Pressemitteilung | Arbeitgeberverband Gesamtmetall e.V.
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M+E-Forum 2007: Weltweit vernetzt, in Deutschland verwurzelt - Ansporn statt Bedrohung

(Berlin) - Als Chris Patten seinen fesselnden Vortrag über die boomenden Märkte in Asien auf dem M+E-Forum 2007 der Metall- und Elektro-Industrie beendet hatte, waren die Zuhörer gleichzeitig fasziniert und beunruhigt. Patten, letzter Gouverneur von Hongkong und ehemaliger Kommissar für Außenbeziehungen der EU, machte dem Auditorium mit profundem Wissen und glänzender Rhetorik das ganze Ausmaß der asiatischen Herausforderung eindrucksvoll klar.

Den rund 300 Vertretern aus Unternehmen, Verbänden, Politik und Medien wurde jedoch nicht nur die bedrohliche Konkurrenz durch die asiatischen Länder aufgezeigt. „Die dortigen Märkte“, so Patten, „bieten auch große Chancen für westliche, vor allem aber auch deutsche Unternehmen – es müssen nur die richtigen Antworten gefunden werden.“ Wie die für die Betriebe der M+E-Industrie lauten könnten, machte bereits der Titel des M+E-Forums klar: Weltweit vernetzt, in Deutschland verwurzelt. „Wir können im weltweiten Wettbewerb auch in Zukunft erfolgreich sein, wenn wir die Stärken des Standortes Deutschland noch besser ausspielen“, so Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, in seiner Ansprache.

Internationalisierung sei schließlich mehr als nur eine simple, einseitige Verlagerung von Standorten. „Der Anteil an Produktionen außerhalb Deutschlands wird steigen, gleichzeitig aber wird die Know-how-Basis der deutschen Standorte weiterentwickelt“, so Kannegiesser. Diese Weiterentwicklung der besonderen Stärken des Standortes sei entscheidend, um die hiesigen Kostennachteile ausbalancieren zu können. Deshalb setze die kombinierte Strategie aus weltweitem Engagement und heimischer Verwurzelung zwingend wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen in Deutschland voraus.

„Unser wichtigstes Ziel muss es sein“, so Kannegiesser, „dass sich die Waage nicht bei zu vielen Produkten auf die Seite der Kostennachteile neigt. Wer starke Netzwerke schaffen und pflegen muss“, so Kannegiesser weiter, „der braucht auch kräftige Wurzeln. Dies ist ein ständiger mühsamer Prozess, in dem wir Vorsprünge haben, die wir jedoch nicht als Zustand begreifen dürfen, sondern als Momentaufnahme in einem kontinuierlichen Prozess, den immer mehr die anderen antreiben.“

Dabei gelte die Qualifikation der Mitarbeiter bei vielen Unternehmen immer noch als wichtiges Argument für den Standort Deutschland. Das tauge aber höchstens noch als Beschreibung des Status quo. Qualifikation und Motivation der Mitarbeiter in anderen Regionen würden schnell wachsen, die relativen Vorsprünge zusammenschmelzen. „Entsprechend müssen wir uns die Vorsprünge immer wieder neu erarbeiten und dürfen vorhandene Wettbewerbsfähigkeit nicht aufs Spiel setzen“, sagte der Gesamtmetall-Präsident.

Deutlich wurde auf dem M+E-Forum aber auch, dass die Herausforderungen für die Metall- und Elektro-Industrie nicht grundsätzlich neu sind, wohl aber in der Intensität neue Qualität bekommen haben. So war die deutsche M+E-Industrie stets international ausgerichtet. Kundenbeziehungen und Kundenorientierung stehen für die Unternehmen im Mittelpunkt von Standortbetrachtungen. Dabei sind die deutschen Kunden genau so wichtig wie die in den anderen großen Absatzmärkten. Es sei deshalb nicht verwunderlich, „dass 82 Prozent unserer Unternehmen eine Expansion ihrer Exporttätigkeit, das heißt ihrer Weltmarktpräsenz, als das wichtigste Ziel ansehen“, so Kannegiesser. Die M+E-Industrie ist außerdem an rund 4.000 Betrieben mit rund 1,2 Millionen Beschäftigten außerhalb Deutschlands beteiligt. Sie erwirtschaften einem Umsatz von fast 474 Milliarden Euro – Tendenz steigend.

Gleichzeitig zeige sich auch, dass stärker globalisierte Unternehmen wirtschaftlich erfolgreicher arbeiteten, mehr investierten und mehr Beschäftigung aufbauten als schwächer globalisierte. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW). Dabei wurden die Internationalisierungsprofile von 1.500 M+E-Unternehmen analysiert. Die stärker globalisierten Betriebe sind auch die dynamischeren, die mehr Impulse empfangen und mehr davon in erfolgreiches unternehmerisches Handeln umsetzen.

Andererseits zeigten jüngste Analysen auch, dass zum Beispiel der deutsche Maschinenbau seinen Schwerpunkt weiterhin bewusst in Deutschland halten werde. Und dies habe mit der „Kraft der Wurzeln“ zu tun, so Martin Kannegiesser. Er bezog sich dabei auf die Erfahrung der Betriebe und ihrer Mitarbeiter. Es bestehe viel Know-how in Betriebsgemeinschaften, das bei deren Schließung oder Zerschlagung verloren gehen könnte.

Dies gelte selbstverständlich nicht für alle Produktionen oder Dienstleistungen, schränkte der Gesamtmetall-Präsident ein, aber speziell dort, wo in kleineren Einheiten ineinander greifendes Wissen verlangt werde und oft auch ganz bestimmte und über Jahre oder Jahrzehnte gereifte Verhaltensmuster. In der Großserienfertigung sei das oft anders.

Weltweit vernetzt, in Deutschland verwurzelt, so das Resümee des M+E-Forums, sei in der Tat Zustand und Zukunftsperspektive der deutschen Metall- und Elektro- Industrie. Mit dieser Doppelstrategie müsse man auch das Thema China angehen. China werde schon in Kürze dieselben grundsätzlichen Probleme haben wie fast alle Industrienationen: Demographie, Umwelt, Energie- und Rohstoffmangel, soziale Verwerfungen – nur alles wesentlich schneller und in gigantisch größerem Ausmaß.

„Im Kern allerdings geht nichts an dem mühsamen Weg vorbei“, so Kannegiesser, „uns dem wachsenden Wettbewerb auch aus China zu stellen: Wir müssen unser Innovationstempo noch erhöhen,
unsere weltweite Präsenz sichern, ein akzeptables Verhältnis von Preis und Kosten halten.“ Das alles, so hatte auch Chris Patten gemahnt, sei nicht Bedrohung, sondern Ansporn.

Quelle und Kontaktadresse:
Gesamtmetall Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie e.V. Peter Klotzki, Leitung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Voßstr. 16, 10117 Berlin Telefon: (030) 55150-0, Telefax: (030) 55150-400

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