brothers am 16. September 2008 haben die Banken kaum gelernt und keine ausreichenden Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise gezogen", kritisierte Uwe Foullong, Bundesvorstandsmitglied der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) heute (11. September 2009) in Berlin. Zudem sei eine Neuordnung des Finanzsystems, das eine solche Krise zukünftig ausschließen würde, nicht in Sicht.

Das Vertrauen der Kunden in die Banken und damit auch in die Bankbeschäftigten sei noch immer nicht wieder hergestellt, betonte Foullong. Verantwortlich für die Krise seien die Manager und Vorstände, die die Unternehmens- und Vertriebspolitik zu verantworten hätten, nicht jedoch die Kundenberater, die nach wie vor unter einem erheblichen Verkaufsdruck stünden. Die Verkaufsvorgaben seien unverändert hoch. "Im Sinne einer fairen Kundenberatung müssen diese Vorgaben unverzüglich abgeschafft werden", forderte der ver.di-Finanzexperte, nur so könnten die Kunden wieder Vertrauen zur Bank entwickeln und der psychische Druck auf die Beschäftigten gemindert werden.

Es dürfe keinen Abzug vom Tarifgehalt geben, wenn Kundenberater ihre Zielvorgaben nicht erreichten, so Foullong und kritisierte insbesondere die Genossenschaftsbanken, die ihren Kundenberatern zukünftig bis zu 14 Prozent des tariflichen Jahresgehaltes, nahezu zwei Monatsgehälter, streichen wollten, wenn sie ihre Vorgaben nicht erfüllten. "Ein solcher Plan darf nicht realisiert werden", erklärte der Gewerkschafter, "Kundenberater würden ansonsten unter Druck gesetzt, im Zweifel gegen das Kundeninteresse zu beraten, um einen drohenden Gehaltsabzug zu vermeiden." Er fordere insbesondere die Genossenschaftsbanken auf, diesen Irrweg zu unterlassen und mit ver.di ein ordentliches Gehaltssystem zu vereinbaren, betonte Foullong.

Desweiteren forderte das ver.di-Bundesvorstandsmitglied die Einrichtung eines Finanz-TÜV. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) müsse die Aufgabe erhalten, geplante Finanzprodukte zu prüfen. Die Vielzahl, Unübersichtlichkeit und Undurchschaubarkeit vieler Finanzprodukte könne so beseitigt werden.

Um neues Vertrauen in die Finanzinstitute zu schaffen, müsse die Bundesregierung umfangreiche Regulierungsmaßnahmen durchführen, für die ver.di zahlreiche Vorschläge unterbreitet hätte. Die bisherigen Aktivitäten der Politik seien absolut unbefriedigend.

Quelle und Kontaktadresse:
ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, Bundesvorstand Pressestelle Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin Telefon: (030) 69560, Telefax: (030) 69563956

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