Pressemitteilung | Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV OT)
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OTWorld: Bühne für reale Lebensveränderungen

(Dortmund/Leipzig) - Diese Geschichte steht beispielhaft für das, was die OTWorld - Weltleitmesse und Weltkongress - vom 19. bis 22. Mai 2026 in Leipzig sichtbar machen wird: individuelle Hilfsmittelversorgung eröffnet Menschen neue Möglichkeiten und verbessert die Lebensqualität. Stephan Scherzer (61) lebt seit seinem 12. Lebensjahr mit einer kompletten Fußheberschwäche. Durch intensiven Sport hat er die Einschränkung über viele Jahre kompensiert. Seit gut vier Jahren setzt er auf eine individuelle Polymerorthese aus dem 3-D-Drucker. Orthopädietechnikspezialisten aus Berlin und Rosenheim haben das Unikat eigens für ihn entwickelt und zeigen, wie das Zusammenspiel von erstklassigem Handwerk und moderner Technologie die individuelle Hilfsmittelversorgung bereichert.

Sport gehörte für Stephan Scherzer immer dazu. Doch im Alter von 12 Jahren traf ihn beim Fußballtraining ein Tritt gegen das rechte Knie. Die Folge: heftige Schmerzen und ein blauer Fleck. "Das geht wieder weg", hieß es beim Arzt. Doch der Tritt hatte das Fibulaköpfchen getroffen. Der Bluterguss drückte auf den Peroneusnerv, der maßgeblich für das Anheben des Fußes und der Zehen zuständig ist. Als der Schmerz nicht weniger und eine Fußheberschwäche offensichtlich wurde, kam die Operation zu spät. Der Nerv war irreparabel durchtrennt.

Als orthopädisches Hilfsmittel bekam der 12-Jährige Stephan Scherzer 1976 einen Heidelberger Winkel - eine feste Schiene, die den Fuß gerade hält. "Dazu sagte man mir: 'Sport kannst du vergessen. Wenn Du normal gehen kannst, bist du schon weit. Wahrscheinlich gehst Du irgendwann an Krücken''", erinnert er sich. Doch der Ausschluss vom Schulsport hielt den energiegeladenen Jugendlichen nicht davon ab, zwei Jahre später mit Taekwondo anzufangen. Schon ein Jahr nach der OP legte er den Heidelberger Winkel endgültig ab. Ausschlaggebend war sein damaliger Physiotherapeut, der ihn dazu motiviert hat. Die Peroneusparese glich er fortan durch Sport, Muskelaufbau und angepasste Bewegungen aus. Mit Erfolg: Stephan Scherzer erreichte im Taekwondo den 3. Schwarzen Gürtel und trat bei EM-Wettkämpfen im klassischen Taekwondo an. Parallel begann er mit Bergsteigen, Klettern und Skifahren. "Ich habe meine Einschränkung muskulär und mit viel Training kompensiert, auch wenn mein Gangbild immer auffällig war. Der Sport hat mich da durch getragen. Und ich habe immer wieder meine Grenzen ausgetestet." Auf anspruchsvollen Alpentouren wie der Watzmann Ostwand war er genauso unterwegs wie auf Himalaya-Expeditionen oder beim Extremschwimmen "Escape from Alcatraz" in der Bucht von San Francisco.

Orthese für den Alltag und extreme Anforderungen

Eine Grenze erreichte Stephan Scherzer allerdings mit Mitte 50. Nachdem er bei einer Gratwanderung in den Alpen starke Hüftschmerzen bekam, diagnostizierte seine Orthopädin eine viertgradige Arthrose in der rechten, eine drittgradige Arthrose in der linken Hüfte und einen feinen Riss im Knochen. "Damit war klar, dass ich etwas tun muss. Und als technikaffiner Mensch habe ich mich gefragt, ob es mittlerweile nicht mehr gibt als den Heidelberger Winkel." Genau diese Frage stellte er 2021 Petra Menkel, Bandagisten-Meisterin, und Stephan Schildhauer, beide geschäftsführende Gesellschafter der Paul Schulze Orthopädie & Bandagen GmbH Berlin. Eins war klar: "Ich brauchte etwas für den Alltag, aber vor allem fürs Bergsteigen und anspruchsvolle Touren."

"Wir haben zunächst standardisierte Fußheberorthesen ausprobiert, die sich an Schuhgröße und Wadenumfang orientieren", erzählt Petra Menkel. "Die haben aber nicht zu den besonderen Anforderungen gepasst. Herr Scherzer hatte die Peroneusparese schon über viele Jahre, der Muskel am Schienbein war dadurch nie gefordert und der Knochen lag sehr prominent. Das führte zu Druckstellen an der Schienbeinkante. Zugleich hatte er durch seine Aktivitäten hohe Ansprüche an die Belastbarkeit einer Orthese."

