Pressemitteilung | Deutscher Hausärztinnen- und Hausärzteverband e.V. - Bundesgeschäftsstelle
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Regresse bremsen Grippe-Impfkampagne frühzeitig aus / Hausärztinnen- und Hausärzteverband: „Wer die Impfquote erhöhen will, muss Sanktionen für Praxen abschaffen“

(Berlin) - Vor dem Hintergrund der regionalen Engpässe bei Grippeimpfstoffen in diesem Winter, von denen zahlreiche Praxen betroffen waren, kritisiert der Hausärztinnen- und Hausärzteverband das starre Bestellsystem bei Grippeimpfstoffen, das Praxen bei nicht abgerufenen Impfdosen finanziellen Sanktionen aussetzt. Dieses Risiko führe dazu, dass Impfstoffe eher zurückhaltend bestellt werden und bei erhöhter Impfnachfrage fehlen. Entsprechend fordert der Verband ein Ende des Regressrisikos bei Impfungen. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband erklärt hierzu: „Dieser Winter hat eindrücklich gezeigt, wie stark das Regressrisiko die Impfkampagne behindert. Wer die Impfquote steigern will, muss unseren Praxen ermöglichen, eine höhere Impfnachfrage bedienen zu können und voranzutreiben – dafür müssen die Impfregresse unbedingt abgeschafft werden.“

Ärztinnen und Ärzte müssen, auch aufgrund der langen Produktionsdauer, den Bedarf an Grippeimpfstoffen in ihren Praxen bereits ein Dreivierteljahr im Vorhinein festlegen und entsprechend bestellen. Zu diesem Zeitpunkt ist aber nicht absehbar, wie hoch die Nachfrage in der anstehenden Saison ausfallen wird. Bestellen die Praxen zu viel Impfstoff, der aufgrund zu geringer Nachfrage nicht verimpft werden kann, laufen sie Gefahr, von den Krankenkassen finanziell sanktioniert zu werden. Daher orientieren sie sich an dem Impfstoffbedarf der vorangegangenen Grippesaison und rechnen keine großen Reserven ein – mit dem Risiko, dass am Ende Impfstoff fehlt. Eine Nachbestellung im Verlauf der Impfsaison ist aufgrund der Produktionsdauer nicht möglich.

Angesichts der frühen Grippewelle sowie dem neuen Virenstamm, „Subklade K“, über die medial sehr breit berichtet wurde, stieg die Patientennachfrage nach Impfungen in dieser Saison in vielen Praxen vergleichsweise früher und stärker an. Entsprechend berichteten zahlreiche Hausärztinnen und Hausärzte, dass bereits Mitte Dezember in einigen Regionen Deutschlands bestimmte Grippeimpfstoffe fehlten. Viele Hausarztpraxen organisierten sich in Netzwerken, um für ihre Patientinnen und Patienten noch Praxen mit Restbeständen zu finden – mit schwindendem Erfolg.

„Gerade angesichts der niedrigen Impfquoten in Deutschland sollte es doch eine positive Nachricht sein, wenn sich deutlich mehr Menschen frühzeitig für eine Grippeimpfung entscheiden. Unsere Praxen haben aber aktuell keinerlei Möglichkeit, auf eine stärkere Nachfrage angemessen zu reagieren. Grund ist die extrem rigide Bestellregelung, die uns keinerlei Flexibilität erlaubt“, so Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier, Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. „Die Regressangst hängt seit Jahren wie ein Damoklesschwert über der Impfkampagne. Das muss sich dringend ändern. Kein Arzt sollte Regresse fürchten müssen, weil er versucht, ausreichend Impfstoff für seine Patientinnen und Patienten vorzuhalten.“

Dr. Wolfgang Ritter, Vorsitzender des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes und Vorstandsmitglied im Hausärztinnen- und Hausärzteverband, erklärt: „Wir sehen, dass die Politik handeln will – aber sie hat bisher an den völlig falschen Stellschrauben gedreht. Statt die Praxen zu befähigen, die Impfkampagne mutig voranzutreiben, wurde etwa die Verpflichtung zum Abschluss von Rabattverträgen aufgehoben. Das hat allerdings nicht dazu geführt, dass die Industrie wesentlich mehr Impfstoff zur Verfügung stellt. Für unsere Praxen und unsere Patientinnen und Patienten hat sich dadurch also rein gar nichts verbessert – in diesem Jahr war die Situation vielerorts sogar schlimmer denn je. Was es für eine höhere Impfquote braucht, ist stattdessen eine klare Abkehr von den Impf-Regressen sowie eine deutliche Stärkung der Hausarztpraxen sowie der Kinderarztpraxen als erste Anlaufstelle ihrer Patientinnen und Patienten.“

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Hausärztinnen- und Hausärzteverband e.V. - Bundesgeschäftsstelle, Edmund-Rumpler-Str. 2, 51149 Köln, Telefon: 02203 57560

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