Pressemitteilung | Baden-Württembergischer Handwerkstag e.V.
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Schwächster Jahresauftakt seit Corona

(Stuttgart) - Die wirtschaftliche Lage im baden-württembergischen Handwerk hat sich zum Jahresbeginn 2026 deutlich eingetrübt. So schlecht wurde die Geschäftslage zuletzt während der Corona-Pandemie bewertet – entsprechend hoch sind die Erwartungen des Handwerks an die aktuelle Wirtschaftspolitik.

„Unsere neueste Umfrage ist ein ernstzunehmendes Warnsignal. Viele Betriebe stehen unter massivem Druck – vor allem durch die stark gestiegenen Energie- und Einkaufspreise“, sagt Rainer Reichhold, Präsident des Spitzenverbands Handwerk BW. „Die geopolitischen Spannungen treiben die Kosten zusätzlich nach oben. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, droht eine weitere Verschärfung der Lage im Handwerk.“

Nur noch 37 Prozent der Betriebe berichten von einer guten Geschäftslage. Einen niedrigeren Wert gab es im Landeshandwerk zuletzt 2009 während der Weltfinanzkrise. 26 Prozent der Betriebe bezeichnen die Lage als schlecht. Zum Vergleich: Im Schlussquartal 2025 hatte noch knapp jeder zweite Betrieb seine Lage als gut eingeschätzt, lediglich 19 Prozent als schlecht. Damit ist die Stimmung im Handwerk so betrübt wie seit dem Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr. Immerhin überwiegen die positiven Einschätzungen noch leicht – anders als in vielen Bereichen der Gesamtwirtschaft.

Auch die Auftragslage hat sich spürbar verschlechtert. Nur noch 17 Prozent der Betriebe melden steigende Aufträge (Vorjahresquartal: 21 Prozent), während 44 Prozent Rückgänge verzeichnen (Vorjahresquartal: 34 Prozent). Entsprechend hat sich die Auslastung weiter reduziert: Der Anteil der Betriebe mit einer Auslastung von höchstens 60 Prozent stieg binnen Jahresfrist von 20 auf 31 Prozent. Die durchschnittliche Auslastung sank auf 72 Prozent und liegt damit rund vier Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig sind noch immer 8,5 Prozent der Betriebe überausgelastet.

Bei den Investitionen zeigt sich ein gemischtes Bild: Zwar hat jeder fünfte Betrieb (20 Prozent) seine Investitionen ausgeweitet, gleichzeitig berichten 28 Prozent von sinkenden Investitionen (Vorjahresquartal: 20 Prozent). Insgesamt bleibt die Investitionsbereitschaft damit hinter dem Vorjahr zurück.
Die Lage in den einzelnen Gewerken folgt größtenteils dem Gesamtbild: In fünf von sieben Gewerbegruppen überwiegen weiterhin die positiven Einschätzungen. Nur im Handwerk für den gewerblichen Bedarf sowie im Nahrungsmittelhandwerk gibt mehr negative als positive Rückmeldungen. Als vergleichsweise stabil erweisen sich das Ausbaugewerbe (44 Prozent gute Lage) und das Bauhauptgewerbe (40 Prozent).

Ein zentrales Belastungsthema bleiben die stark gestiegenen Einkaufspreise: Rund 80 Prozent der Betriebe sind davon betroffen – ein Niveau, das zuletzt in den Jahren 2021 und 2022 erreicht wurde. Gleichzeitig gelingt es nur 40 Prozent der Betriebe, diese Kosten zumindest teilweise über höhere Verkaufspreise weiterzugeben. Besonders häufig berichten Betriebe aus dem Bauhauptgewerbe und dem Kfz-Gewerbe von steigenden Preisen – also dort, wo Energie- und Kraftstoffkosten eine zentrale Rolle spielen. Die jüngsten Preisentwicklungen im Zuge des Iran-Konflikts verstärken diese Belastungen zusätzlich.

„Die Politik darf die Betriebe in dieser Situation nicht allein lassen. Wir brauchen jetzt spürbare Entlastungen – weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise und verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen“, so Landeshandwerkspräsident Reichhold. Eine zu schwerfällige Regierungsbildung in Baden-Württemberg trüge auch nicht zur Aufhellung der Stimmung bei.

Die Geschäftserwartungen für das Frühjahrsquartal fallen entsprechend verhalten aus: Nur noch 28 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung der Lage (Vorjahresquartal: 35 Prozent), während 23 Prozent eine Verschlechterung erwarten (Vorjahresquartal: 13 Prozent). Damit sind die Optimisten nur noch knapp in der Mehrheit. Auch die Erwartungen bei Aufträgen und Umsätzen lassen keinen spürbaren Frühjahrsaufschwung erkennen.

Quelle und Kontaktadresse:
Baden-Württembergischer Handwerkstag e.V., Sabrina Kreuzer, Leiter(in) Kommunikation, Heilbronner Str. 43, 70191 Stuttgart, Telefon: 0711 263709-0

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