Starker Umsatzrückgang auch in der Elektroindustrie / Gerüstet für Aufschwung / Partner für Energieeffizienz
(Hannover) - Die Krise hat auch die Elektroindustrie im Griff. Aufgrund ihrer breiten Aufstellung ist sie aber weniger scharf betroffen als andere Branchen. Schon das letzte Quartal 2008 verzeichnete mit minus neun Prozent einen deutlichen Umsatzrückgang, so dass der Jahresumsatz auf dem Vorjahresniveau in Höhe von 182 Milliarden Euro stagnierte. Inzwischen sind alle Größen (Umsatz, Auftragseingang, Produktion, Export, Geschäftsklima, Kapazitätsauslastung) auf Talfahrt, wie der Präsident des ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, Friedhelm Loh, bei der Hannover Messe am 20. April sagte.
Von Januar bis Februar verringerten sich die Auftragseingänge gegenüber Vorjahr um insgesamt 37 Prozent, der Umsatz ging kräftig um 29 Prozent zurück. Besonders hart sind die automobilnahen Firmen sowie die Informations- und Kommunikationstechnik betroffen. Der Konsumgüter-Sektor ist ebenfalls rückläufig, wenngleich weniger stark. Die Medizintechnik konnte zu Jahresbeginn noch einstellige Zuwächse verbuchen.
"Dies wirkt sich leider auch auf die Arbeitsplätze aus", bedauerte Loh. Ende 2008 verzeichnete die Elektroindustrie 827.000 Arbeitsplätze. 62 Prozent der Firmen im ZVEI bedienen sich derzeit der Kurzarbeit, ebenfalls 62 Prozent der Firmen planen einen Abbau von Arbeitsplätzen. Zugleich sieht Loh hier aber einen Hoffnungsschimmer, denn 85 Prozent wollen weiter Ingenieurabsolventen einstellen.
"Gut ist das weiterhin hohe Niveau der Ausgaben für Forschung und Entwicklung", so Loh. Sie sollen trotz der Krise in diesem Jahr um sechs Prozent auf mehr als elf Milliarden Euro steigen. Positiv sei zudem, dass die Ausgaben für neue Produkt- und Prozessinnovationen mit 16 Milliarden Euro so gut wie gleich bleiben sollen.
Bislang sehen die Mitglieder des ZVEI noch keine flächendeckende Kreditklemme. Allerdings steigt die Sorge, dass sich die Finanzierungs¬bedingungen schon in nächster Zeit insbesondere auch auf der Abnehmerseite verschlechtern werden. Erfreulich ist, dass die Firmen die gute Konjunktur in den vergangenen Jahren zu einer Erhöhung des Eigenkapitals nutzten (auf durchschnittlich 35 Prozent).
Der ZVEI wagt keine Prognose zur Dauer der Krise. "Wir erwarten für dieses Jahr inzwischen, nachdem wir zunächst mit einem Umsatzrückgang in Höhe von drei bis vier Prozent gerechnet hatten, dass der Rückgang noch deutlicher ausfällt. Wahrscheinlich ist ein Minus um die zehn Prozent", sagte Loh. "Wir alle hoffen, dass sich in der zweiten Jahreshälfte bzw. Anfang 2010 die Lage allgemein bessert." Sobald der Aufschwung kommt, werde die Elektroindustrie eine der ersten Branchen sein, bei der es wieder aufwärts geht.
Von der Politik erwartet der Verband eine Überarbeitung der Unternehmensteuerreform. Eine Neuordnung der Managergehälter sollte keine neuen Belastungen bringen. Die Erleichterungen für die Bürger bei Steuern und Abgaben sollten möglichst auf dieses Jahr konzentriert werden, um einen deutlichen Impuls zu geben. Es brauche ferner eine strukturelle Reform des Einkommensteuerrechts, verlangte Loh. Dabei dürfe die Bundesregierung aber nicht das Ziel der Haushaltskonsolidierung aus den Augen verlieren.
Elektroindustrie hat die Lösungen für mehr Energieeffizienz
Die Elektroindustrie hat vielfältige Produkte, die helfen, Energie einzusparen. "Wir bringen die Maschinen und Motoren zum Laufen und haben die Innovationen für Energieeinsparungen", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung des ZVEI, Dr. Klaus Mittelbach. Dazu gehören Haushaltsgeräte mit hoher Energieeffizienz wie Kühlschränke der Energieklasse A++, deren Kauf mit 150 Euro gefördert werden sollte.
Auch in der Industrie gäbe es die Chance, bis zu 50 Prozent und mehr an Energiekosten einzusparen durch den Einsatz bereits auf dem Markt befindlicher Geräte und Steuerungstechnik. Knapp 50 Prozent des deutschen Stromverbrauchs entfallen auf die Industrie und das Gewerbe. Der industrielle Stromverbrauch teilt sich auf in zwei Drittel für elektromotorische Antriebe und in ein Drittel für Prozesswärme. Bei den Antrieben ließen sich nach Berechnung des ZVEI 27,5 Milliarden Kilowattstunden einsparen. Das sind elf Prozent des gesamten industriellen Stromverbrauchs oder 2,2 Milliarden Euro bei den Energiekosten. Dies würde 17 Millionen Tonnen CO2 einsparen.
Welche Lösungen es in Betrieben gibt, Energie zu sparen, zeigt auf der Messe eine Sonderschau "Energieeffizienz in industriellen Prozessen".
Quelle und Kontaktadresse:
Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI)
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