„Politik muss angekündigte Reformen zügig und umfassend angehen“
(Berlin) - Die Unternehmen der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden In
dustrie erhöhen zum 1. Mai die Löhne und Gehälter um 2,4 Prozent. Bereits im Juli des
Vorjahres wurden die Entgelte um 2,0 Prozent angehoben. Die dritte Stufe der Entgelt
höhung des laufenden Tarifvertrags wird am 1. Januar 2027 mit weiteren 1,1 Prozent fol
gen.
„Mit den Erhöhungen der Löhne und Gehälter von insgesamt 5,5 Prozent haben die Ar
beitgeber beim letzten Tarifabschluss Wort gehalten: Wir stehen auch in herausfordern
den Zeiten in der Papier- und Kunststoffverarbeitung zu unseren Beschäftigten. Bei der
zuletzt gesunkenen Inflation verblieb bislang ein adäquates Plus im Portemonnaie“, sagte
HPV-Präsident und Verhandlungsführer Jürgen Peschel. Inwieweit die aktuellen Krisen
und Kriege den Anstieg der Inflationsrate wieder befeuern werden, bleibe abzuwarten,
auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr hoch sein dürfte.
„Trotz des für Arbeitgeber und Arbeitnehmer fairen Tarifabschlusses ist auch für unsere
Unternehmen jede zusätzliche Belastung aktuell nur äußerst schwierig zu stemmen. Wir
befinden uns weiterhin in einer Rezession, die die Branche fest im Griff hat: Wir haben die
Umsatzrückgänge der vergangenen Jahre nicht vollständig kompensieren können. Die
Menschen in Deutschland sind durch die vielfältigen Krisen der letzten Zeit stark verun
sichert, was sich dauerhaft in einem eher zurückhaltenden Konsumverhalten nieder
schlägt“, so Peschel.
Auf der Kostenseite sehe es auch nicht besser aus, konstatierte der HPV-Präsident: „Hat
bereits der Ukrainekrieg für viele zusätzliche Herausforderungen gesorgt, verschärft der
Krieg im Iran und im Nahen Osten die Situation massiv. Die Kosten für Logistik, Energie
und die meisten Grundstoffe werden vor diesem Hintergrund weiter anziehen, die Pla
nungssicherheit für die Unternehmen ist schlichtweg nicht mehr vorhanden.“
Deshalb komme es jetzt darauf an, dass die Politik die lang angekündigten Reformen zü
gig und umfassend angehe. „Der Standort Deutschland ist für viele Unternehmen unserer
Branche unattraktiv geworden: Überbordende Bürokratie, eine immense Steuer- und Ab
gabenlast sowie hohe Energiekosten haben sich zu einem großen und dauerhaften Wett
bewerbs- und Standortnachteil entwickelt. Dies führe dazu, dass Betriebsschließungen
oder -verlagerungen ins Ausland von nicht wenigen Arbeitgebern mittlerweile als berech
tigte Alternative zum Status Quo angesehen werden. Im schlimmsten Fall sorgen auch
vermehrte Insolvenzen dafür, dass Arbeitsplätze dauerhaft verloren gehen. Insofern
kommt es jetzt darauf an, dass die Politik endlich die richtigen Signale setzt und die Rah
menbedingungen deutlich verbessert“, forderte Peschel.
Quelle und Kontaktadresse:
Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung e.V. (HPV), Stefan Rössing, Hauptgeschäftsführer(in), Chausseestr. 22, 10115 Berlin, Telefon: 030 2478183-0
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