Eine Orthese, die es so noch nicht gab

Stephan Schildhauer war mit Tino Gallo, dem Chef der Firma neja (Ortholutions), zusammen auf der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik (BUFA) in Dortmund. Das Unternehmen aus Rosenheim ist Pionier in computergestützten Fertigungsverfahren für die Orthopädie-Technik. Tino Gallo war von der Idee, der Anfertigung einer individuellen Orthese ebenfalls angetan. Die größte Herausforderung war zunächst die genaue Formulierung der Anforderungen. "Immerhin wurde diese Orthese so noch nie hergestellt", erklärt Petra Menkel. Mit einem 3-D-Scan des Unterschenkels und einem Gipsabdruck schickte sie die genauen Maße und die Beschreibung der gewünschten Orthese an das Ingenieursteam. "Die ersten Drucke waren Versuche mit unterschiedlichen Stärken und Materialien." Nach vier Monaten konnte Stephan Scherzer einen ersten Prototyp anprobieren und bei Bergtouren intensiven Tests unterziehen. Durch seine Dokumentation von Druckstellen und schmerzenden Bereichen wurde der Prototyp immer weiter optimiert, das Gewicht angepasst und eine Sollbruchstelle am Übergang von der Sohle zum Schienbein verstärkt.

Gemeinsamer Lernprozess für alle Beteiligten

Nach einem Jahr waren alle Beteiligten mit dem Ergebnis zufrieden: Die vollkommen neue Form von Beinorthese aus dem 3-D-Drucker verläuft von einer dünnen Fußsohle über das Schienbein hinauf zum Knie und wird durch Klettverschlüsse an der Wade befestigt. Die Polymerorthese ist hochgradig belastbar, elastisch und wiegt kaum mehr als 130 Gramm. Sie ist so dynamisch, dass der Muskel am Schienbein wieder aktiviert wird. Damit ist das Unikat perfekt ausgerichtet auf die Bedürfnisse von Stephan Scherzer. "Ich war begeistert von der Bereitschaft, gemeinsam Erfahrungen zu sammeln. Das ganze Team hat sich auf diese Herausforderung eingelassen und geschaut, was wir gemeinsam rausholen können", sagt er. Auch Petra Menkel beschreibt den gemeinsamen Lernprozess als echte Bereicherung für ihre Arbeit und betont Stephan Scherzers Motivation: "Er hat diese ganze Entwicklungsarbeit mitgemacht und wurde nicht müde, auszutesten, bis alles gepasst hat." Zugleich musste sich sein Körper nach rund 45 Jahren auf das neue Hilfsmittel einstellen. "Über ein Jahr hat sich mein gesamter Muskelapparat noch einmal verändert, was mitunter sehr schmerzhaft war", erzählt er. Neben seinen sportlichen Aktivitäten halfen ihm Physiotherapie, Faszienyoga und eine antientzündliche Ernährung bei der Umstellung.

Heute sagt Stephan Scherzer: "Ich gehe ohne Schmerzen - die künstliche Hüfte ist in weiter Ferne." Und er testet weiter seine Grenzen aus: 2025 ging es für ihn zu einem Berglauf, dem Kilometre Vertical de Fully, in die Schweiz, 1.000 Höhenmeter auf 1,9 Kilometern mit durchgehend 50 bis 60 Prozent Steigung. Im Mai 2026 geht er beim Transvulcania Vertical Kilometer auf La Palma an den Start. Auf sieben Kilometern erwarten ihn dann fast 1.200 Höhenmeter. "Meine größte Sorge - dass ich das Knie immer extra hochziehen muss, um beim Bergsteigen nicht zu stolpern oder hängenzubleiben - ist weggefallen. Die auf mich optimierte Orthese ermöglicht anspruchsvolle Bergtouren und im Alltag entspanntes Gehen - einfach großartig."

Zugang zur OTWorld 2026

Das OTWorld-MESSE Ticket ermöglicht für 39 Euro den Zugang zur internationalen Fachmesse, zu allen 130 praxisnahen Workshops sowie zum OTWorld.eSummit. Für Betriebe besonders attraktiv ist das Gruppenticket: Ab vier Personen beträgt der Preis 29 Euro pro Person und eröffnet damit auch ganzen Teams eine kostengünstige Teilnahme.

Das OTWorld-KOMPLETT Ticket umfasst zusätzlich den wissenschaftlichen Weltkongress und verbindet Kongress, Workshops und Fachmesse in einem Gesamtpaket. Bei Buchung bis zum 31. März gilt der Early-Bird-Tarif mit einer Ersparnis von bis zu 80 Euro gegenüber dem regulären Ticketpreis.

Tickets & Preise | OTWorld

Über die OTWorld

Fachlicher Träger der OTWorld ist der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT). Veranstalter des Kongresses und Inhaber der Marke OTWorld ist die Confairmed GmbH. Die Fachmesse verantwortet die Leipziger Messe GmbH.

Quelle und Kontaktadresse:
Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV OT), Kirsten Abel, Leiter(in) Verbandskommunikation, Reinoldistr. 7-9, 44135 Dortmund, Telefon: 0231 5570500

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