Pressemitteilung | Deutsches Komitee für UNICEF e.V.

Neuer UNICEF-Bericht zur weltweiten Impfsituation: 27 Millionen Kinder ohne Impfschutz / Jährlich könnten zwei Millionen Todesfälle vermieden werden

(Köln) - Rund 27 Millionen Kleinkinder in den ärmsten Ländern der Erde sind nicht gegen gefährliche Infektionskrankheiten wie Masern, Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus oder Kinderlähmung geimpft. Damit erhält weltweit fast jedes vierte Neugeborene keinen ausreichenden Impfschutz im ersten Lebensjahr. Rund 40 Millionen schwangere Frauen haben keinen Schutz gegen Tetanus. Dies ist das Ergebnis des UNICEF-Berichts „Fortschritt für Kinder“, der die weltweite Impfsituation von Kindern und Frauen untersucht. Obwohl es seit langem kostengünstige Impfstoffe gibt, bleiben vor allem in ländlichen Regionen im südlichen Afrika und Südasien viele arme Kinder ohne Impfschutz. Die Folge: Jedes Jahr sterben rund zwei Millionen Menschen an diesen vermeidbaren Krankheiten, etwa 1,4 Millionen davon Kinder unter fünf Jahren. Masern sind mit 395.000 Opfern die größte Gefahr, gefolgt von Keuchhusten mit 290.000 und Neugeborenentetanus mit 257.000 Todesfällen.

„Schon für 20 Euro, dem Gegenwert von zwei Kinokarten, kann man ein Kind gegen die gefährlichsten Infektionskrankheiten impfen. Kaum eine andere Investition ist so kostengünstig und kann so wirksam Leben retten und Krankheiten verhindern“, sagte Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.

Um alle Kinder in Entwicklungsländern zu schützen, fordert UNICEF:

· Regelimpfungen müssen ausgeweitet und durch Impfkampagnen für Kinder ergänzt werden, die bislang nicht erreicht wurden.

· Neue Impfstoffe gegen Gelbsucht (Hepatitis B) und den häufigsten Erreger von Hirnhautentzündung bei Kleinkindern (Haemophilus influenzae Typ b - Hib-Impfung) müssen auch den ärmsten Kindern zugänglich gemacht werden.

· Die internationale Gemeinschaft muss verstärkt die Ausbildung von Gesundheitspersonal und den Aufbau einer technischen und logistischen Infrastruktur für die medizinische Grundversorgung unterstützen.

Impfschutz für alle Kinder – ein Traum?

In den vergangenen Jahrzehnten gelang es zwar, die weltweiten Impfraten deutlich zu erhöhen. So stieg der Anteil der Kinder, die gegen Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus geimpft sind, von 20 (1980) auf 78 Prozent (2003). Auch sank durch massive Impfkampagnen die Zahl der Todesfälle durch Masern von 873.000 (1990) auf 530.000 (2003). Doch sind diese Fortschritte ungleich verteilt. Während in Lateinamerika, Ostasien und Nordafrika bald 90 Prozent der Kinder durch Impfungen geschützt sind, liegen die Raten in Südasien lediglich bei 71 Prozent. In West- und Zentralafrika ist bis heute nicht einmal jedes zweite Kind geimpft. In Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik und Nigeria haben sogar nur 35 Prozent der Kinder Impfschutz. Entsprechend gehören die Kindersterblichkeitsraten in diesen Ländern mit 180 beziehungsweise 198 Todesfällen pro Tausend Geburten zu den höchsten weltweit.

Gefährliche Impfkluft

Insbesondere sehr arme Kinder, Kinder ethnischer Minderheiten und Kinder aus Familien in entlegenen ländlichen Gebieten werden nicht geimpft. Dabei ist gerade deren Immunsystem häufig bereits durch chronische Mangelernährung geschwächt. Sie haben Infektionskrankheiten kaum etwas entgegenzusetzen.

Entwicklungsländer, die einmal hohe Impfraten erreichen, schaffen es oft nicht, diese Fortschritte aufrecht zu erhalten. So fehlt es an qualifiziertem Gesundheitspersonal zur Durchführung von Regelimpfungen und zur Überwachung des Impfstatus der Bevölkerung.

Besorgnis erregend ist auch die Tatsache, dass bis heute viele Länder den Impfschutz für ihre Kinder nicht selbst finanzieren können. Von 24 Staaten West- und Zentralafrikas sind acht (Benin, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, Guinea, Guinea-Bissau, Liberia und Togo) hierfür vollständig auf Hilfe von außen angewiesen.

Dies gilt besonders für die lebensrettenden Impfstoffe gegen Hepatitis B und die Hib-Impfung gegen Hirnhautentzündung. Auf Grund sinkender Preise und mit Unterstützung von UNICEF und anderen Organisationen haben zahlreiche Länder diese zwar in die Liste der Regelimpfungen aufgenommen. In den ärmsten Entwicklungsländern sind sie aber bis heute nicht allgemein zugänglich.

Das tut UNICEF:

Impfungen zählen für UNICEF zu den wichtigsten Gesundheitsmaßnahmen. Allein im Jahr 2003 beschaffte UNICEF 1,9 Milliarden Dosen Polioimpfstoff, 185 Millionen Dosen Impfstoff gegen Masern, 180 Millionen Dosen gegen Tetanus und jeweils 350 Millionen Dosen der Hib-Impfung sowie gegen Hepatitis B.

Impfkampagnen sind auch der Ausgangspunkt für weitere Gesundheitsmaßnahmen. So verteilt UNICEF dabei regelmäßig Vitamin-A-Tabletten oder imprägnierte Moskitonetze zum Schutz vor Malaria. UNICEF klärt auch mit Informationskampagnen die Bevölkerung auf, bildet Gesundheitspersonal aus, hilft beim Aufbau einer Kühlkette und organisiert zusammen mit den Behörden nationale Impftage, an denen Millionen Kinder geimpft werden.

Der vollständige Bericht “Progress for Children: Immunization“ (in englischer Sprache) sowie weitere Informationen unter www.unicef.de

Quelle und Kontaktadresse:
Deutsches Komitee für UNICEF e.V. Herr Rudi Tarneden, Pressestelle Höninger Weg 104, 50969 Köln Telefon: 0221/936500, Telefax: 0221/93650279

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