Philologenverband warnt vor einer Verkürzung des schulischen Bildungsauftrages in der Folge von PISA
(Berlin) - Vor einer zunehmenden Einengung des schulischen Bildungsauftrags auf die durch PISA geprüften Kompetenzen und Skills in ausgewählten Fächern und Fachbereichen hat der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, in einer bildungspolitischen Grundsatzerklärung zu Beginn des neuen Jahres gewarnt. Mit Sorge betrachte der DPhV, dass die Fixierung auf die Rankinglisten der PISA-Studie dazu führe, dass die Bundesländer vornehmlich solche Maßnahmen förderten, die eine kurz- und mittelfristige Leistungsverbesserung in den genannten Bereichen erwarten ließen. Wörtlich betonte der Philologenverbandsvorsitzende: "Der Bildungsauftrag unserer Schulen umfasst mehr als nur die Fähigkeit unserer Schüler, ihre mathematischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse sowie ihre Lesekompetenz anwendungsorientiert einsetzen zu können. Viele nicht durch PISA erfasste Fächer leisten auch einen unschätzbaren Beitrag zu einer umfassenden Allgemeinbildung. Ausgeblendet wird von PISA beispielsweise der wichtige Auftrag der Schule, insbesondere des Gymnasiums, einen Beitrag zur Weitergabe nationaler kultureller Bildungstraditionen zu leisten und damit zur Sicherung der kulturellen Identität einer Gesellschaft."
Meidinger betonte ausdrücklich, dass dies keine Kritik an der PISA-Konzeption sei, da die Reduktion auf Kompetenzen angesichts der internationalen Anlage der Studie notwendig gewesen sei. Dies dürfe aber nicht dazu führen, alle Reformmaßnahmen im deutschen Bildungswesen diesem Aspekt unterzuordnen.
Eine Stärke deutscher Schulen sei gerade der in den Länderverfassungen festgelegte umfassende Erziehungs- und Unterrichtsauftrag, der neben der Vermittlung von Fachwissen auch auf die Werteerziehung besondere Aufmerksamkeit lege.
Als Beispiel nannte der DPhV-Vorsitzende den gymnasialen Bildungsauftrag des Faches Englisch: Während der Sprachenunterricht in anderen Ländern sich vielfach damit bescheide, die Kommunikationsfähigkeit der Schüler in der Fremdsprache zu fördern, umfasse der Englischunterricht in Deutschland auch die Vermittlung englischer Literaturkenntnisse, englischer Landeskunde und angelsächsischer Kultur, Geschichten und Gesellschaftsprobleme.
Meidinger appellierte an die bildungspolitisch Verantwortung Tragenden, bei aller berechtigten Kritik an bestehenden Schwächen die Stärken des deutschen Bildungswesens nicht aus den Augen zu verlieren. "Es gibt auch eine spezifisch deutsche schulische Bildungstradition, die es wert ist, verteidigt zu werden", sagte der DPhV-Chef.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Philologenverband e.V. im DBB
Friedrichstr. 169-170, 10117 Berlin
Telefon: 030/40816781, Telefax: 030/40816788
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